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Die Schilder stehen schon: Ein Almbauer am Heigelkopf will bei der nächsten Wolfssichtung Herdenschutzhunde anschaffen.

Angst vor dem Wolf

Bald Herdenschutz-Hunde am Heigelkopf?

Der Wolf ist auf dem Vormarsch. Das macht vor allem Almbauern Sorgen. Naturschutzverbände raten dazu, Herdenschutzhunde anzuschaffen. Die verteidigen das Vieh gegen den Wolf, aber auch gegen Wanderer. Am Heigelkopf könnten demnächst solche Hunde im Einsatz sein.

Wackersberg Der Heigelkopf in der Gemeinde Wackersberg ist ein beliebter Wanderberg. Die 1205 Meter hohe Erhebung ist auch von Familien gut zu bewältigen. Dementsprechend frequentiert ist er. Wer dort unterwegs ist, stößt allerdings seit Kurzem auf große Warnschilder: „Vorsicht! Herdenschutzhunde. Almweide umgehen!“ lautet die Aufschrift. Der Wackersberger Almbauer Xaver Buchberger („Tiroler“) hat sie beidseits des beliebten Wanderwegs aufgestellt.

Zu sehen waren auf seinen Weideflächen zuletzt allerdings nur Rinder, keine Hunde. Alles nur ein Bluff? Keineswegs. Buchberger ist fest entschlossen, ein Exempel zu statuieren: „Ich habe in Slowenien bereits die Herdenschutzhunde geordert und werde sie abholen, sobald der nächste Wolf im Tölzer Land auftaucht.“ Er werde zum Schutz seiner Rinder „konsequent handeln, damit die Wolfsfreunde endlich kapieren, dass der ‚liebe Wolf‘ ein Raubtier ist und Herdenschutz drastische Einschränkungen für den Wandertourismus mit sich bringen wird.“

Schon allein die Hinweisschilder lösten Reaktionen aus. Er sei von einigen „Naturschützern“ angerufen worden, die sich sehr erbost über die Beschilderung geäußert hätten, berichtet Buchberger. Einer habe ihm sogar gesagt, er müsse einen neuen Weg anlegen, der die Almflächen umgeht. „Jetzt auf einmal sollen wir neue Wege bauen – auf Wunsch der gleichen Leute, die uns Almbauern jahrzehntelang daran gehindert haben“, ärgert sich der Wackersberger.

Robuste Hunde von hochspezialisierten Rassen werden von Viehhaltern seit Jahrhunderten zum Schutz vor Beutegreifern eingesetzt. „Sie sind Territoriumswächter, bewachen ihr Gebiet und beschützen die darauf lebenden Menschen und ihre Nutztiere“, erklärte Experte Thomas Schoke im Mai im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Saarländer ist Autor des Standard-Nachschlagewerks „Herdenschutzhunde“. Wer in ihr Gebiet eindringe, werde von den Hunden gestellt und zurückgedrängt – das gelte für Beutegreifer und andere Vierbeiner, gleichermaßen aber auch für Wanderer und Radfahrer. Weil solche Begegnungen gefährlich werden können, rät Schoke dazu, bewachte Herden weiträumig zu umgehen.

Der Wackersberger Bürgermeister Alois Bauer steht hinter dem Almbauern: „Buchberger geht ja von einem sehr realistischen Szenario aus. Ein Wachrütteln der Bevölkerung ist da absolut sinnvoll.“ Auch Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern hat Verständnis für das Vorgehen. „Es gibt ja nicht viele Möglichkeiten, die Herden zu schützen.“ Bei einer Exkursion in die französische Region Hochsavoyen habe er die Arbeit von Herdenschutzhunden kennengelernt, sagt der Gaißacher. „Als wir uns gewundert haben, warum die Schafherde trotzdem noch mit Maschendrahtzaun eingezäunt war und gefragt haben, warum es diesen Doppelschutz braucht, hat man uns erklärt, dass der Zaun als Schutz für die Touristen vor den Hunden da ist.“

Nach dem Riss von Schafen im April in St. Heinrich habe er von keiner weiteren gesicherten Wolfssichtung im Landkreis mehr gehört, sagt Mair. Aber das sei nur eine Frage der Zeit. Dass andere Almbauern dem Beispiel Buchbergers folgen, kann sich der Gaißacher vorstellen. Denkbar ist aber auch, dass immer mehr Bauern ihr Vieh nicht mehr auf die Almweiden auftreiben. Ein Landwirt in der Jachenau hatte bereits heuer darauf verzichtet. „Wir haben zwar schon versucht, ihn umzustimmen. Aber die Angst war ihm einfach nicht zu nehmen.“

Mair bittet die Wolfsbefürworter darum, auch einmal an die Konsequenzen zu denken, wenn Almflächen nicht mehr beweidet werden. Hier würden wertvolle Lebensräume für Insekten oder auch Vögel einfach verloren gehen. „Der Wolf ist eine fantastische Art. Aber er verdrängt auch andere Arten. Vielleicht muss er ja nicht überall sein.“

(Rainer Bannier und Veronika Ahn-Tauchnitz)

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