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Die Gemeinde Wackersberg steht gut da: Jetzt steht aber ein Rechtsstreit um das Baugebiet an der hinteren Längentalstraße bevor.

Bürgermeister Alois Bauer verärgert

Baustopp in Arzbach: Weiter Ärger um Längentalstraße

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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„Ich hab’ gedacht, ich bin im falschen Film.“ Bürgermeister Alois Bauer redete sich – für ihn ganz ungewohnt – richtig in Rage bei der Wackersberger Bürgerversammlung am Sonntag.

Wackersberg – Der Grund war erneut das Neubaugebiet an der hinteren Längentalstraße, in diesem Bereich wie berichtet in Waxensteinstraße umbenannt. Nach jahrelangen Diskussionen und vielen Einwänden der Anlieger war der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan einstimmig im Gemeinderat verabschiedet worden. „Wir haben die Planung danach angestoßen“, berichtete Bauer. Vor 14 Tagen wurden vom Rat die ersten Arbeiten vergeben – die betrafen die neue Straße, die dort entstehen soll, in die die Leitungen und Rohre verlegt werden sollen. „Und auf einmal kommt ein Antrag auf Normenkontrolle“, so der Bürgermeister. Das heißt: Der Antragsteller bestreitet die Wirksamkeit des Bebauungsplans – in diesem Fall also zum Beispiel, dass im Bebauungsplan gewisse Bäume nicht eingezeichnet sind. „So ein Verfahren dauert bis zu drei Jahre, bis es überhaupt losgeht ein paar Monate“, sagte Bauer. Zunächst müsse geprüft werden, ob der Antrag berechtigt sei. „Aber das kann die Bremse reinhauen.“

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Einige der Punkte in dem Schreiben, das von einem Anwalt formuliert wurde, hätten sofort widerlegt werden können. „Aber wir müssen uns damit beschäftigen, und das dauert eben alles wieder Zeit.“

Eine Woche nach dem ersten Brief sei es noch schlimmer gekommen: „Da erreichte uns in der Gemeinde eine einstweilige Anordnung“, so Bauer. Das heißt im Klartext, dass alles, was an der Waxensteinstraße passiert, erst einmal gestoppt wurde. „Der Antragsteller ist bestens informiert über die Vorgänge in der Gemeinde“, sagte Bauer.

In der Klage gehe es beispielsweise um eine Fläche, die als landwirtschaftlicher Grund deklariert werden sollte. „Der Antragsteller selbst wollte das so, und jetzt sagt er, dass das eine Wertminderung darstellt“, ärgerte sich Bauer. „Jetzt haben wir also den Stopp drin und müssen sehen, wie wir damit umgehen. Wir können es heilen, aber es braucht Zeit.“ Nicht absehbar sei, welchen finanziellen Verlust das mit sich bringe.

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Dazu äußerte sich Bürger Josef Lachner zu Wort, als Bauers Bericht zu Ende war. Er selbst wohne seit 40 Jahren in Wackersberg, möchte dort an der Waxensteinstraße bauen. „Hier wird nur dagegen geschossen.“ Wenn sich das Verfahren nun noch einmal über Jahre hinziehe, „kostet mich das 50 000 bis 60 000 Euro“. Warum könne es nicht einfach möglich gemacht werden, dass die Bewerber – zwölf Familien mit jeweils mindestens zwei Kindern – dort einfach bauen? „Man könnte sich doch auch freuen, dass diese Kinder sich irgendwann in Sportverein oder Feuerwehr engagieren.“ Und nun sei der Plan einstimmig beschlossen – und wieder gebe es Gegenwind. „Das macht mich traurig und narrisch zugleich.“ Inzwischen werde Wackersberg doch ausgelacht. „Es tut mir weh, dass wir hier jetzt so weit sind, dass sich ein Gericht damit beschäftigen muss.“ Dafür gab es zustimmenden Applaus von den meisten der anwesenden Bürger.

Konrad Eberl, einer der Anwohner der Längentalstraße und Gegner des Neubaugebiets, stellte klar, dass er es nicht sei, der hier rechtlich gegen die Gemeinde vorgehe. Ihm sei es wichtig, dass die dörfliche Struktur erhalten bleibe. Deshalb brachte er erneut seine Punkte gegen die Dimension des Projekts vor – und dass seiner Meinung nach zu wenig gewährleistet sei, dass tatsächlich Einheimische davon profitieren.

Darauf meinte Bauer, dass alle diese Punkte bereits abgewogen worden seien. „Alles wurde von 25 Stellen geprüft.“ Das Bauland sei nach strengen Kriterien vergeben worden.

Obwohl nun der Baustopp verhängt wurde, werde man in der nächsten Ratssitzung die Grundstücke – unter Vorbehalt – vergeben. Und Bauer schickte hinterher: „Wir werden nichts mehr an dem Bebauungsplan ändern.“

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