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Kandidiert nicht mehr: Alois Bauer. Die letzte Amtshandlung des Wackersberger Bürgermeisters wird am 30. April eine Trauung sein. 

Interview

„Privileg, die Heimat zu gestalten“: Bürgermeister von Wackersberg blickt zurück

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Für ihn ist es der Schlussstrich unter 30 Jahre in der Kommunalpolitik: Alois Bauer kandidiert nicht mehr als Bürgermeister von Wackersberg. Nun zieht er Bilanz.

WackersbergAuf dem Schreibtisch liegen die Pläne für die Bäder im Mehrgenerationenhaus. Alois Bauer überlegt gerade verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für die Duschen: In welcher Höhe sollen die Duschstangen angebracht werden? Wie wird das Ganze barrierefrei? Zwölf Jahre lang war er Bürgermeister in Wackersberg – insgesamt 30 Jahre in der Kommunalpolitik tätig. Bei den Wahlen im März tritt der 65-Jährige nicht mehr an. Im Interview blickt er zurück auf seine Amtszeit.

Herr Bauer, welche Projekte bleiben Ihnen besonders in Erinnerung aus Ihrer Amtszeit?

Es waren recht baulastige zwölf Jahre (lacht). Von Trink- und Abwasserkanälen, Herstellung von neuen Gehwegen, Gestaltung von Plätzen über Sanierungen von unseren Gemeindestraßen bis hin zum Breitbandausbau waren wir gut beschäftigt. Der Hochwasserschutz sowie die Bearbeitung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen für unterschiedlichste Vorhaben waren ebenfalls ein ganz großes Thema. Und dann waren da natürlich der Bau des Vorzeigeprojekts Mehrgenerationenhaus und der neuen Turnhalle in Arzbach.

Gab es auch Projekte, die sich zerschlagen haben?

Eigentlich haben wir alles durchgebracht. Bestimmte Sachen haben länger gedauert – wie etwa das Einheimischenmodell in der Längentalstraße. Aber wir haben unsere Ziele erreicht. Wichtig ist, dass man die Bürger mitnimmt und einen Kompromiss auch mit den Behörden findet, mit dem alle leben können.

„Ein Bürgermeister braucht Geduld“

Gerade wenn sich Projekte über viele Jahre hinziehen, immer neue Hürden aufkommen: Wie schafft man es, dass man da nicht irgendwann das Handtuch wirft?

Es macht diesen Beruf auch aus, dass man Geduld braucht. Es spornt einen ja auch an, dass man das Ziel nie aus den Augen verliert. Jeder Schritt ist ein Meilenstein. Das Gute war, dass auch der Gemeinderat hinter den Zielen gestanden ist.

Wie hat sich Wackersberg als Dorf entwickelt?

Obwohl wir viel gebaut haben, ist die Bevölkerungszahl nur leicht nach oben gegangen. Wir stehen immer bei etwa 3500 Einwohnern. Wir wollen eine maßvolle Entwicklung erreichen. In den letzten drei Jahren hat die Geburtenzahl zugenommen, bisher waren es meist 25 bis 30 im Jahr, zuletzt waren wir bei 35 bis 40. Die Geburtenzahl ist für den Erhalt unserer Grundschule in Höfen sowie für unsere Altersstruktur wichtig.

„Breitbandausbau fördert Vereinbarkeit von Familie und Beruf“

Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren auch viel in den Nachwuchs investiert.

Wir haben die Schule und das Rathaus aufgerüstet, den Kindergarten in Oberfischbach energetisch saniert, eine Krippe angebaut, Werkräume geschaffen und die Außenanlagen erneuert. Im Kindergarten Isarbiber in Arzbach konnten wir eine zusätzliche Krippe mit Nebenräumen anbauen sowie die Außenspielflächen erweitern. Im neuen Kindergartenjahr wird außerdem eine Außengruppe eingerichtet. Sie soll ermöglichen, dass die Kinder mehr Zugang zur Natur erhalten. Außerdem wird die Digitalisierung im Bildungswesen auch in den kommenden Jahren wichtig sein.

In diesem Zusammenhang ist Ihnen auch der Breitbandausbau immer wichtig gewesen. Warum?

Weil ich denke, dass man dadurch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern kann. Wenn die Leute mehr von zu Hause arbeiten können, brauchen sie schnelles Internet. Wir haben selber vier Söhne, die täglich Stunden für die Anfahrt zu ihrem Arbeitsplatz benötigen, drei davon haben bereits die Möglichkeit, tageweise im Homeoffice zu arbeiten. Dies spart nicht nur Zeit und Geld, sondern schont auch noch die Umwelt.

„Bereitschaft zu Kompromissen wird weniger“

Haben Sie auch Lob bekommen während ihrer Amtszeit?

Direktes Lob ist eher Mangelware – getreu dem Grundsatz „Ned g’schimpft is g’lobt gnua“. (lacht) Aber ich konnte erahnen, dass die Allgemeinheit schon zufrieden ist. Natürlich kann man nicht alle Wünsche erfüllen. Die Kunst ist es, dem treu zu bleiben, was man selbst für das Beste für die Gemeinde hält. Man muss die wenigen Spielräume ausnutzen, um das zu ermöglichen.

Was sind die Herausforderungen für Wackersberg in den kommenden Jahren?

Wackersberg ist eine sehr vielseitige Gemeinde. Hier ist es wichtig, weiterhin eine ausgewogene Richtung zu finden. Auch werden die Auflagen immer mehr, beispielsweise im Bereich Naturschutz. Hier ist es in meinen Augen manchmal nicht ganz leicht, die Argumente nachzuvollziehen. Man muss in Zukunft darauf achten, dass man noch etwas Positives schaffen kann, ohne dass man irgendeine Berufs- oder Interessengruppe verletzt. Aber die Bereitschaft zu Kompromissen wird immer weniger – das merkt man auch in anderen Bereichen.

Wo ist es zu spüren?

Wenn es um Grundabtretungen geht, etwa für die Zufahrt für ein Einheimischenmodell oder dem Bau eines Gehwegs. Es muss ein Umdenken in der Gesellschaft erfolgen. ,Leben und leben lassen’ sollte wieder stärker in den Vordergrund rücken. Es darf nicht weiterhin das Denken ,das steht mir zu’ vorherrschen, sondern vielmehr muss sich jeder fragen, ,was kann ich für die Gesellschaft tun?’

Letzte Amtshandlung ist eine Trauung

Was steht für Sie noch auf der Tagesordnung, bis Sie am 30. April Ihren letzten Arbeitstag haben?

Ich kümmere mich um unsere Baustellen. Ich war ja selbst in der Branche tätig, kann meine Erfahrung einbringen und damit der Gemeinde am meisten dienen. Am 30. April ist meine letzte Amtshandlung eine Trauung. Ich werde bestimmt mit Wehmut das Rathaus verlassen. Es ist ein unglaubliches Privileg, wenn man so einen Job machen darf, in der eigenen Gemeinde Abläufe zu optimieren, etwas gestalten, um die Lebensbedingungen zu verbessern. Ich habe in meiner Zeit in der Baubranche alle möglichen Bauwerke mit erschaffen dürfen: Kindergärten, Schulen, Turnhallen, Wohnanlagen, Krankenhäuser, Kirchen, Brücken, Tiefgaragen. Ich kann mir mein Lebenswerk anschauen. Aber wenn man das in seiner Heimat machen darf, ist das noch etwas anderes – da sind die Ansprüche höher.

Inwiefern?

Ich wollte mir zum Beispiel immer vor Ort selbst ein Bild machen: Vom Baufortschritt, von anderen Projekten. Denn dann kann man die beste Entscheidung treffen. Auch habe ich bei Bauprojekten immer so gehandelt, als wäre es mein eigenes Geld und mein eigenes Zuhause, als würde ich selbst einziehen. Ich hatte dafür ein tolles Team in der Verwaltung, auch die Bürgermeister-Kollegen haben mir gerade in der Anfangszeit geholfen. Und zu Hause hat mir meine Frau den Rücken frei gehalten. Anders wäre das nicht machbar gewesen.

„Ich hole sozusagen meine Elternzeit nach“

Was war für Sie der Punkt, zu sagen: Es wird keine weitere Amtszeit geben?

Wir haben das in der Familie besprochen. Ich habe mir schon schwer getan, einfach aufzuhören. Aber ich war in meiner ganzen Berufszeit, gerade als die Kinder klein waren, viel unterwegs und wenig zu Hause. Jetzt hole ich sozusagen meine Elternzeit nach und gebe meinen vier Söhnen (30, 32, 36, 40) etwas zurück. Zwei von ihnen bauen ein Eigenheim. Da möchte ich ihnen helfen. Außerdem habe ich zwei Enkeltöchter. Die hole ich schon jetzt immer mittags nebenan im Kindergarten ab.

Rückblickend auf Ihre Amtszeit: Sie haben es nicht bereut?

Nein, habe ich nicht. Als Bürgermeister kann man etwas verändern. Das hat mir sehr große Freude gemacht.

Lesen Sie auch: Kommunalwahl 2020: Wackersberger Bürgermeisterkandidat nominiert

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