Volker Metschl hat schon alle möglichen Schätze mit seinem Metalldetektor gefunden.
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Volker Metschl hat schon alle möglichen Schätze mit seinem Metalldetektor gefunden.

Volker Metschl ist gerne mit der Sonde unterwegs und hat interessante Funde gemacht

Arzbacher findet Glocken und Münzen im Boden

  • vonHans Demmel
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Es ist die Schatzsuche, die es ihm angetan hat: Volker Metschl aus Arzbach stößt mit seinem Metalldetektor auf die interessantesten Funde.

Arzbach - Vor wenigen Jahren verbrachte Volker Metschl seine Freizeit noch mit Fischen oder Radfahren. Dann bekam sein Sohn Samson von der Oma einen Metalldetektor zu Weihnachten geschenkt. Und wie es auch bei anderen Geschenken häufig der Fall ist, konnte der Papa nicht widerstehen und ging nur wenige Tag später im heimischen Garten auf „Schatzsuche“. Das Anfängerglück stand dem heute 56-Jährigen sofort zur Seite. „Es hat nicht lange gedauert, und schon war die erste Musketenkugel gefunden“, erinnert sich der Arzbacher. Die Leidenschaft für sein neues Steckenpferd war entfacht.

Seither geht er nahezu jede freie Minute auf die Suche. Bevor es jedoch so weit ist, wird beim Grundstücksbesitzer oder Pächter die Erlaubnis eingeholt. „Da habe ich nur wenige Probleme“, sagt der „Sondler“, wie sich die Schatzsucher oft selbst gerne nennen. Denn schließlich werde sein Hobby auch deshalb geschätzt, weil er mithelfe, Felder, Wiesen und Äcker von Müll zu befreien. Neunzig Prozent der Funde seien nämlich Kronkorken und Dosenverschlüsse. Aber auch Schrauben oder größere Eisenstücke, die bei der Ernte an Maschinen erheblichen Schaden verursachen können, hat Metschl schon gefunden. „Immer wieder bringe ich einige Tüten voll zum Wertstoffhof.“ Die Landwirte seien sogar dankbar und würden ihm Tipps geben, an welcher Stelle die Suche erfolgreich enden könnte.

Denkmalschutz schreibt vor, was mit größeren Funden passiert

Weniger gerne gesehen sind die Sondengeher dagegen bei Archäologen. Wie überall gibt es natürlich auch unter den rund 2000 in Bayern aktiven Schatzsuchern einige „schwarze Schafe“. Was im Falle eines größeren Fundes erlaubt ist, schreiben in den Bundesländern die Denkmalschutzgesetze vor. Überall, nur mit Ausnahme von Bayern, müssen Funde von historischer Bedeutung dem Land übergeben werden. Im Freistaat jedoch teilen sich Finder und Grundstückseigentümer den Wert.

„Profit interessiert mich nicht. Mir geht es vielmehr um die Geschichte hinter den Fundstücken“, sagt Metschl, der beruflich als Alltagstherapiehelfer arbeitet.

Das Gerät, mit dem er sich auf den Weg macht, ähnelt ein wenig einem Staubsauger. Unten ist allerdings statt einer Saugbürste eine Art Teller montiert, der Spule genannt wird und durch den Strom fließt. Fast bis in 50 Zentimeter Tiefe kann die Sonde etwas Metallisches aufspüren. „Aber dann muss das Teil schon recht groß sein.“

Funde liegen meist zehn bis fünfzehn Zentimeter unter der Erde

Je dumpfer das Gerät piept, desto kleiner ist der Gegenstand. „Meine Funde liegen meist zehn bis fünfzehn Zentimeter unter der Erdoberfläche“, sagt Metschl. Aber auch da seien „absolut interessante Stücke“ dabei, etwa liebevoll verzierte Fellchenglocken. Bis auf 200 Jahre schätzt der Arzbacher das Alter der unterschiedlichen Exemplare. Über ihre Bedeutung und Verwendung hat er sich aus Büchern und aus dem Internet Infos geholt. Die Größeren wurden Ziegen oder Schafen umgehängt, die kleineren Glocken meist Pferden in die Mähne geflochten.

Ein Fund, der besondere Rätsel aufgibt, ist eine Münze, die bis heute nicht genau zugeordnet werden kann. Darauf zu sehen ist eine mongolische Knotenschrift, womit sie aus einer Zeit stammen könnte, als ein mongolischer Kaiser China regierte. „Also aus dem 12. Jahrhundert, was ich aber nicht so richtig glauben kann. Wie sollte eine solche Münze auf eine Kuhwiese im Oberland kommen?“ Vielleicht habe sie im Zweiten Weltkrieg ein US-Soldat mit chinesischen Wurzeln als Glücksbringer getragen und verloren.

Chinesische Münze gibt Rätsel auf

Ein vorher noch nie auf dem Detektor vernommenes Signal verursachte eine Münze von Friedrich Wilhelm Carl, der von 1816 bis 1864 König von Württemberg war. Das Schmuckstück ist in einem nahezu perfekten Zustand. Absolut selten ist auch eine Pilgermedaille aus dem 18. Jahrhundert. Der Anhänger ist sogar in Österreich auf einer Wallfahrt-Webseite gelistet. Zu den ältesten Funden könnte ein handgemachter Bronzering zählen, der einer bis zu 2500 Jahre alten Ringmünze sehr ähnelt.

Metschl freut sich, in einer Gegend zu leben, die sehr viel Geschichte in sich birgt. Er schätzt, dass auf ihn und auf seinen Sohn noch viele Funde warten. Außerdem hofft er auch weiterhin auf das Einverständnis der Bauern und würde sich zudem die Zusammenarbeit mit einem Archäologen wünschen.

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