Im und rund um das Blomberghaus wurde am Donnerstagabend der Ernstfall trainiert.
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Im und rund um das Blomberghaus wurde am Donnerstagabend der Ernstfall trainiert.

Rund 140 Rettungskräfte proben den Ernstfall

Alles gelöscht, alle gerettet: Großübung von Bergwachten und Feuerwehren auf dem Blomberg

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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140 Einsatzkräfte von fünf Bergwachtbereitschaften und vier Feuerwehren probten am Donnerstagabend den Ernstfall. Angenommen wurde eine Explosion im Blomberghaus - das war aber nicht der einzige Einsatzort.

Wackersberg/Bad Tölz – Der Hausalarm schrillt seit Minuten ohrenbetäubend. Langsam füllt Rauch das Untergeschoss des Blomberghauses. Vor der Tür ist aber noch alles ganz entspannt. „Die Opfer könnten aber schon mal auf den Balkon“, ruft einer. Das ist auch tatsächlich notwendig, denn in wenigen Minuten wird die Großübung auf dem Blomberg beginnen, an der rund 140 Aktive aus fünf Bergwachten und vier Feuerwehren beteiligt sind.

Nicht einmal 15 Minuten braucht die Wackersberger Feuerwehr auf den Berg

Um 19.03 Uhr erfolgt die Alarmierung. „Übung, Übung, Übung“, so beginnt und endet der Funkspruch der Integrierten Leitstelle Oberland. Dazwischen erfolgt eine knappe Beschreibung. Das Blomberghaus brennt. Es besteht die Gefahr einer Ausbreitung auf den angrenzenden Wald. Die Anzahl der betroffenen Personen ist unklar, es wird aber von mehr als zehn ausgegangen. Im Tal rücken die Einsatzkräfte aus. Schon die Anfahrt zum Berggasthof auf 1203 Metern Höhe ist mit den großen Tanklöschfahrzeugen eine Herausforderung. Doch nicht einmal 15 Minuten später treffen die Kräfte der Wackersberger Feuerwehr vor Ort ein, fast gleichzeitig mit den Kollegen aus Bad Heilbrunn. Schneller war nur Kreisbrandmeister Georg Lettner. „Er übernimmt jetzt die Einsatzleitung und die erste Vorerkundung“, erklärt Josef Bail von der Kreisbrandinspektion, der an diesem Abend die Medien betreut.

Auf der Wiese neben dem Blomberghaus kümmerten sich die Bergwachten um die „Verletzten“.

Die ersten Personen werden mit Leitern vom Balkon gerettet

Das weitere Vorgehen wird abgesprochen. Mittlerweile sind auch die Feuerwehren Oberfischbach und Bad Tölz eingetroffen. Aufgaben werden verteilt. Atemschutzträger dringen in die verrauchten Bereiche des Hauses vor, um nach Verletzten zu suchen, auch die Löscharbeiten beginnen. Außen stellen Retter eine Steckleiter an den Balkon, um die beiden Personen, die dort um Hilfe rufen, zu retten. „Natürlich ist das nur eine Übung, aber man sieht, wie viel Dynamik hier dahinter ist. Jeder will seine Sache gut machen“, sagt Bail.

Schreckliche Szenen hinter dem Haus: Pfählungsverletzung beim Sprung vom Balkon

Hinter dem Haus spielen sich schreckliche Szenen ab. Eine junge Frau liegt auf dem Boden und schreit. „Jetzt tut endlich was“, jammert sie. Sie sei vom Balkon gesprungen, schildert sie. Gelandet ist sie – so das Übungsszenario – auf einem aus dem Boden ragenden Rohr und hat sich dabei selbst gepfählt. Bis zum Eintreffen des Notarztes „bleiben die beiden Feuerwehrmänner bei ihr“, erklärt Bail.

Bergwacht muss Patienten priorisieren: Rot steht für Lebensgefahr

Die Bergwacht-Notärzte sind derzeit noch auf der Vorderseite des Hauses. Auch dort treffen die ersten „Verletzten“ ein, die die Feuerwehr aus dem Gebäude gerettet hat. Übergeben werden sie an einem zuvor festgelegten Punkt. „In den direkten Gefahrenbereich dürfen wir nämlich nicht“, erklärt Dr. Tobias Reploh. Der Bergwacht-Notarzt ist an diesem Abend als Beobachter vor Ort. Auf der benachbarten Wiese bauen die Bergretter gerade den Bereich auf, in dem die Verletzten behandelt werden. Bei so vielen Patienten könne man sich nicht aller sofort annehmen. Es brauche zunächst eine Priorisierung, sagt Reploh. Die funktioniert mit Farben: Rot bedeutet Lebensgefahr, eine Behandlung ist sofort notwendig. Gelb steht für schwer verletzt, Grün für gehfähig. „Das heißt nicht, dass er unverletzt ist“, sagt Reploh.

Feuerwehr und Bergretter arbeiten Hand in Hand

„Wir brauchen dringend einen Notarzt auf der Ostseite“, sagt ein Retter. Dort liegt die junge Frau mit der Pfählungsverletzung. Ihre Vitalwerte, die sie hätte, wenn sie wirklich so schwer verletzt wäre, sind auf einem Zettel notiert. An denen orientiert sich die Behandlung. „Der Chef im Ring ist immer der Notarzt und derjenige, der am Kopf der Patientin ist“, erklärt Bail. „Das Rohr muss oben so weit abgeschnitten werden, wie es geht“, weist der Notarzt die Feuerwehr an. Danach wird die Patientin vorsichtig auf die Seite gerollt, um auch das Rohr am anderen Ende zu durchtrennen. Dann erfolgt der Abtransport. „Sie würde jetzt sicher mit dem Hubschrauber in die Murnauer Klinik geflogen“, sagt Bail.

Nicht nur Brände wurden simuliert, sondern auch ein Unfall mit einem Bergwachtfahrzeug und einer Radlerin

„Wir haben gerade eine Rauchgranate geworfen“: Das ändert die Lage

Um die Ecke versuchen Feuerwehrleute, das Übergreifen des Brands auf den Wald zu verhindern. Sie werden ihre Bemühungen in wenigen Minuten deutlich intensivieren müssen. „Lageänderung“, sagt Bail. „Wir haben gerade eine Rauchgranate geworfen.“ Im Übungsszenario heißt das: Jetzt brennt der Wald! Und auch von unterhalb des Blomberghauses kommt ein Hilferuf. Dort müssen die Übenden davon ausgehen, dass ein Bergwachtfahrzeug eine Radlerin überfahren hat und die Frau unter dem Auto eingeklemmt wurde. Bergwacht-Notarzt und Feuerwehr arbeiten auch hier Hand in Hand, um die Verletzte zu befreien und zu versorgen.

Elf Personen aus dem Haus gerettet und der Bergwacht übergeben

Um 20.25 Uhr findet die erste Lagebesprechung statt. „Alle Funkgeräte aus“, heißt es zu Beginn. Kreisbrandmeister Marc Vopelius von der Unterstützungsgruppe Örtlicher Einsatzleiter, fasst die Eckpunkte zusammen, liefert aber auch Daten zu Wetter und Wind. Die Einsatzleitung hat mittlerweile Kreisbrandrat Erich Zengerle von Lettner übernommen. Zengerle war zwar schon zu Beginn der Übung auf dem Berg. Im Ernstfall müsste er aber erst die Anfahrt aus Egling hinter sich bringen. Er übergibt direkt an die Abschnittsleiter. Lettner berichtet über die Feuerwehreinsätze. Elf Personen seien gefunden und an die Bergwacht übergeben worden. Der Waldbrand sei gelöscht. Johannes Kuntze-Fechner, stellvertretender Bereitschaftsleiter der Bergwacht Bad Tölz, fasst die Lage aus Bergwachtsicht zusammen. Eine weitere Person sei auf der Nordseite im Wald gefunden worden. Unter den zwölf Patienten seien fünf Rot, zwei Gelb und fünf Grün. „Beim Abtransport passt alles.“

Um 21 Uhr ist die „Gesamtlage entspannt“

Dann werden die letzten Aufgaben abgearbeitet. „Die Gesamtlage ist entspannt“, sagt Vopelius bei der Besprechung um 21 Uhr. „Von Seiten der Feuerwehr ist alles abgearbeitet“, erklärt Zengerle. „Nur noch ein Patient ist auf dem Gelände“, meldet Kuntze-Fechner. Dessen Abtransport laufe aber bereits. Zufriedenes Nicken, kurzer Beifall. Das war’s. Ob alles gut gelaufen ist oder ob es Verbesserungsbedarf gibt, das wird sich bei der Nachbesprechung zeigen.

Beteiligt waren: die Feuerwehren Bad Heilbrunn, Bad Tölz, Oberfischbach und Wackersberg, die Kreisbrandinspektion, die Unterstützungsgruppe Örtlicher Einsatzleiter, die Bergwachten Bad Tölz, Benediktbeuern, Lenggries, Penzberg und Wolfratshausen sowie das BRK.

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