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Perfekt eingespieltes Duo: Michael Altinger (li.) und Alexander Liegl im Arzbacher „Kramerwirt“.

Auftritt in Arzbach

Altinger und Liegl im „Kramerwirt“: Absurd überdreht, herrlich komisch

Viel zu lachen gab es im Arzbacher „Kramerwirt“: Die Kabarettisten Michael Altinger und Alexander Liegl spielten das Programm „Platzende Hirsche“.

Arzbach „Wie alt wird a Kartoffel, wenn ma’s net schlacht’?“ Diese herrlich absurde Frage wirft ein Schlaglicht auf den besonderen, völlig überdrehten Humor, der das Programm „Platzende Hirsche“ mit Michael Altinger und Alexander Liegl auszeichnet. Vor zehn Jahren haben die beiden Kabarettisten und Schauspieler, aus dem Fernsehen wie von der Bühne bekannt, ihre gemeinsamen Auftritte begonnen.

Das Programm im ausverkauften „Kramerwirt“ brachte nun „Die besten Nummern der letzten Jagdausflüge“ – und wirkte, anders als so manches „Best of“, kein bisschen abgestanden oder aufgewärmt. So entwickelt etwa die Nummer, aus der die eingangs zitierte Frage stammt, einen Drive, der das Publikum unweigerlich mitreißt. Ein Stadtkind bringt die Landbevölkerung mit der simplen Frage, „Wie alt wird a Henna, wenn ma’s net schlacht?“, an den Rand der Verzweiflung. Wie Altinger da die Mitglieder einer auskunftsfreudigen Bauernfamilie an ihre Grenzen kommen lässt, das offenbart auf unterhaltsamste Weise mehr über das Stadt-Land-Gefälle als so manche teure wissenschaftliche Studie. Und erinnert an die allerbesten Zeiten der BR-Sendung „Die Komiker“, in der Michi Altinger jahrelang brillierte.

Geschickt wechselt das perfekt aufeinander eingespielte Duo zwischen Solo- und den gemeinsamen Nummern, wobei erstere gerne auch genutzt werden, um sich über den eben abgetretenen Kollegen lustig zu machen. Besonders vergnüglich für das Publikum, wenn sie so die gleiche Geschichte aus zwei sich völlig widersprechenden Blickwinkeln erzählen.

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Die großen politischen Fragen bleiben hier ebenso außen vor wie die (mitunter überstrapazierten) Gender-Themen. Der Zuschauer hat eher den Eindruck, bei einem ausufernden Jungs-Abend Mäuschen spielen zu dürfen und hautnah mitzuerleben, was unter Männern alleine so abgeht, wie sich zwei „beste Freunde“ zoffen, streiten – und natürlich wieder vertragen. Da macht sich auch mal einer zum Affen, während der andere scheinbar befremdet zuschaut.

Kein besinnlicher Abend zum ersten Advent werde das, hatte KKK-Chefin Sabine Pfister eingangs prophezeit, sondern „ein unsinniger und lustiger“. Das Duo, das sie ein wenig an „Don Camillo und Peppone“ erinnere, habe immer großen Spaß miteinander auf der Bühne. Da hat sie nicht zuviel versprochen; dieser (perfekt inszenierte) Spaß springt über, und zwar von der ersten bis zur letzten Szene – mit einem gut geschnittenen Programm, das keinerlei Längen aufweist. Ein paar weitere Kostproben: „Erst wenn ihr das Menü 97a mit Glasnudeln bestellt habt, werdet ihr erkennen, dass man mit einem Stäbchen nicht essen kann.“ Oder Michi: „Der Alex ist ja mal in die Berge gegangen, auf die Alm, um sich zu finden. Ja, da geh i zum Wirt, trink’ a paar Hoibe, da find’ i mi scho aa. Höchstens den Autoschlissel find’i dann nimmer…“ Derweil taucht Alex auf, in Schaffell gewandet, mit dem Hirtenstecken. Mit versteinerter Miene erzählt er vom Frust auf der Alm, „ wo i erst amoi d’Viecha z’samm scheiß“.

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Oder die Wiedergabe ihres allerersten, total unprofessionellen Auftritts, als Parodie allerschlimmsten Laien-Theaters. Launiger Kommentar: „A bisserl grausam war des schoo!“ Beim „Kramerwirt“ dagegen war’s beste Unterhaltung mit Niveau, dargeboten von zwei echten Rampensäuen, die sich nichts schenken und vom begeisterten Publikum zu drei Zugaben animiert werden. Einer Ballade, eher einer Räuberpistole in gefühlt 777 Strophen, einem Gedicht über den den Verkehr sprengenden Opa im Benz. Und die schönen Abschiedsworte: „I woaß net, ob ihr g’merkt habt’s, dass mia do war’n. Aber jetzt samma weg. Servus!“ SABINE NÄHER

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