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Kinderbuchautorin Gina Ruck-Pauquèt starb an dem Tag, an dem ihr Mann beerdigt wurde. 

Die beliebte Kinderbuchautorin aus Wackersberg ist gestorben

Trauer um Gina Ruck-Pauquèt: „Sie nahm jeden so an, wie er war“

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Mutig, tapfer, selbstbestimmt und diszipliniert, aber zugleich sensibel und zurückhaltend: So beschreiben ihre Freunde Gina Ruck-Pauquèt. Die erfolgreiche Kinderbuchautorin ist im Alter von 86 Jahren in Wackersberg gestorben.

Wackersberg – Obgleich ihre Bekannten diese Charaktermerkmale nennen, so hat doch jeder eine andere Geschichte über sie zu erzählen. „Sie hatte mit jedem ihrer wenigen guten Freunde eine eigene Blase, in der Mitte sie selbst“, beschreibt es Gitarrist Gulââb aus Geretsried. Viele Jahrzehnte kannte er Gina Ruck-Pauquèt, er war so etwas wie ihr Ziehsohn. Er sei damals als Teenager mit seiner Gitarre durch Bad Tölz gezogen, die Autorin habe ihn von ihrem Fenster aus gesehen und war von ihm angetan, bat ihn herein. „Später hat sie mir gesagt, ihr habe gefallen, dass ich irgendwie anders bin.“

Genau dieses Interesse für das Anderssein war es, das Gina Ruck-Pauquèt in ihren Büchern immer wieder hervorhob. Sei es im „Vier-Farben-Land“, in dem die Welt in vier einfarbige Bereiche eingeteilt ist und auf einmal ein buntes Kind zur Welt kommt. Oder in„Madame Tü-Tü und der Kater Remy-Lemy“. In dieser Geschichte erhält eine alte, weltfremde Frau Besuch von einem schmutzigen Straßenkater, der sprechen kann – und ihr Leben auf den Kopf stellt.

Das „Vier-Farben-Land“: So schön schrieb Gina Ruck-Pauquèt

Kinder hatte Gina Ruck-Pauquèt keine, auch wenn sie so einfühlsam für sie schrieb. „Ich nehme Kinder ernst und gehe mit ihnen wie mit Erwachsenen um“, sagte sie einmal.

Geboren wurde Gina Ruck-Pauquèt in Köln. Beruflich probierte sie sich in verschiedenen Richtungen aus: Sie machte eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin – ihr Vater war Zahnarzt –, besuchte die Werkschule in Köln und arbeitete in einem Modesalon. Weitere Stationen: Mannequin, Werbeassistentin, Vertreterin und Gerichtsreporterin. „Sie hat alles Mögliche gemacht“, sagt auch Gulââb.

Ins bayerische Oberland verschlug es Ruck-Pauquèt, da der Großvater im Krieg in der Jachenau gestorben war. Die Familie wollte die Gegend besuchen, es gefiel ihr so gut, dass sie blieb. Gina Ruck-Pauquèt wohnte zuletzt in Wackersberg, am Buchberg. Dort fand sie Inspirationen auf langen Spaziergängen mit ihrem Hund. Kam ihr ein Gedanke, schrieb sie ihn von Hand auf mehrere Zettel. Der Technik vertraute sie nicht. „Es fließt einfach besser aus mir raus, wenn keine Maschine dazwischen ist“, sagte sie. Aber sie holte sich ihre Ideen auch auf Reisen. Mit ihrem zweiten Ehemann Eckhard Hoffmann fuhr sie nach Nepal und Tunesien, schlief unter freiem Himmel. In vielen ihrer Bücher hat sie Erfahrungen aus ihren Reisen eingebaut. „Man merkt es in den Details, dass sie viele der Dinge selbst erlebt hat“, sagt Gulââb.

„Sie hat enorm viel ausprobiert, als sie zu schreiben begann, aber auch, als sie als Kinderbuch-Autorin ihren festen Platz mit unzähligen Büchern und Veröffentlichungen hatte“, erzählt ihre langjährige Freundin Ilona Weißbrich. Gina Ruck-Pauquèt absolvierte eine neue, mehrjährige Ausbildung zur psychotherapeutischen Arbeit bei dem bekannten Psychotherapeuten und Astrologen Thorwald Detlefson. In ihrer Praxis in Schwabing arbeitete sie viele Jahre mit großem Engagement für und mit ihren Patienten, „bis zum Jahr 2017 an mindestens einem Tag pro Woche“, so Weißbrich. „Ich denke, es gibt viele Menschen, die ihr sehr dankbar sind.“

„Gina Ruck-Pauquèt nahm jeden so an, wie er war. Da gab es keine Alters- oder sonstige Grenzen“, ergänzt Gulââb. Mit Ehemann Eckhard Hoffmann, der jünger war als sie, hatte sie ihren Partner fürs Alter gefunden, glaubte sie. „Sie hat sich immer vorgestellt, dass sie sich umeinander kümmern können“, sagt Gulââb. Umso größer war ihr Schock, als ihr Mann schwer erkrankte. Irgendwann ging es ihm so schlecht, dass ihr nichts anderes übrig blieb als für ihn einen Platz im Pflegeheim zu organisieren. „Von da an hatten sie nur noch sehr wenig Kontakt“, sagt Gulââb.

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Gina Ruck-Pauquèt versuchte mutig, ihr Leben selbst neu zu organisieren. Dabei hatte sie einen Autounfall, durch den sie eine Weile stark in ihrer Mobilität eingeschränkt war. Sobald es ihr ein wenig besser ging, bestellte sie den Pflegedienst ab, um ihre Autonomie wieder herzustellen. „Es war ihr immer sehr wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen, im wahrsten Sinne des Wortes“, so Gulââb. Dann aber, nur wenige Wochen nachdem Eckhard Hoffmann ins Pflegeheim eingeliefert worden war, verstarb ihr Mann. Am 28. August, dem Tag seiner Beerdigung, „fuhr ich vorher zu ihr, um den kurzen Text mit ihr abzusprechen, den ich in ihrem Namen an seinem Grab sprechen würde“, sagt Weißbrich. „Sie war sehr verändert.“

Daher fuhr ihre Freundin sofort nach der Beerdigung wieder zu ihr. Die herbeigerufene Ärztin war ein Geschenk: Liebevoll, freundlich, aber mit großem Ernst wies sie Ruck-Pauquèt darauf hin, dass sie nur im Krankenhaus eine Verbesserung ihrer Lage erreichen könne. „Gina verweigerte aber jedweden Aufenthalt im Krankenhaus“, sagt Weißbrich. „Nun begriff ich auch, dass sie gehen wollte. Selbstbestimmt auch in dieser Lage. Wir hatten eine ruhige Zeit zum Abschie-Nehmen.“ Als die Trauergesellschaft zurückkam, bat Weißbrich Gulââb und seine Frau, ihren Platz einzunehmen, weil sie noch ein Medikament besorgen sollte. „Ich werde das Bild nicht vergessen: Gulââb an ihrer rechten und seine Frau Biggi auf der linken Seite. So begleitet und geschützt konnte sie mit Leichtigkeit gehen – selbstbestimmt.“ Gulââb ergänzt: „Sie ist in unseren Armen gestorben.“ Gina Ruck-Pauquèt wurde im engsten Freundeskreis in Arzbach begraben.

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