Anabela Pegado aus Wackersberg in großer Sorge:

Heimatdorf in Portugal in Flammen

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Auf der iberischen Halbinsel wüten einmal mehr verheerende Waldbrände. 64 Menschen starben bereits, viele haben alles verloren. Das gilt auch für die Familie von Anabela Pegado. Am Donnerstag bricht die gebürtige Portugiesin von Oberfischbach aus in ihre alte Heimat auf, um beim Aufräumen zu helfen.

Oberfischbach/Vila Nova de Oliveirinha – Der Weihnachtsurlaub mit der Familie fällt für Anabela Pegado heuer aus. Schon jetzt hat sie bei ihrem Arbeitgeber ihren gesamten Resturlaub genommen, bricht bereits am Donnerstag in ihre alte Heimat auf. Erholsam werden diese zweieinhalb Wochen nicht: Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Matthias Lembke fliegt sie nach Portugal, um ihren Verwandten eizustehen. Nach den verheerenden Waldbränden kämpfen sie um ihre Existenz.

Blicken mit Sorge nach Portugal: Anabela Pegado und Matthias Lembke aus Oberfischbach.

„Es ist ein Albtraum“, wiederholt die 48-Jährige im Gespräch mit dem Tölzer Kurier immer wieder. Anabela Pegado kommen die Tränen, als sie von ihrer Cousine erzählt. Die dreifache Mutter hat in den Flammen alles verloren: Haus, Auto, sogar ihre Arbeitsstelle. Die Fabrik, in der sie angestellt war, ist abgebrannt. Eine Versicherung besitzt die Frau nicht, wie die meisten Menschen in Vila Nova de Oliveirinha, einem 800-Seelen Dorf in der Mitte Portugals. Die Euro-Krise spüren sie hier noch immer. Jetzt werden auch noch die Lebensmittel knapp. Die Tiere finden kein Futter, wenn sie das Feuer überhaupt überlebt haben. Auf den Feldern, erzählt Matthias Lembke, liegen die verbrannten Kadaver von Kühen und Pferden. Auch unter den Menschen gab es Todesopfer: In Nord- und Mittelportugal verloren nach Behördenangaben mindestens 35 Menschen ihr Leben, darunter ein Säugling.

Der Albtraum begann am Sonntag, 15. Oktober, gegen 8 Uhr morgens, schildert Anabela Pegado, die seit 27 Jahren im Landkreis lebt. Erfahren hat die Wahl-Wackersbergerin das alles erst am Dienstagabend. Bis dahin war kein Telefonkontakt zu ihrer Mutter und den fünf Geschwistern möglich. „Ich dachte, ich drehe durch.“ Als sie endlich mit ihrer Familie sprechen konnte, erfuhr sie, dass wohl ein Funke reichte, um die strohtrockenen Büsche und Wälder in Brand zu setzen. Denn in Portugal hat es wochenlang nicht geregnet, außerdem waren die Temperaturen für diese Jahreszeit ungewöhnlich hoch. Zusätzlich angefacht wurde das Feuer von den Ausläufern des Wirbelsturms „Ophelia“, der an der iberischen Halbinsel vorbeigezog. Die Folge waren laut Matthias Lembke 40 bis 50 Meter hohe Flammen, die alles verschlangen, was sich ihnen in den Weg stellte. Regierungschef Antonio Costa rief den Ausnahmezustand für die betroffenen Regionen aus. Die Behörden gingen von 50 Brandherden aus.

Angesichts dieser Ausmaße versteht der 54-Jährige nicht, warum in den Medien nicht mehr über die verheerenden Brände berichtet wird. Und warum Portugal nicht mehr Hilfe von der EU bekommt. „Das sind keine normalen Waldbrände, sondern eine Katastrophe.“ Selbst der Feuerwehr bleibe zum Teil nichts anderes übrig, als zu flüchten. Laut der Nachrichtenagentur dpa riefen die Behörden die Menschen am Montag dazu auf, selbst gegen die Flammen vorzugehen.

In Vila Nova de Oliveirinha brennt es nicht mehr. Anabela Pegado will nun bei den Aufräumarbeiten helfen. Und einfach für ihre Verwandten und Freunde da sein. Viele seien traumatisiert, wachten nachts schreiend auf. Finanziell kann sie nicht viel helfen, auch wenn sie bei der Reha-Klinik Neurokom in Bad Tölz die Hauswirtschaftsleitung innehat. „Wir sind ganz normale Arbeiter“, sagt sie. Was sie haben, wollen sie aber teilen.

Wer den Menschen in Anabela Pegados Heimatdorf helfen möchte, kann auf folgendes Konto der Gemeinde Vila Nova de Oliveirinha Geld überweisen. Der Name der Bank lautet Banco Português investimento; IBAN: 0010 0000 5376 1720 0017 9; BIC: BBPIPTPL.

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