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Farbenpracht auf dem Buchberg: In ihrem Garten haben Heinz Hirz (Foto) und seine Frau Rosi Demmel ganz bewusst einen „Urwald“ aus Wildblumen geschaffen, um Insekten Nahrung anzubieten.

Naturnahe Flächen

Besuch im Garten: So funktioniert Fürsorge für Bienen

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Vielerorts arbeiten Kommunen, Imker und Naturschutzverbände zusammen, um Grünflächen für Bienen und andere Insekten naturnah zu gestalten. Auch immer mehr Privatleute machen sich diesen Ansatz zu eigen. Ein Gartenbesuch.

Wackersberg – Was Heinz Hirz in seinem Garten am liebsten tut? Einfach der Natur beim Wachsen zuschauen. „Das ist eine wahre Wundertüte“, sagt der Wackersberger. „Im Frühjahr ist die Erde noch nackt, dann kommen die ersten grünen Punkte, daraus wird ein grüner Teppich – und nach und nach sind immer mehr bunte Flecken zu sehen.“ Welche Blumen genau zum Vorschein kommen, sei immer wieder ein „Überraschungsmoment“, sagt er.

Hirz hat sichtlich Freude daran, das kleine heimische Paradies herzuzeigen. Auch wenn er betont: „Ich bin hier nur der Hilfsarbeiter.“ Konzept und Gestaltung des Gartens, dafür sei seine Frau Rosi Demmel verantwortlich. Die ist beim Gesprächstermin im Garten allerdings noch in der Arbeit in Bad Tölz, wo sie eine Töpferwerkstatt betreibt.

Heinz Hirz in seinem Garten.

Was den Garten so besonders macht, ist nicht nur seine Lage: an einem einsamen Hof, der bis aufs 15. Jahrhundert zurückgeht, auf dem Buchberg, dem „höchsten dauerhaft bewohnten Punkt des Landkreises“, wie Hirz feststellt. An diesen idyllischen Ort, wo eine mutmaßlich 1000-jährige Linde auf der Anhöhe steht und der Blick weit über Tölz und ins Gebirge reicht, lebt die Familie ohnehin umgeben von Natur – so sollte man meinen. Doch es gibt einen Unterschied: Während im Garten Blumen in allen Farben sprießen, werden die umgebenden Weideflächen mehrmals jährlich gemäht.

Recht bunt war es auch früher schon im Garten des Ehepaars, der als Bauerngarten angelegt war, mit Johannisbeeren, Gemüse, Salat und auch vielen Blumen. Vergangenes Jahr aber entschlossen sich die Wackersberger zur Umgestaltung. „Wir haben versucht, ein Refugium für Insekten zu schaffen“, berichtet Hirz. In der heutigen durchgestalteten Landschaft haben es Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten zunehmend schwer, ausreichende und vielfältige Nahrung zu finden.

Inspirieren ließ sich Hirz unter anderem auf einer seiner Touren mit der Kamera – das Fotografieren ist sein großes Hobby. Als es ihm ein bunter Garten in Harmating besonders angetan hatte, kam er mit der Besitzerin ins Gespräch. „Sie hat uns dann einen bestimmten Hersteller von Samenmischungen empfohlen.“

Heute ist der Garten auf dem Buchberg durch zwei Wege in vier Teile gegliedert. In jedem säten Hirz und Demmel eine andere Mischung aus. Ein „Feld“ hat einen mageren, sandigen Boden, hier wachsen mehrjährige Arten. Das Spektrum der Blumen ist weit gefächert: Wegwarte, Natternkopf, Salbei, Mohn, Cosmea, Nachtviole, Ringelblumen, Bechermalven, Sonnenblumen, Kornblumen, Lavendel, Sonnenhut, Zinien, Schafgarbe und Kamille – um nur einige zu nennen.

Hier findet jedes Insekt eine Mahlzeit nach seinem Geschmack. Was sich im regen Leben zwischen den Pflanzen widerspiegelt. „Es ist schon ein sinnliches Erlebnis, wenn man einfach nur dasitzt, und in der Stille das Summen und Brummen hört“, sagt Hirz, der hauptberuflich Bauamtsleiter der Gemeinde Otterfing ist. Seine Frau hat auch an die Vögel gedacht. Für sie bilden nicht nur die Insekten ihrerseits eine Nahrungsquelle. Sondern Rosi Demmel hat auch bewusst in der Mitte des Gartens eine Sonnenblumenblüte auf ein Tischchen gelegt, aus der die Vögel die Kerne picken.

Im Zuge der Umgestaltung verkleinerte das Paar seinen Garten auch ein wenig. Die Nutzpflanzen wurden in zwei Hochbeete verlegt. „Wir sind mit Anfang 60 beide nicht mehr die Jüngsten“, sagt Heinz Hirz. Der Garten mache in seiner jetzigen Form weniger Arbeit. „Wir müssen nur im Herbst abräumen und den Boden vertikutieren, damit Luft hineinkommt.“ Ansonsten wachse die Blumenpracht nach der Aussaat von ganz allein. Je nach Jahreszeit dominieren unterschiedliche Farben: mal Blau und Gelb, dann Lila und Rot oder Weiß. Im Juli erreiche die Blüte ihren bunten Höhepunkt. Nur etwas Unkrautrupfen sei zwischendurch angesagt.

Nicht jedem gefällt der Garten so gut wie den Bienen und den Schmetterlingen. „Manche stören sich ästhetisch an diesem ,Urwald‘“, sagt Hirz. „Aber gerade das mögen die Insekten.“ Und er. Schwager Franz Demmel, der ebenfalls auf dem alten Hof wohnt und Imker ist, weiß den Garten ebenfalls zu schätzen. Für ein ganzes Bienenvolk reiche dieser Esstisch zwar nicht. „Aber 100-mal wenig ist auch viel“, kommentiert er.

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