Das Buchbergstüberl
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Seit Jahrzehnten beliebt bei Ausflüglern: Das „Buchbergstüberl“ auf einer Anhöhe oberhalb von Bad Tölz.

Corona, Umbaukosten, auslaufender Pachtvertrag

Aus und vorbei: Bayerisches Traditionslokal bleibt für immer geschlossen - Wirte hören nach 31 Jahren auf

  • Patrick Staar
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Jetzt steht es fest: Die Wirtsleute Petra und Willi Baumgartner verabschieden sich nach 31 Jahren in den Ruhestand, das „Buchbergstüberl“ in Wackersberg bleibt für immer geschlossen.

Wackersberg - Das „Buchbergstüberl“ ist kein Lokal wie jedes andere. Generationen von Tölzern und Wackersbergern haben auf der 400 Meter kurzen Piste am Buchberglift das Skifahren erlernt. Zum Ende der Wintersaison 2018 mussten die Baumgartners den kleinen Lift an der Abfahrt schließen. Drei Jahre später sperren sie nun auch das „Buchbergstüberl“ zu. Für die Entscheidung gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

„Buchbergstüberl“ schließt: Hohe Investitionen nicht zu schultern - Erbpachtvertrag ausgelaufen

Der wichtigste: „Der Erbpachtvertrag ist ausgelaufen“, sagt Baumgartner. „Es war nicht möglich, ihn zu verlängern, weil die Auflagen so hoch waren.“ So forderte das Gesundheitsamt den Bau einer neuen Küche, die laut Baumgartner etwa 200 000 Euro gekostet hätte. Zudem forderten die Stadtwerke, dass die Wirtsleute auf eigene Kosten eine Stromleitung verlegen lassen, was noch mal 100 000 Euro gekostet hätte.

Baumgartner: „Mit so hohen Ausgaben rechnet sich das Ganze nicht.“ Die Pandemie habe den Rest erledigt: „Die Schließung ist immer wieder verlängert worden, und wir wollten nicht bis zum St. Nimmerleinstag warten. Die Pandemie hat es uns leicht gemacht, den Absprung zu schaffen.“ So beschloss er, den Pachtvertrag nicht zu verlängern.

Nach 31 Jahren im „Buchbergstüberl“: Wirte genießen jetzt das Rentnerleben in Bad Füssing

Mittlerweile sind die Baumgartners nach Bad Füssing umgezogen und genießen als Rentner das Leben. „Wir vermissen gar nichts“, versichert der 70-Jährige. „Schade ist nur, dass wir uns wegen der Pandemie nicht von unseren Stammgästen verabschieden konnten.“

Aus und vorbei: Nach 31 Jahren zieht sich Wilhelm Baumgartner aus dem Buchbergstüberl zurück.

Zu den Stammgästen zählte Rudi Haßmann: „Ich hab’ immer das Persönliche geschätzt, alles war immer total unkompliziert“, sagt der Lenggrieser. Mit seinem inzwischen längst erwachsenen Sohn sei er samstags oft zum Skifahren gegangen. „Und da hat der Willi schon mal extra für ihn den Lift eingeschaltet, unser Bub konnte ganz alleine Skifahren.“ Das Lokal sei für Familien-Ausflüge ideal gelegen gewesen. Fernab von jeder Straße habe man die Kinder weitgehend unbeaufsichtigt losrennen lassen können: „Und ganz nebenbei hat das Essen sehr gut geschmeckt.“

„Buchbergstüberl“ schließt: Ob Gebäude abgerissen werden muss, ist noch unklar

Unklar ist nun, wie es mit dem „Buchbergstüberl“ weitergeht. „Der ehemalige Bürgermeister hat gesagt, dass wir da grüne Wiese schaffen müssen“, sagt Baumgartner. „Wie der neue Bürgermeister drüber denkt, weiß ich nicht.“

Auf Nachfrage kann Jan Göhzold nichts Konkretes zur Zukunft des Gebäudes sagen: „Wenn eine Wirtschaft im Außenbereich den Betrieb einstellt, kann ich mir schon vorstellen, dass sie abgerissen werden muss.“ Generell sei das „Buchbergstüberl“ momentan aber noch „kein Thema“ in der Gemeinde: „Wegen einer Umnutzung ist noch nichts an uns herangetragen worden.“

Wackersberger Bogenschützen suchen nach einer neuen Heimat

Ebenso unklar ist, wie es bei den Wackersberger Bogenschützen weitergeht, die seit der Vereinsgründung im Jahr 2004 auf dem Gelände rund um das „Buchbergstüberl“ trainieren: „Wir wissen noch nicht, wo wir hingehen werden“, sagt die Vorsitzende Angelika Thoma. Sie habe schon Gespräche mit den Besitzern des Campingplatzes am Stallauer Weiher geführt, „aber ich weiß nicht, ob der Umzug wirklich klappt“. Erst einmal gehe es darum, einige Probleme zu lösen.

Ein Bauantrag oder ein Antrag auf Flächennutzungsänderung koste schnell mal 4000 Euro, „und welcher normale Verein kann sich so was leisten?“ Abgesehen davon mache die Bürokratie in Deutschland solch einen Ortswechsel „nicht gerade einfach“. Thoma sagt: „Wir hängen momentan in der Behörden-Warteschleife. Trotzdem hoffen wir natürlich, dass es mit dem Umzug klappt.“

Betreten verboten: Die Insel Sassau im Walchensee ist ein bemerkenswertes Naturreservat. 1978 erhielt sie diesen Status und steht unter besonderem Naturschutz. Noch mehr Nachrichten aus der Region Bad Tölz lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.

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