Die Kreuzeinweihung am 18. September 1945 hat der Maler G. Schäfer mit dieser Zeichnung festgehalten.
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Die Kreuzeinweihung am 18. September 1945 hat der Maler G. Schäfer mit dieser Zeichnung festgehalten. Das Bild hängt im Saal des Gasthofs Altwirt in Wackersberg.

Dank für gesunde Heimkehr aus dem Krieg

Blombergkreuz wird 75 Jahre alt

  • vonHans Demmel
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Die Bachbauern“-Familie erinnert sich an Einweihung des Blombergkreuzes 1945.

Wackersberg – Prächtige Schützenscheiben und alte Tafeln von Ortsvereinen bilden im historischen Saal des Gasthofs Altwirt in Wackersberg einen besonderen Blickfang für die Gäste. Da sticht eine kleine Zeichnung eher weniger ins Auge. Ein Gipfelkreuz, umgeben von Fahnen und mit Girlanden behangen sowie zahlreiche Besucher einer Bergmesse sind darauf zu sehen. Darunter nicht nur der Name des Zeichners G. Schäfer, sondern auch der Schriftzug: „Kreuzeinweihung auf dem Blomberg am 18.9.45“.

Mit Muskelkraft wurde das Blombergkreuz im Juli 1945 von 20 Männern aufgestellt.

Nicht jeder glaubt an die Richtigkeit des Datums, denn dass eine solche Festlichkeit schon bald nach Kriegsende stattgefunden haben soll, lässt zweifeln. Außerdem ist der festgehaltene Termin ein Dienstag gewesen. Aber es gibt noch Wackersberger, die sich sehr gut an das Ereignis erinnern können. Allen voran Nikolaus Riesch, der „Bachbauer“. Mit der Fertigung und Errichtung des Kreuzes wurde schließlich das Versprechen seiner Mutter eingelöst: Sollte der Sohn gesund aus dem Krieg heimkehren, wird zum Dank an den Herrgott ein weithin sichtbares Zeichen aufgestellt.

Schon bald nach Inkrafttreten der Kapitulationsunterzeichnung am 8. Mai 1945 kehrte der junge Bursch auf den Hof zurück. Und es dauerte nicht lange, da wurde schon die Arbeit in Angriff genommen.

Sogar der genaue Tag, an dem damit begonnen wurde, ist bekannt. Sepp Simon, der „Grill“ von Burger, hatte von 1936 an genau Buch geführt und jeden Tag fein säuberlich festgehalten. Die Niederschriften hütet sein Sohn wie den eigenen Augapfel. „Bachbauer Bergkreuz“ hat der maßgeblich an der Fertigung beteiligte Zimmerermeister dort am 8. Juni notiert. Gut einen Monat später, am 22. Juli 45, ist zu lesen: „Bachbauer Kreuz fertig gemacht und aufgeladen.“ Auch die an diesem Tag benötigte Zeit ist mit elf Stunden notiert. Und zwei Tage später ging es dann schon den Berg hinauf. Im Notizbuch steht geschrieben: Montag, 23. Juli, Bachbauern Alois mit Tiroler und Pfluger Kilian um 5 Uhr morgens weggefahren auf den Blomberg. Wackersberger Alm um ½ 11 Uhr oben gut angekommen.“ Sechs Pferde wurden für den elf Meter langen und 30 mal 30 Zentimeter starken Stamm aus Eichenholz benötigt. Der Querbalken wurde mit zwei Ochsen gezogen.

Die Kreuzaufstellung im Juli 1945 ist im Tagebuch des Zimmerermeisters Sepp Simon dokumentiert.

Nachdem alles montiert und verschraubt war, halfen rund 20 Mann aus dem Ort beim Aufstellen mit. Riesch erinnert sich: „Zirka zwei Meter befindet sich der Stamm im Boden.“ Weiter steht im Buch zu lesen: „Scheifele Blitzableiter gleich angebracht.“

Weniger ist leider über den Tag der Einweihung bekannt. Doch Austragsbäuerin Anni Riesch durfte damals als Kind mit ihrem Opa auf den Blomberg gehen. „Ich war in der dritten Klasse. Für diesen festlichen Anlass wurden mir zwei dicke Zöpfe geflochten, aber leider hat sich beim Aufstieg die Frisur völlig aufgelöst“, erinnert sie sich lachend. Lange hat sie den Opa gebettelt, bis dieser dann im Wald die Haarpracht des Mädchens wieder nahezu in den vorherigen Zustand brachte. Und so ging es dann weiter zum Gipfel, wo eine große Schar von Besuchern an dem Festgottesdienst teilnahm.

Der Querbalken wurde übrigens vor einigen Jahren erneuert. Doch der Stamm ist noch immer der gleiche und wacht auch nach 75 Jahren noch in besten Zustand über den Isarwinkel.

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