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„Wie in Trance“: Steven Rau geht 60 Kilometer pro Tag an der Isar. Bei sich hat er nur Kleidung, ein Notfall-Handy und ein Taschenmesser.

Berliner auf Überlebenstour

Ohne Ausrüstung 300 Kilometer zu Fuß entlang der Isar

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Steven Rau geht zu Fuß von Deggendorf nach Scharnitz – von der Isarmündung bis zur Quelle. Am Mittwoch durchquerte der Berliner den Landkreis. Unterwegs mit einem, der Grenzsituationen liebt und sein Essen in der Wildnis sucht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Genug Brotzeit und Getränke dürften die Menschen dabei haben, die man am Mittwochvormittag auf dem Isarweg zwischen Bad Tölz und Arzbach trifft. Mit dicken Rucksäcken stapfen sie nach Lenggries oder vielleicht sogar weiter Richtung Sylvenstein. Zwischen ihnen geht Steven Rau. Er wandert von Deggendorf nach Scharnitz. Fünf Tage lang. Ohne Rucksack. Seine Brotzeit sucht er sich in der Wildnis.

„Ich möchte von und mit der Natur leben“, sagt der 34-jährige Mann aus Berlin, für den das hier nicht das erste Projekt ist. Er hat Wüsten in Südamerika durchquert und ganz Deutschland – zu Fuß von Wilhelmshaven bis zur Zugspitze. Und nun ist die Isar dran. Von der Mündung bis zur Quelle. An diesem Mittwoch trägt Steven Rau eine blaue Outdoor-Hose, ein graues Funktionsshirt und eine Art Kopftuch als Sonnenschutz. Die Jacke hat er sich um den Hals gebunden. „In der Hitze nervt sie, und nachts könntest du zwei davon gebrauchen“, sagt er.

Steven Rau ist etwas wacklig auf den Beinen

300 Kilometer will Rau gehen, bis ihn Frau und Sohn in Scharnitz aufsammeln, das sind 60 pro Tag. Manchmal nervt ihn jeder einzelne. Er schaue oft ganz bewusst nicht auf die Schilder mit den Flusskilometern. Weil ihm der Weg dann noch länger vorkommt. „205,6“ zeigt ein Schild kurz vor Arzbach. Rau geht wie ferngesteuert, torkelt ab und an und wirkt wacklig auf den Beinen. Auch wenn er deutlich spricht, merkt man, dass er sich dafür anstrengen musst. „Du bist manchmal wie in Trance. Du gehst einfach und kriegst nichts um dich herum mit.“

Wenn Blasen an den Füßen schwellen und alles wehtut, fällt das Losgehen schwer, sagt Rau. Warum er sich das antut? „Ich finde es unglaublich spannend, wie man auf Grenzsituationen reagiert und gehe gern über Schmerzpunkte hinaus.“ Ein Ausgleichsprogramm: Rau leitet eine Mediengruppe in Berlin und ist als Mental-Coach unterwegs, um von seinen Erfahrungen zu berichten.

Vor dem Sturmgewitter unter eine Brücke gerettet

Nach so einer Überlebens-Expedition sei er wieder dankbar für einen gefüllten Kühlschrank oder ein Bett. „Das ist nicht selbstverständlich.“ An der Isar baut sich Rau sein Bett selbst – aus Zweigen und Gräsern, manchmal auch mit Dach. So wie in der Nacht zum Mittwoch, als ein heftiges Sturmgewitter im Oberland tobte. Nahe der Pupplinger Au rettete er sich unter eine Brücke. „Das Gewitter war Hardcore. Einmal hat es so laut gekracht, ich dachte, über mir bricht alles zusammen“, sagt Rau. Er habe sich im Fluss gewaschen, Zähne geputzt, die Füße gekühlt und dann etwas oberhalb ziemlich durchnässt genächtigt. „Du schläfst einfach irgendwann. Da könnte neben dir auch eine Autobahn sein.“

Zur Ermüdung trägt auch Raus Ernährung bei. Seinen Tagesbedarf deckt sie nicht. Er isst, was er in Wäldern und Wiesen findet: Pflaumen, Beeren oder Brennnesseln. „Die haben viel Magnesium.“ Wer durch Deutschland laufe, müsse keine Maden und Würmer essen. Rau trinkt aus einer Plastikflasche, die er am ersten Tag aufgesammelt hat. Praktischer als direkt aus der Isar, findet er. Ein Notfall-Handy, ein Taschenmesser und die Kleidung, die er am Körper trägt: Mehr hat er nicht dabei. Wenn er gerade nicht in Trance ist, hat er ein Auge für die Natur: „Die Isar wird immer schöner und lebendiger im Süden. Deshalb laufe ich flussaufwärts.“

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