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Dieses Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Anger will der VW-Konzern zurückkaufen.

Gemeinderat

VW will von Feuerwehr Lenggries-Anger ein Fahrzeug zurück

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Sieben Jahre war in Lenggries ein Fahrzeug bei der Feuerwehr Anger im Einsatz. Jetzt ist die Gemeinde mit einem Rückruf des Herstellers konfrontiert.

  • Im bayerischen Lenggries war seit sieben Jahren ein Fahrzeug der Feuerwehr im Einsatz.
  • Jetzt hat der Hersteller des Fahrzeugs einen Rückruf verordnet.
  • Die Feuerwehr steht nun vor einem Problem.

Lenggries – Mit einer etwas „kuriosen“ Angelegenheit, so Bürgermeister Werner Weindl (CSU), musste sich der Lenggrieser Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung auseinandersetzen. Im Mittelpunkt standen das sieben Jahre alte Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Anger und ein Rückkauf-Angebot von VW.

Lenggries (Bayern): Feuerwehr mit Rückruf von Feuerwehr-Fahrzeug konfrontiert

Die Geschichte beginnt im Jahr 2012. Damals habe VW einen Crafter genommen, ihn von einer Firma mit einem Allrad-Antrieb aufrüsten lassen und mit einem Feuerwehr-Aufbau versehen. Erst wurde das Fahrzeug auf Messen gezeigt, dann das Ausstellungsstück im Internet zum Verkauf angeboten. „2013 ist die Feuerwehr Anger auf dieses Fahrzeug gestoßen“, berichtete Rathaus-Geschäftsführer Tobias Riesch. Das gute Stück wurde noch ein wenig den Erfordernissen der Brandschützer angepasst und schließlich in Empfang genommen. Knapp 90.000 Euro bezahlte die Gemeinde dafür.

Sieben Jahre war Feuerwehrauto in Lenggries im Einsatz - jetzt will VW es zurück

Seit sieben Jahren ist das Fahrzeug nun im Einsatz. Im Januar 2020 flatterte Weindl nun ein Schreiben des VW-Konzerns auf den Tisch. Im Rahmen interner Überprüfungen habe man festgestellt, dass in einem bestimmten Zeitraum Fahrzeuge verkauft wurden, „bei denen der Bauzustand möglicherweise nicht dem zum Vermarktungszeitpunkt aktuellen Serienstand entsprochen hat“, heißt es in den Schreiben. Im Falle des Einsatzwagens könne man „nicht zweifelsfrei nachvollziehen, ob Einschränkungen einzelner Systeme vorliegen könnten“. Daher wolle man, so VW weiter, das Fahrzeug „zum Ausschluss eventueller Schäden zurückkaufen“ – und zwar zum vollen 2013 geleisteten Preis. Das bestätigte der Konzern der Gemeinde Anfang Februar noch einmal – obwohl der Wagen sieben Jahre alt ist und 6500 Kilometer auf dem Buckel hat.

VW will Fahrzeug zurück: Bayerische Feuerwehr in Lenggries zeigt sich überrascht

„Wir waren schon sehr überrascht“, sagte Weindl. Natürlich werfe das Schreiben einige Fragen auf – beispielsweise, warum es nicht möglich ist, einfach die schadhaften Teile auszutauschen. „Offensichtlich haben sie aber ihre Gründe – sie bieten vermutlich nicht aus Jux und Tollerei den vollen Preis an“, sagte der Bürgermeister. Hans Proisl (FW) war damit nicht zufrieden. „Ich will schon wissen, was mit dem Auto ist.“ Das Fahrzeug sei ideal für die Wehr. „Die sind 110 Prozent zufrieden damit“, sagte Proisl.

Feuerwehrauto in Lenggries: Bei Weiterverwendung droht die Stilllegung

Das könne ja alles sein, „aber Rückruf ist Rückruf“, sagte Peter Gascha (FW). Nehme man das Rückkauf-Angebot nicht an, „wird das Fahrzeug irgendwann aus dem Verkehr gezogen“. Das bestätigte Geschäftsleiter Riesch. Zwar gebe es derzeit noch keine zeitliche Befristung, VW habe in einem Schreiben aber bereits darauf hingewiesen, dass die örtliche Zulassungsbehörde irgendwann eine Frist für die Stilllegung des Fahrzeugs setzen wird.

Nach Rückruf von VW: Feuerwehr in Lenggries vor finanziellen Problemen

Das Problem ist, dass der Kauf eines Ersatzwagens mit Blick auf die Ausschreibung mindestens eineinhalb Jahre dauern dürfte. In Absprache mit der Feuerwehr Lenggries wird für diese Zeit von dort ein Tragkraftspritzenfahrzeug nach Anger abgegeben. „Reißt das in Lenggries keine Lücke?“, wollte Franz Baumgärtel (FW) wissen. 

Feuerwehr in Lenggries muss Fahrzeug zurückgeben: „Ob wir sowas wieder auftreiben“

„Doch, natürlich geht das Fahrzeug ab. Aber der Lenggrieser Kommandant sagt, dass es möglich wäre“, antwortete Weindl. Thomas Murböck (CSU) sah schon mit Blick auf die Haftung und den Versicherungsschutz keine andere Möglichkeit, als das VW-Angebot anzunehmen. „Das Problem ist, dass das Fahrzeug für Anger die eierlegende Wollmilchsau war. Die Frage ist, ob wir so etwas wieder auftreiben.“ Gascha fragte sich, ob VW nicht in irgendeiner Form schadenersatzpflichtig ist. Weindl war skeptisch. „Sie zahlen ja schon den vollen Kaufpreis“, entgegnete er.

Gegen die Stimme von Hans Proisl wurde am Ende von den Gemeinderäten beschlossen, das Rückkauf-Angebot zu akzeptieren.

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