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Innige Zuneigung: Michele Calabro im Kreise von einigen ihrer Hunde. Insgesamt leben derzeit elf auf ihrem Bauernhof in Wackersberg, vier davon suchen ein neues Zuhause. 

Vereinsauflösung 

Das Ende des „Coolen Hunds“

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Seit fast fünf Jahren ist Michele Calabro als Vorsitzende des Vereins „Cooler Hund“ im Dauereinsatz für heimatlose Vierbeiner aus Ungarn. Das ist selbst der passionierten Tierschützerin aus Wackersberg zu viel: Der Verein steht vor dem Aus. 

Wackersberg – Gut 450 Straßenhunde aus Ungarn haben Michele Calabro und ihre Mitstreiter in den vergangenen fünf Jahren nach Deutschland geholt und in ein liebevolles Zuhause vermittelt. Und natürlich würde es noch zahllose andere Tiere geben, die ebenfalls Hilfe bräuchten. Doch Michele Calabro muss einen Schlussstrich ziehen: „Der Aufwand war am Ende zu groß, um es korrekt zu machen“, bedauert die Vorsitzende des Vereins „Cooler Hund“, der dieser Tage aufgelöst wird.

Denn die meiste Arbeit blieb an der 49-Jährigen hängen. „Ich war 24 Stunden am Tag und das sieben Tage pro Woche im Einsatz“, sagt die Wackersbergerin. Die anderen Vereinsmitglieder hatten einfach keine Zeit: „Alle haben inzwischen das zweite oder dritte Kind bekommen und selbst eigene Hunde, Katzen und Pferde zuhause.“ Da Calabro keine Kinder hat, war sie es in der Regel, die bis zu drei Mal im Jahr nach Ungarn fuhr, um die Hunde von der Straße zu holen.

Neben dem hohen zeitlichen Aufwand und der ganzen Büroarbeit fiel es Calabro außerdem sehr schwer, Schicksal zu spielen. „Es ist nicht leicht, zu entscheiden, welche Hunde mitkommen dürfen und welche bleiben müssen“, erklärt Calabro. „Tierschutz ist eine emotionale Achterbahn.“

Bis zu 37 Hunde auf einmal aufgenommen

Bis die Tiere vermittelt werden konnten, fanden sie auf dem Bauernhof von Calabro und ihrem Mann einen Zufluchtsort. Zuletzt zogen im März des vergangenen Jahres 37 Straßenhunde aus Ungarn dort ein. Die meisten konnte Calabro woanders unterbringen, einige suchen aber noch immer ein neues Herrchen oder ein neues Frauchen. Für diese Aufgabe kommt aber nicht jeder in Frage: Calabro überzeugt sich immer zunächst persönlich, ob es die Tiere in den jeweiligen Familien gut haben werden. „Deshalb bin ich schon durch ganz Deutschland gereist.“

Künftig wird Calabro der Weg sehr häufig in das Tierheim nach Schongau führen. Von dort wird sie die Vierbeiner zu sich auf den Hof holen, die schwer vermittelbar sind, weil sie beispielsweise Angst vor Menschen haben und deshalb bissig sind. Mithilfe ihrer eigenen sieben Hunde will sie diese Tiere rehabilitieren: „Nur Hunde können einem anderen Hund helfen“, ist die Tierschützerin überzeugt. Denn wenn die traumatisierten Vierbeiner merken, dass ihre Artgenossen Vertrauen zu ihr haben, verlören sie mit viel Geduld ihre Aggressivität.

1187 Unterstützer bei Facebook

Die wenigen Mitglieder des Vereins – laut Calabro sind es nur eine Handvoll – wurden bereits durch einen Newsletter über das Ende des Vereins informiert. Die 1187 Unterstützer bei Facebook wurden am Wochenende mit einem Post über die neuen Entwicklungen in Kenntnis gesetzt. Darin erfahren die Leser auch, dass der Bau eines Tierheims in Ungarn nicht wie geplant realisiert werden konnte. „Es ist für einen kleinen Verein wie ,Cooler Hund‘ unter anderem nicht zu leisten, die Bauaufsicht in Ungarn zu übernehmen“, heißt es in der Stellungnahme. Die Spenden, die der Verein für das Projekt gesammelt hat, wurden zweckgebunden für eine „kleine Lösung“ verwendet. Neben mobilen Zwingern und 60 Hundehütten wurden vor allem Medikamente für die Tiere gekauft, die nun auf einem von einer Tierschutzorganisation angemieteten Gelände Verwendung finden.

Die Anhänger von Calabros Arbeit drücken bei Facebook ihr Bedauern darüber aus, dass die Tage von „Cooler Hund“ gezählt sind. Eine von ihnen ist die Tölzer Stadträtin Camilla Plöckl, selbst glückliche Besitzerin eines ehemaligen Straßenhundes. „Wir bedanken uns ganz herzlich für Eure tolle Arbeit“, schreibt die SPD-Politikerin in einem Kommentar. „Viele Hunde haben durch Euch ein neues Zuhause gefunden und können nun ein glückliches Leben führen.“

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