Fabian Geisler (re.) hat eine passende Stelle für einen Anker ausfindig gemacht. Sein Kollege steuert aus dem Bagger heraus die Bohrlafette und setzt Bohrer samt Zement drei Meter tief in den Hang ein. 
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Fabian Geisler (re.) hat eine passende Stelle für einen Anker ausfindig gemacht. Sein Kollege steuert aus dem Bagger heraus die Bohrlafette und setzt Bohrer samt Zement drei Meter tief in den Hang ein. 

Hangsicherungsarbeiten

Einen Hang zur Sicherung: So laufen die Bauarbeiten am Blomberg

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Seit gut zwei Wochen laufen die Hangsicherungsarbeiten am Steinbruch am Blomberg. Ranger Manuel Wilke gewährt Einblicke in die Baumaßnahme vor Ort.

Wackersberg – Lange stand die Maßnahme bereits auf der To-Do-Liste am Blomberg: Hangsicherungsarbeiten im oberen Bereich des Rodelwegs. Erst verzögerte die Corona-Pandemie den Beginn, dann das schlechte Wetter (wir berichteten). Mittlerweile sind die Arbeiten aber seit 19. April voll im Gange. Das erste Stück an der Seilbahntrasse wurde bereits fertiggestellt. Ein stabiles Netz hält den Hang nun fest zurück. „Hier sind bereits 2019 Felsen auf dem Wanderweg aufgesessen“, erklärt Blomberg-Ranger Manuel Wilke.

Baumaßnahmen für drei Wochen anberaumt

Der Abschnitt, der am Steinbruch gesichert werden muss, ist wesentlich länger. Hier sind die Arbeiter dieser Tage noch am Werk. Sie sind von Montag bis Freitag meist mehr als zehn Stunden beschäftigt, um schnellstmöglich den Hang zu befestigen und um dafür zu sorgen, dass der Wander- und Rodelweg nicht mehr von dem rutschenden Flyschgeröll verschüttet wird. Flysch ist die Ablagerung, die der Isarwinkel-Gletscher damals hinterließ. Das Material besteht vor allem aus Sand und Ton. Nicht zuletzt durch diese Zusammensetzung sind Erosion und Hangbewegungen zum einen zu erwarten, zum anderen an den markanten Stellen bereits sichtbar eingetroffen.

Die erste Vernetzung am Rodelweg ist bereits fertiggestellt. Manuel Wilke zeigt die fertigen Anker. 

Die voranschreitende Erosion kann mit Hilfe von Spezialnetzen abgefangen und aufgehalten werden. „Das ist alles etwas aufwendiger, da man nicht einfach etwas vom Hang wegnehmen kann, weil sofort weiteres Flysch nachkommen würde“, erklärt Wilke. Am Steinbruch ist bereits vor vielen Jahren eine Vernetzung angebracht worden, doch diese liegt nicht mehr fest am Hang auf und kann somit das Geröll nicht mehr sicher zurückhalten.

Vernetzungen am Hang generieren Sicherheit 

Behutsam entfernen die Arbeiter der Innsbrucker Spezial-Tiefbaufirma HTB das Netz. „Man muss sehr vorsichtig dabei vorgehen und kann immer nur kleine Löcher reinschneiden, um sich so langsam vorzuarbeiten,“ erklärt der Tiefbauarbeiter Fabian Geisler aus dem Zillertal. Denn: Würde man das gesamte alte Netz in Gänze abnehmen, sei mit akuten Steinschlägen zu rechnen, sagt er, während er abgesichert am Hang hängt und die Struktur untersucht, um die passende Stelle für den nächsten Anker zu bestimmen.

Anker werden drei Meter tief in den Hang zementiert

Stück für Stück arbeiten sich die Fachmänner vor, befreien das Areal von dem alten Netz und prüfen an welchen Stellen sie Anker setzen müssen. Diese Anker müssen bei Flyschfelsen drei Meter tief eingebohrt und zementiert werden, damit sie den optimalen Halt generieren können. „Bei Flysch braucht man ein sehr festes und tiefes Fundament, damit das Konstrukt dann auch wirklich hält“, erklärt Wilke und demonstriert an einem abgefallenen Stück wie bröslig das Material selbst in seinen Händen ist.

Markus Stadler bereitet den Zement vor. Sobald der Bohrer angesetzt wird, fließt er in die Verankerung rein. 

Wie viele Bohranker neu gesetzt werden müssen, steht im Vorfeld nicht genau fest. Am Hang prüft Fabian Geisler die Stellen. Sein Kollege Georg Gredler sitzt derweil im Bagger und ist mit einem speziellen Bohraufsatz – einer sogenannten Bohrlafette – parat, um den Anker in den Hang zu manövrieren. Etwas weiter oberhalb steht Polier Markus Stadler. Per Funk sind alle drei Arbeiter stets miteinander in Kontakt. Stadler bereitet den Zement vor, welcher durch ein dünnes Rohr bergab verläuft und direkt am Aufsatz für den Bohrer befestigt ist. Parallel zum Bohrer läuft so auch der flüssige Beton mit in die Verankerung hinein. „Bisher haben wir pro Tag bis zu 20 solcher Anker verbohrt“, berichtet Geisler. „Aber es dauert bei jedem unterschiedlich lange – je nachdem wie schnell die Löcher voll werden. Dazu ist Flysch-Material eine spezielle Herausforderung, da dauert es immer etwas länger, wie bei einem kompakten Felsen und man braucht wesentlich mehr Zement.“

Gesamtkosten für Stadt: 65 000 Euro

Sobald die neue Vernetzung am Steinbruch vollständig angebracht ist, wird dieses Bild den Wanderweg zwar erst einmal nicht verschönern, aber Wilke beruhigt: „An den Stellen wächst sehr schnell alles nach, und bald wird man von der Vernetzung kaum mehr was sehen“. Im Vorfeld sei beim „Hangausräumen“ so wenig wie möglich gefällt worden. „Wir waren stets bemüht, vegetationsschonend vorzugehen. Denn desto weniger Bäume, desto mehr Erosion“, weiß der Blomberg-Ranger. Bis die Hangsicherung komplett fertig ist, wird es nach Plan noch bis zum 7. Mai dauern. Die Gesamtkosten des Einsatzes belaufen sich für die Stadt Bad Tölz auf etwa 65 000 Euro.

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