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Hochgeschwindigkeit fürs Internet: Ein Verteilerkasten mit Glasfaserkabeln.

Breitbandausbau

Ringen um mehr Bandbreite

Wackersberg – Die Gemeinde Wackersberg hat den Förderantrag für den Breitbandausbau beim Freistaat gestellt. Ausgerechnet das Gewerbegebiet Steinbach wird nicht vom bayernweiten Internet-Programm profitieren – weil dort bereits ein Funknetz existiert. An einer Alternativlösung wird aktuell gearbeitet.

Wenn Andreas Fischer mal wieder einen Wasserhahn braucht, aktiviert er das Faxgerät. „Im Internet zu bestellen, ist eine Tortur für mich. Das dauert eine Ewigkeit“, sagt der Installateur aus Wackersberg, der auf die täglichen Materiallieferungen angewiesen ist. Fischer lebt und arbeitet im Gewerbegebiet Steinbach. Ein Fleckchen im Landkreis, wo derjenige besonders viel Geduld braucht, der das Internet über die Telefonleitung bezieht.

Fischers Nachbarn schwören daher seit Jahren auf den Richtfunk der Firma EDV-Team Oberland, die sich auf schlecht versorgte Regionen im Landkreis spezialisiert und Antennen auf den Bergen im Isarwinkel aufgestellt hat. Benedikt Kloiber hat einen Empfänger und Verteiler auf dem Dach seiner Schreinerei. „Das klappt wahnsinnig gut. Ich bin total zufrieden – und das seit sieben Jahren“, sagt er. Kloiber verstehe nicht, warum die Gemeinde Wackersberg in den Netz-Problemzonen nicht auf die Funklösung setzt. Nachbar Fischer, dessen Frau den Funk wegen der Strahlung ablehnt, kann etwas anderes nicht nachvollziehen: „In Gaißach, Ellbach und der Jachenau: Überall verlegen sie die Glasfaserkabel, nur wir haben sie nicht. Und das in einem Gewerbegebiet.“ Fischer habe von Bürgermeister Alois Bauer gesagt bekommen, die Leitungen für die Glasfaserrohre seien schlicht zu eng. Das ist aber nicht die einzige Begründung, warum das Gewerbegebiet Steinbach beim anstehenden Breitbandausbau in Wackersberg außen vor bleibt. Der Freistaat Bayern will bis 2018 ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz aufbauen und hat daher ein Förderprogramm kreiert, das 80 Prozent der Ausbaukosten übernimmt. Kürzlich hat die Gemeinde den Förderantrag gestellt, um die Netz-Knotenpunkte bald von der Telekom mit Glasfasern anschließen zu können. Das lässt Bürgermeister Bauer auf Nachfrage wissen. „Die Förderung greift nur dort, wo noch kein Eigenausbau durchgeführt wurde“, erklärt Bauer. Genau das ist im Gewerbegebiet Steinbach mit der Einrichtung des Funknetzes aber einst geschehen. Gefördert wird also nur dort, wo der Gemeinde selbst Kosten entstehen, weil es keine adäquate Lösung gibt.

Ein halbes Jahr könne es schon dauern, bis eine Antwort zum Antrag zu erwarten ist. Bei einem positiven Bescheid muss der Ausbau innerhalb eines Jahres erfolgen. Bauer: „Ich denke, dass das Ganze Ende 2017 steht.“ Die Firma Corwese, die die Gemeinde beim Antrag unterstützt hat, rechne mit einer Bewilligung. Die Telekom lässt sich beim Ausbau die sogenannte „wirtschaftliche Deckungslücke“ bezahlen, das heißt den Betrag, den sie durch die zu erwartenden Nutzergebühren nicht wieder hereinholen kann.

Als Ausbauzonen sind – mit ein paar Eigenausbau-Unterbrechungen – die südlichen Gemeindebereiche Steinsäge, Bibermühle, Burgern, Wackersberg Dorf, Lain, Schnait, Steinbach/Schachen sowie die Blomberg-Talstation vorgesehen. Eine Netz-Geschwindigkeit von 30 Mbit/s soll dort Standard werden. Bauer weiß aber, dass das für einzelne Höfe, die weit weg vom Verteiler sind, kaum realistisch ist. „Das ist eben schwierig auf dem Land.“

Bei der Umsetzung sind die Wackersberger durchaus kreativ. In Oberfischbach beispielsweise sollen die Leerrohre für die Glasfaserkabel in alten Wasserleitungen verlegt werden. Die Genehmigung dazu hat auch das EDV-Team Oberland bei der Gemeinde eingeholt. Denn im Gewerbegebiet steht nicht nur die Familie Fischer dem Funk kritisch gegenüber, wie Geschäftsführer Peter Feist bestätigt. Deshalb baue man aktuell den dortigen Kabelverzweiger aus. Feist: „Wir geben auf die Leitungen der Telekom mehr Bandbreite.“ Wirklich verstehen kann er die Bedenken in Sachen Funk aber nicht: „Die Strahlungen sind deutlich geringer als bei einem Handy.“

Tobias Gmach

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