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Eine echte Dorfwirtschaft: 150 Jahre Gasthaus Fischbach

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Die Wirtschaft wird heute von der Familie Steingruber betrieben, auf dem Foto (v. li.) Marianne, Lisa-Marie, Peter, Andreas und Hannes
Die Wirtschaft wird heute von der Familie Steingruber betrieben, auf dem Foto (v. li.) Marianne, Lisa-Marie, Peter, Andreas und Hannes. © MK

Das Gasthaus Fischbach wird am heutigen Donnerstag 150 Jahre alt. Ein Rückblick auf eine wechselvolle Geschichte mit viele Wirten. 

Fischbach – Das Wirtshaus-Sterben ist allerorten anzutreffen. Orte, in denen es noch einen Dorfwirt gibt, können sich glücklich schätzen. Das Gasthaus Fischbach ist so ein Wirtshaus, in dem sich Einheimische und Ortsvereine treffen. Zugleich hat es sich längst zum Ausflugsziel entwickelt und lockt viele Besucher aus Nah und Fern. An diesem Donnerstag feiert der Gastbetrieb Geburtstag: Vor genau 150 Jahren wurde er gegründet.

Das Anwesen in nächster Nähe zur Fischbacher Kirche trug damals den Hofnamen „Zum Wastl“, der Besitzer Johann Walser hatte den Hof durch Kauf erworben. Im Tölzer Kurier ließ er in jenen Tagen eine „Geschäftsempfehlung“ veröffentlichen mit der Information, dass ihm „von Seite der hohen kgl. Regierung eine Bier-Wirthschaft ertheilt“ sei. „Die hierzu eingerichteten Lokalitäten sind von Sonntag den 23. März 1873 an geöffnet und werde bemüht sein, durch Verabreichung guten Bieres und guter Speisen mir das vollste Vertrauen der geehrten Gäste erwerben zu suchen.“

Johann Walser stammte aus Frauenrain bei Penzberg, seine Frau Maria Anna aus Gmund. Ihre Zeit in Fischbach währte allerdings nicht lange: 1877 starb Johann im Alter von nur 33 Jahren – laut Überlieferung an Tuberkulose – und nur ein Jahr später seine Frau. Daraufhin soll ein gewisser Finck den Hof mit Gastwirtschaft übernommen haben. Verbürgt wiederum ist, dass der Sindelsdorfer Ludwig Steigenberger, dessen Mutter eine geborene Walser und möglicherweise mit dem Vorbesitzer Johann Walser verwandt war, sich mit seiner aus Habach kommenden Frau Maria Parman 1881 auf dem „Wastl“-Anwesen in Fischbach niederließ. Schon wenige Jahre später verkaufte auch er wieder, und zwar an seine Schwägerin Katharina Parman, die mit ihrem Ehemann Kaspar Mürnseer vom „Großpröbstl“ aus Unterfischbach ab 1888 den Betrieb weiterführte. Steigenberger hatte derweil für sich ein interessantes Objekt in Tölz gefunden: Er erwarb dort den „Grünerbräu“.

Spanischer Graf residierte auf dem „Gut Fischbach“

Beim „Wastl“ in Fischbach dauerte der rasche Eigentümer- und Pächterwechsel noch geraume Zeit an, was wohl auch von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung beeinflusst war. Während der immerhin 18 Jahre unter Kaspar Mürnseer, der nach dem Tod seiner ersten Frau die Antdorferin Kreszenz Heiß geheiratet hatte, wurde das Haus des Einfirsthofes aufgestockt und auf selbe Höhe mit der Tenne gebracht.

Laut Aufzeichnungen sind die Geschäfte seinerzeit gut gelaufen, dennoch habe man schließlich 1906 wegen Verschuldung verkaufen müssen. Die Nachfolge traten Pius und Agathe Mächler an. Ihnen wiederum folgte von 1914 bis 1919 der spanische Graf Marqués Josue de Elduayen. Seinem Stand entsprechend deklarierte dieser das Anwesen beflissen zum „Gut Fischbach“ um, nacheinander kamen zwei Pächter zum Einsatz, wobei der Gastbetrieb zeitweise ausgesetzt gewesen sein soll.

1919 empfahl sich Josef Schletzbaum aus Tölz seinen Gästen als bemühter Wirt, danach ein Dr. Salutschik und bald darauf ein gewisser Kleiber. Ab 1921 war Dr. Alois Bardetzko – ein aus Stralsund stammender Philosoph – eingetragen, ab 1926 das Ehepaar Nast-Kolb aus Tölz. Ab 1929 taucht als Pächter der Name Oskar Hellstern auf. Letzterer hatte seine eigene Werbestrategie: In Anzeigen pries er kurioserweise die norddeutsche Küche, die das „Gut“ als Gaststätte und Fremdenheim mit eigener Milchwirtschaft und Geflügelhaltung zu bieten habe. Hellsterns Verpächter dürfte Ludwig Steigenberger junior, Sohn des vormaligen Wirts in Fischbach, gewesen sein, von dem man weiß, dass er um 1930 sein Geburtshaus zurückgekauft hat.

Wirtstochter übernimmt in vierter Generation

1932 schließlich kamen Georg und Amalie Förg als Pächter – und mit ihnen die Beständigkeit. Die Förgs hatten zuvor kurzzeitig die zu Bad Wiessee gehörende Land- und Gastwirtschaft zum „Bauern in der Au“ betrieben. Die Tatsache, dass beim Wirt in Fischbach das weit und breit einzige Telefon vorhanden war, brachte zusätzliche Aufgaben mit sich. Ob Geburten oder Sterbefälle, oft genug wurden die beiden Förg-Töchter Amalie und Maria losgeschickt, um den Familien die freudige oder gerade in den Kriegsjahren oft traurige Nachricht zu überbringen.

Die Urkunde beweist es: Am 23. März 1873 wurde der Gasthof Fischbach gegründet
Die Urkunde beweist es: Am 23. März 1873 wurde der Gasthof Fischbach gegründet. © Privat

Tochter Maria arbeitete nach der Übernahme mit ihrem zweiten Ehemann Josef Fiechtner weiter unermüdlich an der Verbesserung des Gastgewerbes. Anfangs noch mit dem Fahrrad und später dann mit einem Moped schaffte sie sämtliche Lebensmittelvorräte nach Hause. Der in den Nachkriegsjahren in Fischbach ansässige „Stern“-Herausgeber Henri Nannen, so wird erzählt, kam noch in seinen alten Tagen vorbei, um nach seiner Nachbarin „Marie“ zu sehen.

Herausforderungen im Gastgewerbe enden nie

1970 wurde nach einem Schlaganfall von Josef Fiechtner die Landwirtschaft aufgegeben, der vormalige Kuhstall wurde zu einem Saal umgebaut. Mit Fleiß und vereinten Kräften kümmerten sich nun Marianne Baumgartner, geborene Fiechtner, und Ehemann Jakob Baumgartner, der gleichzeitig eine eigenständige Schreinerei führte, um die Weiterentwicklung der Gastronomie samt Biergarten. Ihr schon länger gehegter Wunsch ging schließlich im Januar 2009 in Erfüllung, nachdem bereits 2005 Tochter Marianne, unterstützt von Ehemann Peter Steingruber, in vierter Familiengeneration das Ruder übernommen hatte: Aus dem Pachtverhältnis wurde Eigentum, da man das Anwesen von den Erben der zuletzt kinderlos gebliebenen Tölzer Grünerbräu-Familie Steigenberger erwerben konnte.

Mit umfangreichen Renovierungsarbeiten wurde in der Folge das gesamte Haus auf den neuesten Stand gebracht. Die Fremdenzimmer wurden modernisiert und attraktive Ferienappartements eingerichtet. Die Herausforderungen im Gastgewerbe enden nie – doch mit deftigen Speisen und Brotzeiten, hausgemachten Kuchen und bayerischer Gemütlichkeit im und rund ums Haus präsentiert sich der Landgasthof Fischbach in bester Verfassung. (Von Rosi Bauer)

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