Diese zornige Botschaft hängt an einem Baum im Waldgebiet an der Auffahrt zum Wackersberger Berg.
+
Diese zornige Botschaft hängt an einem Baum im Waldgebiet an der Auffahrt zum Wackersberger Berg.

Gereizte Stimmung bei Einheimischen

Nach Ekel-Hinterlassenschaften von Ausflüglern: Zornige Botschaft im Wald - „Des is koa Scheißhaus“

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
    schließen

Auch in Corona-Zeiten sind Gäste im Isarwinkel willkommen - nicht aber ihre Hinterlassenschaften in der Natur. Dieser Konflikt ist zuletzt auch in Wackersberg entbrannt.

  • In Wackersberg ärgerten sich Anwohner über unappetitliche Hinterlassenschaften in der Natur.
  • Sie reagierten mit einer unmissverständlichen Botschaft, die sie an einem Baum anbrachten.
  • Ärger gibt es auch in Lenggries: Hier beklagt der Imkerverein, dass der Stellplatz am Lehrbienenstand ganz bewusst blockiert wurde.
  • Alles aus der Region gibt‘s im Bad-Tölz-Newsletter.

Wackersberg/Lenggries – Die Gastronomie hat geschlossen. So mancher Tagesgast verrichtet sein Geschäft mangels Toilette deshalb in der Natur. Die Stimmung unter den Einheimischen ist zum Teil sehr gereizt, nicht nur wegen der Hinterlassenschaften im Wald. Zwei aktuelle Beispiele aus Wackersberg und Lenggries.

Corona in Bayern: Tagesausflügler verrichten Geschäft im Wald - Einheimische verärgert

„Des is koa Stodara Scheißhaus!“, steht auf einem Blatt Papier, das ein Unbekannter dieser Tage an einem Baum in der Nähe zur Auffahrt zum Wackersberger Berg gehängt hat. Auf dem Boden darunter liegen Taschentücher, die offenkundig nicht zum Putzen der Nase, sondern zum Reinigen einer anderen Körperpartie verwendet worden sind. „Die Stimmung in der Gemeinde ist schon etwas gereizt“, sagt Wackersbergs Bürgermeister Jan Göhzold.

Ihm zufolge kommt es seit dem Lockdown immer wieder vor, dass Ausflügler ihre Notdurft im Wald verrichten, weil die Wirtschaften und damit auch die Toiletten geschlossen sind. „Das ist schon ein Problem.“ Für die entnervten Grundstückseigentümer, die die „Sauerei“ am Ende wegmachen müssen, hat Jan Göhzold vollstes Verständnis. „Das geht gar nicht.“

Hinterlassenschaften von Touristen im Wald: Derber Hinweis an Baum - „Des ist koa Scheißhaus“

In diese Kategorie fällt auch ein Vorfall vor Kurzem am Lehrbienenstand „Am Schlosswald“ in Lenggries. Dort kämpft der Imkerverein infolge des Besucher-Ansturms mit dem überfüllten Parkplatz vor Ort. „An den Wochenenden wird es immer eng und Parkplätze sind rar“, schreibt Thomas Schuhbauer, der Leiter des Lehrbienenstands, in einer E-Mail an den Tölzer Kurier.

Damit zumindest für die Betreuung des Lehrbienenstands ein Platz frei bleibt, reservierte sich der Imkerverein einen Stellplatz und kennzeichnete ihn mit einem entsprechenden Schild. „Offenbar empfand ein erholungssuchender Zeitgenosse dieses Schild wohl als Einschränkung in seinen Grundrechten“, schreibt Schuhbauer.

Besucher-Ansturm während Corona: Überfüllte Parkplätze - Stellplatz bewusst blockiert

„Mit Gewalt riss er es aus seiner Verankerung und entsorgte es samt Halterung vermutlich im angrenzenden Hirschbach.“ Der Imkerverein will nun wieder ein Schild anbringen – und hofft Schuhbauer zufolge „auf das gleiche Verständnis, wie wir es den Ausflüglern entgegenbringen“.

In Wackersberg sind Parkplätze an schönen Wochenenden ebenfalls Mangelware. Rund um die Waldherralm stehen die Autos an solchen Tagen dicht an dicht. „Zum Teil parken sie fast bis runter zur Pestkapelle“, berichtet Bürgermeister Göhzold. Die Strecke zwischen Lehrbienenstand und Waldherralm sowie der Lehenbauernalmweg seien zum Teil ebenso überlaufen wie die Routen hoch zum Zwiesel und zum Heiglkopf.

Corona in Bayern: Negativbeispiele von Ausflügler-Verhalten bleiben in den Köpfen hängen

„Das kann ich den Münchnern nicht verübeln“, sagt Göhzold. „Nachdem man zum 100. Mal durch den Englischen Garten gelaufen sei, will man auch mal was anderes sehen.“ Aber man müsse Rücksicht nehmen. Auf die Einheimischen. Darauf, dass die Rettungskräfte im Notfall durchkommen. Und auf fremdes Eigentum.

Haarsträubende Geschichten sind dem Bürgermeister schon zu Ohren gekommen. Im Sommer etwa hätten Auswärtige einen Apfelbaum leer gepflückt. Ihr Auto parkten sie ganz nah am Baum, mit offenem Kofferraum. „Da wurden die Äpfel reingeworfen.“ Zwar sei das Gelände, auf dem der Baum steht, nicht durch einen Zaun geschützt.

Gutes Benehmen aber sieht anders aus, findet nicht nur Göhzold. „Manche setzen sich auch einfach neben den Eingang auf die Hausbank und machen da Brotzeit.“ Zwar handle es sich um Einzelfälle. Aber genau solche Negativbeispiele blieben in den Köpfen der Menschen hängen, bedauert das Gemeindeoberhaupt.

Touristen verrichten Geschäft im Wald - Gemeinde plant mobile Toiletten

Um zumindest die Toilettenproblematik etwas abzumildern, plant die Gemeinde wie berichtet, den Hochtanner-Parkplatz sowie die Stellfläche beim Lehrbienenstand zu vergrößern und mit mobilen Toiletten auszustatten.

Noch aber fehlen dem Bürgermeister zufolge die Genehmigung der zuständigen Behörden sowohl die wasser- und die naturschutzrechtliche Erlaubnis. Sobald diese vorliegen, sollen Dixi-Klos oder Ökotoiletten aufgestellt werden – damit Hass-Botschaften wie die an der Auffahrt zum Wackersberger Berg nicht die Regel werden.

Wegen Corona-Sperren lösten zahlreiche Ausflügler kürzlich ein Parkchaos im Naturschutzgebiet aus. Die Polizei schrieb lange Strafzettellisten. Auch Bad Heilbrunn zieht in der Corona-Zeit viele Ausflügler an. Das sorgte im Gemeinderat nun für eine Debatte über die Parkplatz-Situation.

(Von Silke Scheder)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare