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Nachschau bei den Ziegen in den Isarauen (v. li.): Christina (7), Leinhard (5) und Kaspar Fischer.

Beweidungsprojekt 

Ziegen und Esel beißen sich durch

Wackersberg – In den Isarauen zwischen Bad Tölz und Vorderriß sollen Ziegen und Esel die Artenvielfalt ankurbeln – indem sie Hölzer und Büsche wegbeißen. Das Pilotprojekt steht zwar noch am Anfang, verspricht aber bereits Erfolg: Denn die Tiere machen einen guten Job.

Die Isarauen erinnern gerade im Sommer an vielen Orten an eine echte Steppe. Tote Gräser, dichte Büsche, pure Trockenheit. Naturschützer würden dort aber lieber Gipskraut, stängellosen Enzian und Fliegenragwurz sowie Grashüpfer, Ringelnattern oder Eidechsen sehen. Pflanzen und Tiere, die in Auen normalerweise ihren Lebensraum haben. Die Lösung: Arbeitskräfte engagieren, die Büsche, Weidenpflanzen und Hölzer wegbeißen, um das Zuwuchern der Uferbereiche zu verhindern und die Artenvielfalt anzukurbeln.

Als ziemlich beißstark erweisen sich die Ziegen, die seit dem Frühjahr auf einer Koppel auf Höhe der Wackersberger Bibermühle eingesetzt werden. „Die Goaßn machen ihren Job und hauen sich den Wanst voll“, freut sich Markus Henning. Der studierte Landespfleger leitet das Beweidungsprojekt, das zwischen Bad Tölz und Vorderriß auf staatlichen Flächen des Wasserwirtschaftsamts Weilheim bis 2020 laufen soll. Auf sechs insgesamt 62 Hektar großen Koppeln möchte man die Ziegen fressen lassen, isaraufwärts sollen sie sich durchbeißen. Dahinter steht das Bundesprojekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ vom Bundesamt für Naturschutz und dem Bayerischen Naturfonds. Träger für die Isarauen sind der Landkreis und der Isartalverein.

Neben den 31 Ziegen trifft man im Isarwinkler Unterholz derzeit auch vier Esel an. „Die nehmen Masse weg, und sie sind typische Steppentiere“, sagt Henning. Alle Tiere gehören Kaspar Fischer. Auf seinem Hof in Gaißach leben Schafe, Rinder und Pferde. Die Ziegen hat er sich extra für das Projekt aus dem bayerischen Wald besorgt. „Ich stehe voll dahinter, wenn es um die Förderung der Artenvielfalt geht“, sagt Fischer. Darüber hinaus könne er die Ziegen so artgerecht halten. Auch für den Landwirt, der auf seinem Hof irgendwann Ziegenfleisch anbieten möchte, ist es ein Pilotprojekt: „Man muss beobachten, wie sich das entwickelt. Aber momentan machen sie genau das, was sie sollen.“

Projektleiter Henning freute sich besonders, als er einige Ziegen zuletzt an den Wachholderbüschen knabbern sah. „Obwohl auch Erlen, Fichten und Weiden da sind.“ Der Wacholder gehört als „Weide-Unkraut“ zu den Sträuchern, die die Naturschützer am dringendsten entfernen wollen. Schon jetzt schälen die Tiere die Weiden und beißen in die Hölzer. „Aber es wird wohl zwei Jahre dauern, bis man wirklich sieht, dass es sich lichtet“, sagt Henning. Fischer, der die Auen als Isar-Ranger bestens kennt, verweist darauf, „dass wir ein Ausnahmejahr haben“. Der viele Regen habe zu einem extrem wachstumsreichen Sommer geführt. Auch vom Faktor Witterung sei das Gelingen des Projekts abhängig.

Fischer besucht seine Ziegen jeden Tag. „Am Anfang waren die Goaßn schwierig zu finden. Sie sind sehr scheu, weil sie aus einer großen Herde kommen“, berichtet er. Mittlerweile erschrecken die Tiere nicht mehr vor ihm. Bei Hunden ist das was anderes. Deshalb bittet Fischer die Halter: „Lasst sie in den Isarauen an der Leine.“

Tobias Gmach

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