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Früher fuhr hier Stoiber Ski: Kuriose Immobilienanzeige sorgt für Aufregung um verfallenes Ausflugslokal

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Von: Melina Staar

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Ziemlich zugewachsen: das Buchbergstüberl.
Ziemlich zugewachsen: das Buchbergstüberl. © arp

Eine Immobilienanzeige zum Buchbergstüberl sorgt derzeit für Gesprächsstoff. Doch vermutlich wird in naher Zukunft mit dem einst so beliebten Stüberl nichts passieren.

Wackersberg – Einst zog der spätere Ministerpräsident und damalige Leiter der Staatskanzlei Edmund Stoiber seine Spuren am Buchberg in den Schnee. Der dortige Skihang sowie das benachbarte Stüberl waren seit den 1970ern ein beliebtes Ausflugsziel gewesen. Nicht nur Skifahrer, auch Wanderer und Radfahrer kehrten gerne in dem idyllisch gelegenen Lokal ein.

Seit Jahren geschlossen und verlassen: das Buchbergstüberl. Nun sorgt eine Immobilienanzeige für Aufsehen.
Seit Jahren geschlossen und verlassen: das Buchbergstüberl. Nun sorgt eine Immobilienanzeige für Aufsehen. © arp

Gelände ist verwildert

Den damaligen Besuchermagneten kann man inzwischen nur noch erahnen. Unkraut wächst rund um das Gebäude hoch. Das Laub des vergangenen Herbsts bedeckt die Terrasse, auf der früher Grillabende und Feiern stattfanden. Auf der Rückseite hat sich ein Baum seinen Weg durch die Regenrinne gebahnt. Seit einem Jahr steht das Stüberl leer. „Der Zustand hat sich aber nicht innerhalb von einem Jahr so verändert“, sagt einer der Eigentümer des Stüberls, der namentlich nicht genannt werden möchte. Schon zuvor sei das Gebäude nicht ausreichend gepflegt worden.

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Umso erstaunlicher findet er es, dass es nun eine Immobilienanzeige eines örtlichen Maklers für das Stüberl gibt, beziehungsweise für einen Teil davon. Denn tatsächlich wurde das Haus auf zwei Flurstücken gebaut. Der eine Teil – er gehört dem nicht genannten Eigentümer – beinhaltet Gaststube und Küche sowie fast das komplette umliegende Land. Der andere Teil, der nun vermakelt wird, besteht aus der Toilettenanlage sowie einem angrenzenden Grundstücksstreifen. Auf Letzterem hatten zuletzt die Wackersberger Bogenschützen ihre Zielscheiben aufgebaut. Sie müssen nun aber umziehen.

Unterschiedliche Besitzer: Der hintere Teil, der nach links vorne ragt, gehört einem Eigentümer. Der vordere Bereich mit Gaststube und Küche dem anderen.
Unterschiedliche Besitzer: Der hintere Teil, der nach links vorne ragt, gehört einem Eigentümer. Der vordere Bereich mit Gaststube und Küche dem anderen.  © arp

Makler mit „Idealismus“ tätig

Auf Nachfrage bestätigt der Tölzer Makler Martin Breitschafter, dass er sich mit der Immobilie beschäftige, „aus Idealismus“, wie er sagt. Denn für ihn sei es eine Herzensangelegenheit, dass an diesem Ort, den so viele Menschen aus der Region mit positiven Erinnerungen verbinden, wieder etwas entstehe. Ob dies nun ein Ausflugslokal sei oder eine andere Art des Freizeitvergnügens oder gar ein Wochenendhäuschen, sei dahingestellt.

Letzteres wäre allerdings gar nicht zulässig. „Wünschenswert wäre aus unserer Sicht wieder eine Wirtschaft“, so Bürgermeister Jan Göhzold. „Etwas anderes Privilegiertes wäre an dieser Stelle im Außenbereich ohnehin nicht zulässig. Eine Wohnbebauung beziehungsweise Umnutzung in Wohnraum erst recht nicht.“ Im Flächennutzungsplan sei die Fläche als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen.

Idyllisch gelegen ist das Buchbergstüberl inmitten von Grün. Seit einem Jahr ist es nicht mehr geöffnet.
Idyllisch gelegen ist das Buchbergstüberl inmitten von Grün. Seit einem Jahr ist es nicht mehr geöffnet. © arp

In das Gebäude müsste viel investiert werden

Auch für den Eigentümer des größeren Teils des Stüberls wäre eine Wiederbelebung als Wirtschaft schön gewesen, „wir hätten es gerne weiterverpachtet“. Allerdings müsste relativ viel in das Gebäude investiert werden. So gibt es keinen eigenen Strom- oder Kanalanschluss. Auch das Gebäude selbst müsste entsprechend ertüchtigt werden. Die Hygieneauflagen wären so nicht einhaltbar. Das größtenteils aus Holz bestehende Haus wäre auch aus Brandschutzgründen so nicht tragbar. Das sieht auch Makler Breitschafter so: „Das Gebäude an sich ist nicht mehr viel wert.“ Wichtig sei in seinen Augen, das Baurecht an der Stelle zu erhalten.

Eine Gastronomie direkt in dem jetzigen Gebäude wieder zu eröffnen ist also undenkbar. Der Haupt-Eigentümer könnte sich aber auch andere Nutzungen vorstellen. Etwa als Lagerfläche für Freizeitaktivitäten jeglicher Art. „Da ist vieles denkbar.“

Makler: Man sei „in Gesprächen“

Man sei in Gesprächen, berichtet Makler Breitschafter. „Wir werden viel reden müssen, alle Möglichkeiten abwägen und ein schlüssiges Konzept finden.“ Der Haupt-Eigentümer möchte „niemandem Steine in den Weg legen“, sagt er. Aber so lange die Besitzverhältnisse so kompliziert und ungeklärt sind, so lange werde am Buchbergstüberl auch nichts passieren. So lange wird das Gras rundherum ungestört weiterwachsen.

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