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Symbolbild

Amtsgericht

„Das war verdammt gefährlich“

Wackersberg/Wolfratshausen – Ein Wackersberger nahm ein Päckchen für einen Freund an und half damit bei der Einfuhr von Drogen: 22 Monate Gefängnis.

Eine Gefälligkeit für einen Freund brachte einem Wackersberger (35) reichlich Ärger ein. Wegen Beihilfe zur Einfuhr von Drogen und Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln wurde der Verkäufer Andi G. (alle Namen geändert) vom Amtsgericht Wolfratshausen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt.

Im Mai vorigen Jahres hatte der Angeklagte sich bereit erklärt, für seinen Freund Marco P. (26) ein Päckchen in Empfang zu nehmen und dafür seine Adresse herzugegeben. Im Gegenzug sollte er 300 Euro für seine Miete erhalten. „Ich war damals finanziell in Not“, begründet der Beschuldigte seine Entscheidung. „Ich habe nicht nachgefragt, was in dem Päckchen sein sollte, aber ich habe mir schon gedacht, dass es um Drogen ging“, räumte er in der Verhandlung ein. Das Geld habe er jedoch nicht bekommen.

Allerdings war auch die Paketsendung nie bei ihm angekommen. Denn zwei Päckchen, die von den Niederlanden aus an die Adresse des Angeklagten geschickt worden waren, hatte die Kripo, die durch eine Telefonüberwachung von dem Geschäft Wind bekommen hatte, abgefangen. Die erste Sendung enthielt knapp 200 Gramm Marihuana, im zweiten Paket befand sich in einer Plastiktüte 830 Gramm Amphetamin-Gemisch.

Die Drogen stammten aus einem umfangreichen Geschäft, das der Tölzer Marco P. mit einem Kumpel, den er 2013 während eines längeren Gefängnisaufenthalts in der JVA Bernau kennengelernt hatte, abwickeln wollte. Insgesamt ging es dabei um rund elf Kilogramm Amphetamine und vier Kilogramm Marihuana, die die zwei mittels Kurieren sowie auf dem Postweg aus den Niederlanden nach Deutschland brachten. „Nachdem wir mit dem Paketversand angefangen hatten, habe ich meine Freundin kennengelernt. Sie hat drei Kinder, deshalb konnte ich die Päckchen nicht mehr zu mir kommen lassen“, erklärte der Tölzer P., warum er andere Empfänger gesuchte hatte.

P., der seit Anfang Juni 2015 in Untersuchungshaft sitzt, wird demnächst vor dem Landgericht der Prozess gemacht, sein ehemaliger Zellennachbar wartet noch in Holland auf seine Auslieferung nach Deutschland.

„Das ist verdammt gefährlich, was Sie da gemacht haben“, hielt Richter Helmut Berger dem Wackersberger vor Augen – und dass er nur haarscharf einer langen Vollzugsstrafe entgangen war. Für die Einfuhr von Drogen beträgt die Mindeststrafe zwei Jahre. Weil er „nur“ Beihilfe geleistet hatte, kam der Angeklagte mit einem blauen Auge davon. In die Strafe von 22 Monaten auf Bewährung ist der Besitz von Betäubungsmitteln mit eingerechnet worden. Bei einer Hausdurchsuchung am 6. Juni vorigen Jahres fand die Kripo bei dem Wackersberger geringe Mengen Amphetamin, Haschisch und Marihuana sowie eine Ecstasy-Tablette. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

Rudi Stallein

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