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Zusammen lernen können Asylbewerber im neuen Computerraum am Hoheneck. Einer von ihnen ist Jawan Al Tammou (3. v. re.). An den Computern erklären ehrenamtliche Helfer und Mitglieder von „Asylplus“ das Programm. Bürgermeister Alois Bauer (2. v. re.) und Geschäftsstellenleiter Jan Göhzold (re.) sind zufrieden mit dem Gemeinschaftsraum.

Container am Hoheneck

Lernen über dem Heizwerk

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Oberfischbach –  Sprache als Schlüssel zur Integration: Im neuen Computerraum am Hoheneck können Asylbewerber Deutsch lernen. Die Bewohner der Container nutzen ihn fleißig und hoffen, bald arbeiten gehen zu können.

Jawan Al Tammou schaut in den silbernen Bildschirm und hört seinem Lehrer Delaa Abdullah zu. Abdullah erklärt gerade den Dativ – in einem Video auf Youtube. Wenn Al Tammou etwas zu schnell geht, spult er ein bisschen zurück. Das meiste versteht der 35-Jährige aber direkt.

Al Tammou sitzt in dem neuen Computerraum am Hoheneck. „Es ist sehr gut einen Computerraum zu haben, es ist nicht schwer mit dem Internet Deutsch zu lernen“, sagt Al Tammou. Wie berichtet hat die Gemeinde Wackersberg das Zimmer über dem Heizwerk ausgebaut, damit Asylbewerber dort ihre Sprachfähigkeiten ausbauen können. Seit gut einer Woche ist der Computerraum fertig und wird interessiert angenommen.

Hauptsächlich nutzen ihn die Flüchtlinge, die in der Containeranlage wohnen. Sie steht direkt neben dem Heizwerk. „23 Menschen leben hier, darunter drei Minderjährige und acht Frauen“, sagt Jan Göhzold, Geschäftsstellenleiter der Gemeinde. Die Mischung sei gut. „Ich bin sehr froh, wie es läuft, alle helfen sich gegenseitig.“

Luxuriös ist das Leben am Hoheneck nicht, stellt Bürgermeister Alois Bauer klar. „Die Container sind für 28 Menschen ausgestattet, jedes Zimmer hat 13,5 Quadratmeter, in denen immer zwei Asylbewerber schlafen“, so Bauer. Dazu gibt es einen Container zum Kochen und Essen und Sanitäranlagen. Umso wichtiger, dass es jetzt auch einen Gemeinschaftsraum mit Computern gibt.

„Der Raum war frei, und eine separater Raum ist wichtig zum Weiterbilden“, sagt Bauer. 30 000 Euro kostete der Ausbau. Im Computerraum riecht es nach den frischen Spanplatten, mit denen die Wände verkleidet wurden. Eine marmorierte Küchenplatte dient als Arbeitsplatz für die elf Computer, die der Verein Asylplus zur Verfügung stellt. Stühle, Schränke und einen großen Tisch haben Buchbergklinik und Sparkasse der Gemeinde geschenkt.

Die Asylbewerber können hier laut Bauer rund um die Uhr lernen. Der Verein Asylplus und die ehrenamtlichen Helfer unterstützen sie dabei. Die Asylbewerber haben auch Wlan in ihren Zimmern, für das jeder fünf Euro pro Monat zahlt, „damit das was wert ist“, sagt Göhzold. Internet sei unheimlich wichtig für die Asylbewerber, um Kontakt mit ihren Familien halten zu können und vor allem Deutsch zu lernen.

Jawan Al Tammou nutzt den Computerraum jeden Tag. Der Syrer ist erst vor zwei Monaten mit seiner Mutter nach Deutschland gekommen, trotzdem kann er sich schon flüssig unterhalten. „Deutschland hat uns geholfen, wir sollen auch Deutschland helfen. Wir sind nicht zum Schlafen und Essen hergekommen, ich möchte arbeiten. Ich möchte alles geben“, sagt er.

Daheim hatte Al Tammou eine eigene Apotheke. Sie wurde im Krieg zerstört. Sein Ziel ist, das Diplom in Deutschland zu bekommen. Während er Delaa Abdullah im Youtube-Video zuhört, notiert er einzelne Worte auf ein Blatt Papier. „Das, der und die ist schwer, das gibt es bei uns nicht“, sagt Al Tammou. Doch auch das wird er lernen. Er spricht bereits Russisch, Kurdisch, Arabisch und Englisch. „Deutsch ist interessant. Ich mag die Sprache“, sagt er und klickt das nächste Lernvideo an.

Helfer gesucht

In Wackersberg haben sich bisher 40 ehrenamtliche Helfer eingetragen. Zwölf davon bringen sich sehr aktiv ein. Um ein Netzwerk aufzubauen, sucht die Gemeinde weiter Freiwillige. Informationen gibt es bei der Gemeinde, Jan Göhzold, 0 80 41/7 99 28 14. Der Verein Asylplus sucht außerdem nach gut erhaltenen Laptops, die er Asylbewerbern zum Lernen leihen kann. Informationen im Internet auf www.asylplus.de

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