Leben auf acht Quadratmetern: Blumen zum Abschied: Das Patisserie-Team bedankt sich bei Agnes Bolzmacher (3. v. li.) und Team-Leiterin Roberta.

Wackersbergerin im Fernsehen

Desserts auf hoher See

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Aus den Bergen aufs offene Meer: Konditorin Agnes Bolzmacher aus Wackersberg hat für die Sendung „Verrückt nach Meer“ drei Monate in der Patisserie eines Kreuzfahrtschiffs gearbeitet. Lampenfieber, Heimweh und wertvolle Erfahrungen inklusive.

Wackersberg – Agnes Bolzmacher sitzt auf der Terrasse des elterlichen Cafés in Rothenrain. Ihr Bruder werkelt drinnen, die Sonne scheint aufs Wasserglas, ringsherum zeigt sich das Alpenpanorama von seiner besten Seite. Ja, das hat der 26-Jährigen gefehlt, als sie drei Monate mit dem Kreuzfahrtschiff von Neuseeland über Japan nach Dubai gefahren ist. Das Heimweh war vielleicht nicht so groß, wie es im Fernsehen dargestellt wurde, aber die bayerische Landschaft hat sie auf hoher See schon vermisst.

Aber von vorne: Bolzmacher arbeitete nach ihrer Ausbildung etwa ein Jahr im Café Lugauer in Benediktbeuern, als sie in einem sozialen Netzwerk den Aufruf sah, dass Praktikanten für die ARD-Sendung „Verrückt nach Meer“ gesucht werden – unter anderem in der Patisserie, wo sich die 26-Jährige berufsbedingt natürlich gut auskennt. „Ich wollte schon immer mal Erfahrung im Ausland sammeln, also schickte ich eine Bewerbung“, sagt sie.

Die Rothenrainerin bekam eine Zusage, ihr Chef in Benediktbeuern stellte sie frei, und so konnte Bolzmacher im Februar 2016 in Neuseeland für ein Praktikantengehalt auf dem Kreuzfahrtschiff anheuern. An Bord filmte ein Team einige Passagiere und Mitarbeiter, um deren Erfahrungen in einer Art unterhaltsamem Doku im Fernsehen zu zeigen.

Zu den Protagonisten der sechsten Staffel von „Verrückt nach Meer“, die im Dezember ausgestrahlt wurde, gehörte Bolzmacher mit drei anderen Praktikanten. Das Team filmte sie bei der Arbeit und begleitete sie bei einigen Landausflügen. Ständig vor der Kamera zu stehen, das war schon gewöhnungsbedürftig für die 26-Jährige. „Ich war neu in der Küche, musste mich zurechtfinden und wollte natürlich alles richtig machen. Mit der Kamera steigt die Nervosität.“ Ein Drehbuch gab es nicht, allerdings seien durch die Fragen in den Interviews bestimmte Charaktereigenschaften unterstrichen worden.

Bei Bolzmacher war es die Heimatverbundenheit. „Die Berge haben mir schon gefehlt, aber ich habe mich auch gefreut, etwas Neues zu sehen“, sagt die 26-Jährige. Was ihr zu schaffen machte, war die Enge und das Fehlen von Privatsphäre auf dem Schiff. Sie musste ihre eigene Dachwohnung im Elternhaus gegen eine acht Quadratmeter große Kabine tauschen, die sie sich mit einer Nautik-Studentin aus Hamburg teilte. „Wir haben uns gut verstanden, aber Privatsphäre ist mir abgegangen.“

Dank der Erfahrung ihrer großen Reise, hat Bolzmacher zwei Dinge besonders zu schätzen gelernt: Das deutsche Arbeitsgesetz und dort zu arbeiten, wo Familie und Freunde sind. Auf dem Schiff waren viele Philippiner. „Sie arbeiten neun Monate durch“, berichtet die 26-Jährige. Wenn sie einmal drei Tage am Stück krank sind, werden sie heimgeschickt und verdienen nichts mehr. „Wir denken selten daran, wie viel Glück wir haben.“

Auch die Konditorin arbeitete drei Monate durch. Nur dank der Ausflüge für die Kamera hatte sie manchmal frei. „Auf dem Schiff ist man ständig in der Arbeit.“ Von 8 bis 10 Uhr bereitete sie mit sieben Kollegen der Patisserie die Kuchen für die Tee-Zeit vor. Zwischen 16 und 22 Uhr arbeiteten sie an den Desserts fürs Buffet und die Gänge-Menüs. Dazwischen war sie immer auf Abruf. „Jeder weiß, wo du bist, weil wir uns für Landgänge abmelden mussten.“

Überhaupt herrscht auf so einem Kreuzfahrtschiff ein strenger Ton, fast schon ein militärisches Gefüge. „Alles ist sehr organisiert und koordiniert.“ Wenn Bolzmacher Eier oder Sahne ausgingen, durfte sie nicht einfach zum Kühlschrank gehen. „Der Chef musste mir ein Formular geben, das ich dem Lagermeister zur Unterschrift vorzulegen hatte.“ Auf die Passagierebene zu gehen, war Personal untersagt, und das Namensschild galt es auch in der Freizeit zu tragen.

Das 90-köpfige Küchenteam sprach selbstverständlich Englisch miteinander. Daran hatte sich Bolzmacher nach drei Tagen gewöhnt. Die Verständigung mit den Philippinern blieb allerdings schwierig. „Ihre Handbewegung für ,komm her‘ heißt bei uns ,geh weg‘ und sie fragen nicht nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben, sondern spitzen kurz die Lippen.“

Aber gerade diese Erfahrung mit anderen Kulturen hat der 26-Jährigen gefallen. „Ich habe so viel erlebt in der kurzen Zeit.“ Wiederholen will Bolzmacher das Schiffspraktikum aber eher nicht noch einmal. Sie genießt es wieder, bei Freunden und Familie zu sein und einfach mal spazieren gehen zu können, wenn ihr danach ist.

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