Die Umstellung auf die 3G-Regel bereitet den meisten Bergbahn-Betreibern Bauchschmerzen. Jörg Findeisen, von der Herzogstandbahn ärgert sich vor allem, ob der kurzfristigen Ankündigung: „Das ist skandalös“.
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Die Umstellung auf die 3G-Regel bereitet den meisten Bergbahn-Betreibern Bauchschmerzen. Jörg Findeisen, von der Herzogstandbahn ärgert sich vor allem, ob der kurzfristigen Ankündigung: „Das ist skandalös“.

Tölzer Land

3G-Regel in der Bergbahn? Ein Seilbahnbetrieb ist davon befreit - „Endlich mal kapiert...“

  • Felicitas Bogner
    VonFelicitas Bogner
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Auch in den Bergbahnen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen muss die 3G-Regel eingehalten werden. In der Praxis ist die Kontrolle der Gäste aber nur sehr schwer umsetzbar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der September lädt schon seit Tagen mit perfektem Wetter zum Wandern ein. Und auch die kommenden Tage beschert uns die Sonne noch herrliches Ausflugswetter. Das zieht zahlreiche Bergfreunde auf die Gipfel der Region. Auch für die Bergbahnen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bedeutet dies, dass sie derzeit einen großen Ansturm zu bewältigen haben.

Zudem müssen die Betreiber der Bergbahnen jetzt auch noch die geltende 3G-Regel in Kabinenbahnen kontrollieren – also, ob die Gäste geimpft, genesen, oder getestet sind. Das macht die Betreiber wütend.

Gleichstelliung mit dem ÖPNV wird von den Bergbahnen gefordert

„Wir haben am 1. September abends das neue Infektionsschutzgesetz bekommen“, sagt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck-Bergbahn. Bereits am nächsten Morgen sollte sie umgesetzt werden. Die neue bayerische Verordnung sieht vor, dass ab einer Inzidenz von 35 auch Seilbahnbetriebe die 3G-Regel als Eintritts-Voraussetzung überprüfen müssen. „Das ist aus organisatorischen Aspekten nahezu nicht darstellbar“, raunzt Lorenz. Immer wieder würden Seilbahnbetreiber gebetsmühlenartig darum bitten, bei Coronamaßnahmen mit dem ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehr) gleichgesetzt zu werden.

Tragen einer Maske würde laut Brauneck-Bahn-Geschäftsführer ausreichen

Lorenz – der auch stellvertretender Vorsitzender beim Verband deutscher Seilbahnen ist – führt dazu ein Beispiel aus dem Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen an: „An der Zugspitze ist es ja der größte Irrsinn.“ Denn: „Da fährt jemand mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zur Zugspitze nach Grainau – von München beispielsweise über eine Stunde im Zug, ohne einen Nachweis. Auch am Hauptbahnhof steht er unter Hunderten von Leuten – ohne Nachweis. Beim Einstieg in die Zahnradbahn braucht er dann aber plötzlich einen“, sagt Lorenz. „Das ist doch absurd.“

Seines Erachtens würde in den Bergbahnen, genau wie im Zug, das Tragen einer Maske ausreichen. „Mittlerweile wissen wir ja, dass Gondeln ein geringes Ansteckungsrisiko bergen.“

Herzogstandbahn bemängelt, wie schnell die neuen Vorgaben umgesetzt werden sollten: „Skandalös“

Personell musste der Brauneckbahn-Geschäftsführer den neuen Regeln bereits Rechnung tragen: „Wir haben jetzt mehr Kassen besetzt. Anders geht es aktuell nicht. Wir machen das jetzt so gut es geht mit.“ Dies sei aber in der kalten Jahreszeit nicht mehr in diesem Rahmen realisierbar. „In der Wintersaison ist zu viel los für so ein System. Da bräuchten wir zusätzlich noch Security“, sagt er.

Jörg Findeisen, Betreiber der Herzogstandbahn, ist ähnlich gestimmt: „Die Umsetzung geht theoretisch schon. Mit einer Personalaufstockung, einem hohen Mehraufwand und zeitlichen Verzögerungen“, meint er. „Aber natürlich nicht in den Zeitvorgaben.“ Denn für die Umsetzung „haben wir nur ein paar Stunden Zeit bekommen. Das ist skandalös“, schimpft Findeisen. „Ein vollkommen indiskutabler Zeitrahmen.“ Die Saison allgemein sei bisher schon „extrem nervig“ gewesen. Denn zum täglichen Geschäft gehörten „unzählige Diskussionen mit den Gästen“, berichtet er. „Jetzt wird die Maskenpflicht gerade gut angenommen, dann kommt jetzt die 3G-Regel, und die Diskussionen fangen von vorne an“, so Findeisen.

Leute sind unzufrieden - das fällt auf die Bahnbetreiber zurück

Dazu gibt er eine weitere Hürde zu bedenken: „Wenn Leute hochwandern, aber mit der Bahn dann runterfahren wollen, und oben keinen Nachweis haben, müssen wir sie wieder wegschicken.“ Dazu brauche man Kontrollstellen oben sowie unten am Berg. Am Ende sei der Gast unzufrieden. „Das fällt aber dann auf uns zurück, wenn die Leute abwandern und sich touristische Alternativen suchen“, so die Befürchtung des Seilbahnbetreibers.

Hannes Zintel, Chef der Blombergbahn, kann diesmal aufatmen. Für seinen Betrieb gilt die 3G-Regel nicht. „Endlich haben sie es mal kapiert, dass man zwischen offenen Zweierliften und Kabinenbahnen differenzieren muss“, sagt er und fügt mit einem sarkastische Unterton hinzu: „Eine reife Leistung nach eineinhalb Jahren Pandemiemanagement.“

Bei der Blombergbahn gilt AHA, aber kein 3G

In seinem Liftbetrieb gelten nach wie vor die AHA-Regeln (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske). Dass auch sein Kassenbereich draußen ist, beruhigt Zintel zusätzlich: „So ist auch mein Personal geschützter.“

Seine Kollegen könne er voll und ganz verstehen. „Ich kann mir vorstellen, was für Nöte die Kabinenbetreiber durch die Änderung nun wieder haben“, sagt er. Bis dato haben für die Blombergbahn nämlich immer die gleichen Maßstäbe gegolten, daher weiß er: „3G umzusetzen wäre organisatorisch schwer bis nicht machbar. Die Leute stehen ja so schon an guten Wochenenden 100 Meter Schlange.“

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