Der Eingang zur Kita Oberfischbach (Gemeinde Wackersberg).
+
Der Wunsch „Bleibt gesund!“ ist noch auf einem Transparnet am Eingang der Kita Oberfischbach zu lesen. Nun hat sich eine Erzieherin mit Corona infiziert. Sie hatte Kontakt zu Kindern aus drei Gruppen.

„Alle Hygieneregeln eingehalten“

Erzieherin in Kita mit Corona infiziert - Unwissentlich arbeitete sie noch drei Tage

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
    schließen

Eine mit Corona infizierte Erzieherin in der Kita Oberfischbach hatte Kontakt zu drei Gruppen. Laut Gesundheitsamt hat die Einrichtung nichts falsch gemacht.

  • Weil sich eine Erzieherin mit dem Coronavirus infiziert hat, ist die Kita Oberfischbach (Gemeinde Wackersberg) seit Mittwoch geschlossen.
  • 54 Kinder und neun Mitarbeiter befinden sich in Quarantäne. Sie wurden bereits auf das Virus getestet, ein Ergebnis liegt noch nicht vor.
  • An der Umsetzung des Hygienekonzepts in der Einrichtung hat das Tölzer Gesundheitsamts nichts zu beanstanden.

Oberfischbach – Insgesamt 516 nachgewiesene Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus wurden bis Mittwoch, 0 Uhr, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nachgewiesen. Dass sich zuletzt eine Mitarbeiterin des Kindergartens Oberfischbach angesteckt hat, hat nun Folgen für zahlreiche Familien: Wie berichtet befinden sich 54 Kinder und neun Erzieherinnen in Quarantäne. Der Einrichtung ist nach Angaben des Landratsamts kein Fehlverhalten vorzuhalten. Und auch eine betroffene Mutter erklärt im Gespräch mit dem Tölzer Kurier, dass sie dem Kindergarten keine Vorwürfe mache.

„Soweit ich mitbekommen habe, wurden im Kindergarten alle Hygieneregeln eingehalten, und die Erzieherin hätte meines Erachtens nicht anders und besser reagieren können“, sagt Andrea Eder (40). Nach der positiven Testung der Erzieherin hätten alle Eltern sofort Bescheid bekommen. „Das ist alles reibungslos und gut verlaufen.“

Erzieherin arbeitete an drei Tagen, an denen sie wohl ansteckend war, im Kindergarten

Ein wenig Sorge habe sie jetzt natürlich schon, sagt die Oberfischbacherin. Immerhin habe die Familie viel Kontakt zu Oma und Opa, die allerdings „noch nicht sehr alt und gesund“ seien. „Wir hatten einfach ein bisschen Pech“, sagt die Alleinerziehende. Ihre sechsjährige Tochter sei in den vergangenen Wochen kaum im Kindergarten gewesen. Doch ausgerechnet vergangene Woche habe das Mädchen noch einmal zum Abschied, bevor die Schule losgeht, den Kindergarten besuchen wollen.

Die infizierte Erzieherin gilt laut einem Brief des Gesundheitsamts, der an der Tür des Kindergartens aushängt, seit Mittwoch, 22. Juli, als ansteckend. Sie arbeitete demzufolge zuletzt am Freitag, 24. Juli, im Kindergarten. Am Dienstagvormittag, 28. Juli, lag das positive Testergebnis auf das Coronavirus vor. Seit Mittwoch ist der Kindergarten geschlossen.

Kinder aus drei Gruppen standen im Garten im Kreis und sangen ein Lied

Prinzipiell betreute die Mitarbeiterin laut diesem Schreiben die Sonnenblumengruppe, hat laut dem Brief am Freitag aber auch in der Pusteblumegruppe gearbeitet. Zudem habe es an diesem Tag im Garten eine kleine Feier gegeben, bei der die Kinder dieser beiden Gruppen sowie auch der Gänseblümchengruppe im Kreis standen und sangen. Daher gelten nun alle Kinder, die an den drei betreffenden Tagen die Einrichtung besuchten, als „Kontaktpersonen Kategorie 1“ und mussten in Quarantäne.

Entsprach es den Auflagen, dass die Erzieherin Kontakt zu Kindern verschiedener Gruppen hatte? Das Landratsamt teilt auf Anfrage des Tölzer Kurier mit, dass in dieser Hinsicht „nichts beanstandet werden kann“. Der Kindergarten habe ein Hygienekonzept vorgelegt, das dem Rahmenhygienekonzept des Landesamtes für Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit entspricht.

Feste Gruppen „wünschenswert“, aber nicht zwingend vorgeschrieben

Dieses sieht vor, dass „nach Möglichkeit“ feste Gruppen gebildet werden. Das sei „natürlich wünschenswert“, so Behörden-Sprecherin Marlis Peischer. Laut einem Newsletter des Staatsministeriums vom 1. Juli würden die rein festen Gruppen aber „auch aufgrund der Personalsituation“ nur noch empfohlen. „Somit ist ein Personalwechsel zwischen den Gruppen nicht ausgeschlossen.“ Über die Zusammensetzung der Gruppen habe der Kindergarten vorschriftsgemäß Protokoll geführt.

Ein Personalaustausch mit den anderen kirchlichen Kindergärten im Pfarrverband, Schloßplatz und Heilige Familie in Bad Tölz, fand nicht statt, wie Ordinariats-Sprecher Hendrik Steffens auf Anfrage erklärt. Keine Sorgen machen müssen sich auch die Besucher des unmittelbar benachbarten Wackersberger Rathauses. „Es ist baulich getrennt und hat einen eigenen Eingang“, so Steffens. „Kontakt zu Besuchern des Rathauses war deshalb nicht unmittelbar gegeben.“

Kinder müssen auch nach negativem Corona-Test in Quarantäne bleiben

Die betroffenen Kinder und die Mitarbeiter des Kindergartens wurden bereits auf Corona getestet und werden „zudem zeitnah ein zweites Mal abgestrichen“, so Peischer. Ergebnisse lagen bis zum Mittwoch noch nicht vor. Doch selbst bei negativem Test müssen die Kinder in Quarantäne bleiben.

Für die Eltern und Geschwister gilt keine Quarantäne-Pflicht. Andrea Eder hat für sich und die beiden älteren Töchter (12 und 10) dennoch entschieden, erst mal zu Hause zu bleiben, bis klar ist, ob sich die Jüngste angesteckt hat. „Ich habe momentan Urlaub und arbeite auch sonst zu 100 Prozent im Homeoffice“, zeigt sich die 40-Jährige gelassen. Auch eine Reise sei nicht geplant gewesen. „Wir haben einen Garten mit Pool und nutzen die Quarantäne jetzt erst einmal, um die Kinderzimmer auszumisten und einige Dinge im Haus zu erledigen, für die sonst einfach nicht genug Zeit war.“

Andere Eltern müssen sicherlich umdisponieren. Denn eigentlich hätte der Kindergarten – anders als es das Landratsamt zunächst mitgeteilt hatte – noch gut zweieinhalb Wochen länger geöffnet gehabt. Ab 10. August hätte es eine Notbetreuung gegen sollen, erst am 17. August sollte eine zweiwöchige Sommerpause beginnen.

Zuletzt hatte es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Corona-Ausbrüche in zwei Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber gegeben.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tölz live: Erstes Kurkonzert nach der Coronapause
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Erstes Kurkonzert nach der Coronapause
16-Jähriger unternimmt betrunken Spritztour mit Golf
Eine Spritztour mit einem fremden Auto unternahm ein 16-Jähriger in Bichl. Dabei richtete der betrunkene Jugendliche einigen Sachschaden an.
16-Jähriger unternimmt betrunken Spritztour mit Golf
Frontal gegen Baum gekracht: Mann verstirbt noch an Unfallstelle
In Reichersbeuern ist am Samstag (8.8.) ein Mann bei einem Unfall verstorben. Er prallte mit seinem Auto frontal gegen einen Baum.
Frontal gegen Baum gekracht: Mann verstirbt noch an Unfallstelle
Demo gegen neue Lint-Züge der BRB geplant
Sind die neuen Züge auf den Bahnstrecken im Oberland barrierefrei? Dazu nimmt BRB-Chef Fabian Amini nun Stellung. Aktivisten bereiteten unterdessen eine Demo vor.
Demo gegen neue Lint-Züge der BRB geplant

Kommentare