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Auf dem Bauernhof Erinnerungen wecken: Demenzkranke sollen bei Besuchen in der Landwirtschaft Kraft tanken

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Von: Andreas Steppan

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Sinneseindrücke in der Landwirtschaft sammeln: Das wollen die Initiatorinnen (v. li.) Ute Reuter, Ellen Wagner und Ursula Fiechtner bei Besuchen von Demenzkranken und Angehörigen auf dem Bauernhof ermöglichen.
Sinneseindrücke in der Landwirtschaft sammeln: Das wollen die Initiatorinnen (v. li.) Ute Reuter, Ellen Wagner und Ursula Fiechtner bei Besuchen von Demenzkranken und Angehörigen auf dem Bauernhof ermöglichen. © ARNDT PRÖHL

Bei einem neuen Angebot der Tölzer Caritas-Kontaktstelle Alt & Selbstständig zusammen mit der Fachstelle für pflegende Angehörige, dem Seniorenbeirat und Kreisbäuerin Ursula Fiechtner sollen Demenzkranke und Angehörige bei Besuchen auf dem Bauernhof Kraft schöpfen.

Wackersberg – Hören, sehen, fühlen, riechen und schmecken: Sinneseindrücke können ein wichtiger Beitrag sein, um die Fähigkeiten von Demenzkranken zu aktivieren. In jeder Hinsicht viel wahrzunehmen gibt es auf Bauernhöfen. Dieser Gedanke ist die Grundlage eines neuen Angebots, das nun die Tölzer Caritas-Kontaktstelle Alt & Selbstständig in Zusammenarbeit mit der Fachstelle für pflegende Angehörige, dem Seniorenbeirat und Kreisbäuerin Ursula Fiechtner etablieren möchte: Einmal im Monat sollen Demenzkranke und ihre Angehörigen die Gelegenheit bekommen, den Hof der Familie Fiechtner in Rothenrain (Gemeinde Wackersberg) zu besuchen.

Inklusiver Bauernhof: Ein Fernsehbeitrag diente als Inspiration

„Inklusiver Bauernhof“ ist das Projekt überschrieben. Eine Inspiration dazu lieferte ein Fernsehbeitrag über eine ähnliche regelmäßige Aktion, die von der Alzheimergesellschaft Lechrain koordiniert wird. „Das ist eine super Sache, das könnten wir auch machen“, sagte sich Ursula Fiechtner. Eine Mitstreiterin fand sie rasch in der Tölzerin Ute Reuter, mit der Fiechtner im Seniorenbeirat des Landkreises zusammenarbeitet und die sich auch im Verein Alt & Selbständig engagiert. Organisatorisch werden sie von der Caritas unterstützt.

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Demenzkranke sollen nach Lust und Laune auf Erkundungstour gehen können

Geplant ist, dass einmal monatlich eine kleine Gruppe Demenzkranker jeweils mit Begleitung zu Familie Fiechtner auf den Hof kommt. Dort bekommen die Gäste Kaffee und selbst gebackenen Kuchen und können dann nach Lust und Laune auf Erkundungstour gehen, etwa die Kälber auf der Weide zu besuchen, Katzen oder Hasen streicheln oder in der idyllischen Umgebung spazieren gehen und den herrlichen Ausblick genießen. Ein „Leasing-Pferd“, wie Fiechtner scherzhaft sagt, wird zu den Terminen aus der Nachbarschaft auch noch zur Verfügung gestellt. „Wenn sie einmal da sind, dann fließt das von ganz alleine“, ist Fiechtner überzeugt.

Die Erlebnisse auf dem Bauernhof sollen verschüttete Erinnerungen wecken

Für die Demenzkranken sollen die Besuche eine Möglichkeit sein, durch das neue Umfeld frische Impulse zu bekommen. Ihr Alltag ist oft eintönig, ihre Erkrankung meist mit einem sozialen Rückzug verbunden: Das Umfeld hat häufig Berührungsängste. Auf dem Hof sollen sie wieder unter Menschen kommen und positive Gefühle erleben. Riechend, schmeckend und tastend finden die Betroffenen gegebenenfalls auch Bezugspunkte zu verschütteten Erinnerungen.

Ein Nachmittag auf dem Bauernhof lässt auch Angehörige durchatmen

Aber auch die Angehörigen können an so einem Nachmittag Kraft tanken, so die Hoffnung der Initiatorinnen. „Sie sind oft am Ende ihrer Kräfte“, sagte Ute Reuter. Andere gemeinsame Aktivitäten seien mit einem dementen Partner oft nicht mehr so möglich. „Zusammen ins Konzert gehen, ist zum Beispiel schwierig, allein schon weil der Demenzkranke meist gar nicht zwei Stunden sitzen bleibt, sondern immer wieder Bewegung braucht“, sagt Ellen Wagner von der Kontaktstelle Alt & Selbstständig. Im belastenden Pflegealltag sei ein Besuch auf dem Bauernhof zum einen wieder ein sorgenfreier Moment der Gemeinsamkeit, zum anderen eine Chance, mit anderen Menschen zusammenzukommen, denen es genauso ergeht. „Man kann sich dann in lockerer Atmosphäre austauschen: Wie geht es dir? Wo hast du dich hingewandt?“, so Wagner und fasst zusammen: „Es soll einfach ein schöner Nachmittag sein.“

Sponsoren willkommen

Höchstens zehn bis zwölf Personen soll eine Besuchergruppe groß sein. Den Initiatorinnen ist wichtig, dass die Nachmittage für die Teilnehmer kostenlos sind. Damit das dauerhaft möglich ist, seien Sponsoren willkommen. Die Kreisbäuerin wünscht sich zudem, dass weitere Höfe ihrem Beispiel folgen, damit zum Beispiel auch im nördlichen Landkreis ein solches Angebot entsteht.

Termine und Anmeldung:

Der erste Besuch auf dem Bauernhof in Rothenrain ist bereits am Mittwoch, 8. Juni, von 14 bis 16 Uhr geplant, danach immer am zweiten Mittwoch des Monats. Eine Anmeldung ist erforderlich. Interessierte wenden sich dazu an die Kontaktstelle Alt & Selbstständig, Telefonnummer 0 80 41/7 93 16-103, oder E-Mail-Adresse: CZ-Toel-Kontaktstelle@caritasmuenchen.de

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