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Die Bauarbeiten haben vor wenigen Tagen begonnen: Neben der Klosterschule im indischen Shahpur, wo 1800 Kinder unterrichtet werden, entsteht eine neue Toilettenanlage. 

Welttoilettentag 

Ein „Häuschen“ für Klosterschüler in Indien

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Mit diesem Gedenktag am Sonntag, 19. November, wissen die Menschen in unserer Gegend nicht viel anzufangen. Wie wichtig aber der 2001 eingeführte Welttoilettentag ist, darauf weist der Förderverein Schwester-Modesta-Hilfe hin.

Wackersberg Schwester Modesta ist den älteren Bürgern der Gemeinde noch ein Begriff. Die aus Wackersberg stammende Frau hieß mit bürgerlichem Namen Maria Bartl. Sie gehörte dem Orden der Englischen Fräulein an. Das Mutterhaus schickte sie 1934 zusammen mit anderen deutschen Schwestern nach Indien, um dort ein Kloster mit angeschlossener Schule zu gründen, damals nur für Mädchen. Sie wirkte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 2001.

Seitdem wird ihre Arbeit von indischen Nonnen weitergeführt, die einen engen freundschaftlichen Kontakt zu dem vor ein paar Jahren in Wackersberg gegründeten „Förderverein Sr.-Modesta- Hilfe Indien“ unterhalten. Ulla Jurda ist die stellvertretende Vorsitzende des Vereins und bemüht sich um die Verbesserung der hygienischen Zustände an der immer größer werdenden Schule. Sie schildert die Situation in Indien so: „Starker sozialer und kultureller Widerstand gegen Toiletten führt zu noch mehr hygienischen Nöten.“ Indien müsse sich damit auseinandersetzen. Nach Schätzungen des weltweit tätigen Kinderhilfswerks Unicef aus dem Jahr 2016 benützt die Hälfte der indischen Bevölkerung keine Toiletten. Jurda: „Das sind 1,1 Milliarden Menschen.“ Bei Reisen nach Indien hat sie festgestellt: Die Menschen glauben, dass die Erleichterung im Freien ein Teil eines gesunden und förderlichen Lebensstils sei. Das Gegenteil sei jedoch der Fall: Fäkalbakterien werden in der Umwelt verbreitet. Fliegen übertragen Krankheiten. Menschlicher Abfall sickert in Flüsse, Brunnen und andere Gewässer. Sie verschmutzen das Wasser, das zum Trinken oder Baden genutzt wird. Die bedeutendste Kampagne ist die von Ministerpräsident Modi im Jahre 2014 ausgerufene Mission „Reinigt Indien“. Bis zum Jahr 2019 soll jeder Haushalt in Indien mit einer Toilette ausgestattet werden. Das müsse man jedoch skeptisch sehen, sagt Jurda. Umso erfreulicher sei jedoch, dass der Wackersberger Förderverein aus der von ihm unterstützten Klosterschule in Shahpur im Staat Bihar in Nordindien erfreuliche Fortschritte melden kann. Gleichzeitig bleibe noch viel zu tun. Bis jetzt gibt es an dieser Schule mit mehr als 1800 Kindern gerade einmal 20 Toiletten. „Das ist viel zu wenig“, sagt Jurda.

Das deutsche Kindermissionswerk in Aachen hat im Frühjahr dieses Jahres auf Antrag des Fördervereins die finanzielle Unterstützung für den Bau von weiteren 28 Urinalen und zehn Toiletten zugesagt. Das ist nach Einschätzung von Ulla Jurda „aus vielen Gründen erfreulich“: Während ihrer elfjährigen Schulzeit werde der hygienische Toilettengang für alle Kinder zur Selbstverständlichkeit. Eltern und Geschwister erfahren davon. Die öffentliche Meinung zu diesem Thema werde sich ändern, ist Jurda überzeugt. Die Kinder können in den Pausen auf dem großen Hof toben oder spielen und müssen nicht mehr – wie bisher – vor dem „Häuschen“ Schlange stehen.

Ulla Jurda hat in den vergangenen Jahren regelmäßig über die Situation des Katharinenklosters und der angeschlossenen Schule berichtet. Lichtblicke wie dieser jetzt begonnene Neubau spornen die Arbeit des Fördervereins an, sagt sie. Die Vorsitzende Christa Mertens bestätigt dies: „Wir danken allen Gönnern und Spendern und hoffen auch für die kommenden Jahre auf Wohlwollen.“

Kontakt

Ansprechpartner: Christa Mertens, Telefon 0 80 41/80 18 20 und Ulla Jurda, Telefon 0 80 41/14 24. Internet: www.modesta-hilfe.de.

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