Sommerrodelbahn 1976 Blomberg
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Die Eröffnung der Sommerrodelbahn im Juni 1976 brachte die wirtschaftliche Wende für die Blomberg-Bergbahn.

Jubiläum

50 Jahre Blomberg-Bergbahn: Erfolgsgeschichte mit Anlaufschwierigkeiten

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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50 Jahre wird die Blombergbahn an diesem Donnerstag alt. Dieser Geburtstag ist keine Selbstverständlichkeit, denn die ersten Jahre der Bergbahn waren alles andere als einfach. Tatsächlich war das Unternehmen wenige Jahre nach dem Start so gut wie pleite, als Chef Hans Zintel eine Idee hatte, die alles änderte.

Wackersberg – Der Blomberg ist seit über 100 Jahren ein beliebtes Freizeit- und Naherholungsgebiet. 1907 wurde die Rodelbahn eröffnet, im selben Jahr das Blomberghaus. Die Stadt Bad Tölz war damit die erste Gemeinde, die ein Berggasthaus betrieb. 1925 spielte der Tölzer Stadtrat dann zum ersten Mal mit der Idee, den Blomberg mit einer Drahtseilschwebebahn zu erschließen. „Die Verhandlungen und Diskussionen dauerten bis ins Jahr 1929, in dem die Beteiligung an der Erbauung der Blombergbahn aus finanziellen Gründen, hervorgerufen durch die Weltwirtschaftskrise, leider abgelehnt wurde. Die Idee einer Bergbahn auf den Blomberg begeisterte aber weiterhin Stadtrat und Bürgermeister“, heißt es in der Chronik von Stadtkämmerer Heinrich Rath. 1948 gab es einen erneuten Versuch, die Bahn zu bauen. Der scheiterte aber ebenfalls an der wirtschaftlichen Lage.

Ein Berliner, eine Begegnung auf dem Oktoberfest und eine Investition

Schließlich war es eine Begegnung auf dem Münchner Oktoberfest in den 60er-Jahren, die die Wende brachte. Der Berliner Hans Zintel, der sein Geld eigentlich mit dem Betrieb großer Festzelte und der Vermietung von Hallen verdiente, kam an einem Biertisch ins Gespräch mit zwei anderen Besuchern. „Es waren Tölzer Stadträte, und sie erzählten von Plänen für den Bau einer Seilbahn auf den Blomberg bei Bad Tölz, für welchen Investoren gesucht werden“, erinnert sich der heute 94-jährige Zintel. Das Interesse bei ihm und seinem späteren Mitgesellschafter Franz Josef Koch war geweckt. Besichtigungen, Diskussionen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen folgten. Zintel und Koch waren bereit, in das Projekt einzusteigen. Im Juli 1969 erfolgte die Gründung der Blombergbahn GmbH & Co. KG.

Fatale Entscheidung bei Baubeginn kostet 750.000 D-Mark

Die Planungen begannen – und die Stadtverwaltung habe auf einen raschen Baubeginn gedrängt, schildert Zintel. Dass sich der damalige Geschäftsführer Paul Mosbach drängen ließ und den Bau tatsächlich startete, entpuppte sich als fatale Entscheidung. Die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung strich nämlich das bereits zugesagte Förderdarlehen über 750 000 D-Mark, weil die Maßnahme vorzeitig begonnen worden war. „Somit startete das Unternehmen gleich mit einem Finanzloch, das es jetzt zu stopfen galt“, so Zintel. Er und Koch mussten also zum Eigenkapital in Höhe von 750 000 D-Mark noch einmal dieselbe Summe auftreiben.

Zur Einweihung kam Hans Zintel auf Krücken

Es war nicht der einzige Rückschlag. An der Einweihung der Blombergbahn am 27. Mai 1971 nahm Zintel nach einem schweren Autounfall und langem Krankenhausaufenthalt auf Krücken teil. „Und der Betrieb der Seilbahn stand unter keinem glücklichen Stern“, erinnert sich der Senior-Chef. Der Blomberg war zwar nach wie vor beliebt, viele gingen aber zu Fuß auf den Berg und ignorierten die Bahn. Dazu kam, dass schon Anfang der 70er-Jahre die Winter schneeärmer wurden. „So konnte der Winterbetrieb den geringen Sommerumsatz nicht auffangen“, sagt Zintel. 1973 – nur zwei Jahre nach der Eröffnung – war der Tiefpunkt erreicht. „Unser Geschäftsführer erklärte uns, dass wir pleite sind und Insolvenz anmelden müssen“, sagt Zintel. Sein Geschäftspartner Koch wollte aussteigen. Doch der Berliner glaubte an den Blomberg – er kaufte Kochs Anteile und übernahm die Geschäftsführung der GmbH.

Am 27. Mai 1971 starteten Umweltminister Max Streibl (re.) und Geschäftsführer Paul Morsbach die Blombergbahn.

Der Bau der Sommerrodelbahn 1976 brachte die Wende

Doch neue Ideen mussten her, um dem Unternehmen eine Zukunft zu sichern – und die hatte Zintel. Am Berliner Teufelsberg sah er zum ersten Mal Schneekanonen in Aktion – und investierte 300 000 Mark in eine Anlage. Die Oberfischbacher Feuerwehr lieferte 1975 zwei große Wasserbehälter, und der erste Kunstschnee wurde auf den Blomberg geschossen. Das Wintergeschäft war gesichert, und auch für den Sommer hatte Zintel eine durchschlagende Idee. Die Eröffnung der Sommerrodelbahn im Juni 1976 brachte die Wende für das angeschlagne Unternehmen. Der Ansturm am ersten Wochenende war gewaltig. „Die Leute sind unten zwei Stunden angestanden für ein Ticket und oben nochmal zwei Stunden, um wieder runterrodeln zu können“, so Zintel. 1981 erfolgte sogar der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde als „längste Rutschbahn“.

Wandel vom Skiberg zum Rodelberg

Seitdem hat sich der Blomberg stetig weiterentwickelt und gewandelt – vom Skiberg zum Rodelberg. Seit 2008 ergänzt der schienengeführte Blombergblitz das Angebot an Rodelbahnen. 2016 wurde er verlängert. 2018 sollte der zum Rodellift umgebaute Schlepper unterhalb des Blomberghauses in Betrieb gehen. Eigentlich. Denn der schwere, nasse Schnee, der in jenem Winter fiel, knickte am Blomberg reihenweise Bäume um, die auf die Anlagen stürzten. 400 000 Euro Schaden entstand, nachdem ein Föhnsturm wenige Monate zuvor bereits Schaden in Höhe von 100 000 Euro angerichtet hatte. Im Winter danach fiel gar kein Schnee. Dann kam Corona und legte den Betrieb lahm. Jetzt setzt Hannes Zintel, der 2012 die Geschäftsführung von seinem Vater übernahm, auf die Eröffnung des neuen Rodellifts im kommenden Winter.

Schon als Dreijähriger wollte Hannes Zintel Berbbahndirektor werden

Dass er in den elterlichen Betrieb einsteigen würde, war für den 43-Jährigen nie eine Frage. Schon mit drei Jahren verkündete er voller Überzeugung: „Ich werde mal Bergbahndirektor.“ Sein Vater ist froh, dass sein Sohn das Geschäft übernommen hat. „Er könnte es sich leichter machen, hat aber genau wie ich diesen Blomberg-Virus in sich.“ Es sei eine Aufgabe mit vielen Herausforderungen, sagt Hannes Zintel. „Aber ein Leben ohne Blomberg kann ich mir nur schwer vorstellen.“ Letztlich gehe es „um die Besucher, denen wir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, nach dem Motto: ,Du kannst Dir kein Glück kaufen, aber Du kannst Dir ein Liftticket kaufen.“ Hannes Zintel ist mittlerweile selbst Vater. Kann er eine Karriere als Bergbahndirektor empfehlen? „Unsere Kinder sollen beruflich machen dürfen, was sie erfüllt. Sollte dies der Blomberg sein, würden wir uns natürlich freuen.“

Die Blombergbahn ist fest in Familienhand. Das Foto zeigt das Gründer Ehepaar Hans und Anna Katharina Zintel sowie den Sohn und jetzigen Geschäftsführer Hannes mit Ehefrau Nicole.

Einladung an Ehrenamtliche statt einer großen Feier

Eine große Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen ist wegen Corona heuer nicht möglich. Stattdessen wird ein Magazin erscheinen. Mit Geschichte und Geschichten rund um die Blombergbahn – und mit vielen Grußworten. Eines davon stammt vom Landtagsabgeordneten Florian Streibl. Sein Vater Max war es, der bei der Einweihung 1971 als Umweltminister den Schalter umlegte, um die Bahn zu starten. „So schließt sich der Kreis“, sagt Hannes Zintel und lacht. Das Geld, das eigentlich ins Jubiläumsfest geflossen wäre, investiert Zintel nun anders. „Wir wollen Ehrenamtliche und Vereine einladen.“ Zum Auftakt kommen nun 100 Pfadfinder aus München, die einen schönen Tag am Blomberg verbringen werden. Weitere Gruppen werden folgen. „Vor allem Jugendliche haben es in der Corona-Zeit nicht leicht“, sagt der 43-Jährige. Ihnen einen schönen Tag zu spendieren, sei sinnvoller, als in ein Feuerwerk oder Freibier zu investieren.

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