Truhenwagen mit langer Tradition: Gabi und Hans Bernwieser zeigt das historische Gefährt aus dem Jahr 1846.

Zum 90. Mal dabei

Bewahrer des Leonhardi-Gefühls

Zum 90. Mal ist der Hof „zum Koch“ vom Buchberg bei der Tölzer Leonhardifahrt vertreten.

Fischbach – Es ist ganz einfach immer wieder schön, dieses Gefühl, wenn alles gut gegangen ist. Wenn das Gespann samt dem mit Miedermadln besetzten Truhenwagen die Strecke über den Maierbräugasteig zum Kalvarienberg und den Rückweg über die Marktstraße ohne ungute Zwischenfälle zurückgelegt hat, zu Sankt Leonhard um Schutz für Haus und Hof gebetet worden ist und danach noch eine gemütliche Einkehr den Festtag beschlossen und die zurückliegenden arbeitsreichen Tage belohnt hat. Dieses ganz eigene Gefühl motiviert auch Hans Bernwieser jedes Jahr aufs Neue, beim Tölzer Lehards dabei zu sein. Und so wie ihm erging es wohl auch schon einigen seiner Vorfahren auf dem stattlichen Anwesen „zum Koch“ am Buchberg in Fischbach. Zum 90. Mal ist dieser Hof heuer bei der Tölzer Leonhardifahrt vertreten – er gehört damit zu den Höfen mit der längsten Leonhardi-Tradition.

Schon immer mit Miedermadln: Auch auf dieser Postkarte von vor 1909 sitzen auf dem Truhenwagen des „Koch“ Jungfrauen.

Für Hans Bernwieser, den jetzigen Bauern auf dem Hof, ist es mittlerweile das 27. Mal, dass er seine Pferde für die Wallfahrt einspannt. Die drei Kaltblut-Stuten Heidi, Hanni und Hilde haben die besondere Situation des Wallfahrtstages bereits einige Male miterlebt, und auch Piala, die das Vierergespann vervollständigt und dem „Diepold“-Bauern Josef Waldherr aus Bichl gehört, ist kein Neuling mehr. Auch wenn die Rösser ansonsten den Sommer auf der Weide verbringen, zum „Fahren“ werden sie doch immer wieder mal angeschirrt, um nicht aus der Übung zu kommen, schildert Bernwieser. Zuletzt, kurz vor dem großen Tag, haben der „Koch“ und der „Diepold“ ihre Pferde der Gewöhnung halber zweimal für Probefahrten zusammengespannt.

Ein wahres Relikt der Tölzer Leonhardi-Historie ist der Truhenwagen, der beim „Koch“ in der Remise steht. Er trägt die Jahreszahl 1846 – das bedeutet, dass er schon gebaut wurde, noch ehe der damalige Tölzer Pfarrer Joseph Pfaffenberger das vormals „wilde Umsprengen“ der Leonhardikapelle 1856 in eine geordnete und im Grunde bis heute beibehaltene Form gebracht hat. Die Bemalung des blaugrundigen Wagens zeigt die vier Jahreszeiten sowie die Muttergottes und Jesus auf den Längsseiten, während auf der Vorderseite der heilige Leonhard und auf der Rückseite der heilige Simon abgebildet ist. Die Darstellung des heiligen Simon kommt nicht von ungefähr: Der seinerzeitige Bauer auf dem „Koch“-Anwesen, der das Gefährt anfertigen ließ, hieß Simon Kiefersauer. „Der Unterbau des Wagens wurde inzwischen wohl zweimal erneuert und die Bemalung bekam vor etwa 40 Jahren eine Auffrischung“, erzählt Hans Bernwieser.

Wenn er sprechen könnte, dann könnte er viel erzählen, dieser Wagen. Denn er war eigentlich so ziemlich bei jeder Leonhardifahrt im Einsatz, wenn nicht mit einem Gespann vom eigenen Hof, dann wurde er von anderen Lehards-Fahrern zu leihen genommen. Pferdemäßig gab es beim „Koch“ in der Generationenfolge ja einige längere Auszeiten vom Tölzer Lehards: So etwa unter der Ägide von Hans Bernwiesers Großvater, dessen Leidenschaft für die Rösser – wie es heißt – eben nicht so ausgeprägt gewesen sein soll. Wenn aber gefahren wurde, dann laut Aufzeichnungen zumindest seit 1893 immer mit „Jungfrauen“ als Besatzung. Zwölf Miedermadln waren es auch heuer wieder, die den Wagen mit Granten und Moosröserl geschmückt haben. „Früher wurden aus Krepppapier gebastelte Blumen hineingearbeitet“, weiß Bäuerin Gabi Bernwieser von älteren Fotos.

Am 6. November beginnt der Tag früh um dreiviertel Vier. Als erstes wird die übliche Stallarbeit gemacht, die Kühe gemolken, die Kälber versorgt. Dann sind die Rösser an der Reihe, die für den besonderen Anlass natürlich schön herausgeputzt werden wollen, und nicht zuletzt die Familienmitglieder: Bauer Hans Bernwieser, der das Gespann lenkt, Sohn Michael als Praxer (und künftiger Fuhrmann), Sohn Franz als Vorreiter auf der Stute Pia und Tochter Veronika, die heuer erstmals auf dem Wagen mitfährt. Bevor um halb Acht aufgebrochen wird, besprengt die Bäuerin Fuhrleute und Rösser mit Weihwasser – „St. Leonhards Ehrentag ist uns wichtig“, sagt sie. Ein Stück unterhalb, am Strasserhof, steigen die Mädchen auf den Wagen. Und wenn dann hoffentlich alles gut gegangen ist, wird sich am Nachmittag wieder dieses Gefühl einstellen, dieses Gefühl aus Dankbarkeit, Freude und Zufriedenheit, eine wunderschöne christliche Tradition einer ebenso wunderschönen Heimat weitertragen zu können.

Von Rosi Bauer

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