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Heimatbesuch: Schwester Modesta auf einem Foto von 1982 im Gespräc h mit der mittlerweile 94-jährigen Wackersberger Hobby-Historikerin Ursula Hueber.

Das Erbe einer Wackersberger Ordensfrau

Über Leben und Alltagsbedingungen in einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens berichtete Sr. Sneha von der „Schwester Modesta-Hilfe“ bei ihrem Besuch in Wackersberg.

Wackersberg Das Dorf Shapur liegt in Bihar, dem ärmsten und zugleich einem der instabilsten Bundesstaaten Indiens. Dort war die in Wackersberg gebürtige Schwester Modesta vom Orden der „Englischen Fräulein“ bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 mit großem Engagement tätig. Ihr Bestreben, den Armen in der Region rund um den St.-Josef-Convent zu helfen, wurde nach ihrem Tod zuerst von Mitschwester Rose und dann von Sr. Sneha weitergeführt.

Bei ihrem Urlaubs-Aufenthalt im Isarwinkel gab Sr. Sneha jüngst im Wackersberger „Altwirt“ auf Einladung des hiesigen Fördervereins „Schwester-Modesta-Hilfe“ Einblick in das Leben und die Alltagsbedingungen der unteren Gesellschaftsschichten in ihrem Wirkungskreis. Ein großer Teil der Leute dort sei mittellos: Krankheiten, speziell die Tuberkulose, seien weit verbreitet, und führten oft zur Arbeitsunfähigkeit oder zum Tod. Und vor allem die Frauen hätten oftmals keinerlei Bildung und folglich keine Perspektiven.

Wenig Aussicht auf ein besseres Leben haben unter diesen Vorzeichen auch die Kinder, wie Sr. Snehas Ausführungen und die mitgebrachten Bilder auf der Leinwand realistisch vermittelten. Die Schwerpunkte des Convents, in dem aktuell zwölf Schwestern leben und arbeiten, liegen deshalb in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und soziale Dienste. Knapp 2000 Schüler werden aktuell in der Klosterschule unterrichtet, 120 davon sind Christen. Darüber hinaus betreut Sr. Sneha noch elf Dorfschulen.

Man kümmere sich um alle bedürftigen Kinder, ohne Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit, beantwortete die 32-jährige Ordensschwester eine Frage aus dem Zuhörerkreis: „Der Mensch ist wichtig, nicht die Religion.“ Außerdem würde die Obrigkeit des Landes, in dem 80 Prozent der Bevölkerung dem Hinduismus und nur zwei Prozent dem Christentum anhängig sind, andernfalls das Wirken des Klosters wohl bald erschweren. Diesbezüglich gäbe es ohnehin große Verunsicherung, denn der derzeitige Präsident des Landes sei ein großer Verfechter des hinduistischen Kasten-Systems, in dem die Privilegien der Reichen hochgehalten und eine Besserstellung der Armen nicht gewünscht würde. Moralische Werte zu lehren empfände die Oberschicht als Bedrohung, schilderte Sr. Sneha. Um eine spätere Arbeits-Anstellung nicht zu gefährden, werde die Religionszugehörigkeit bei den christlichen Klosterschülern vorsorglich nicht in den Unterlagen vermerkt.

Derzeit statte das Kloster 43 Kinder aus einer rückständigen Kaste mit Schuluniformen, warmen Pullovern, Schuhen und Socken, Schulranzen, Büchern, Schreibzeug und dem Schulgeld aus. „Wenn sie das alles haben, werden sie von den anderen Kindern leichter akzeptiert.“ Überdies versorge man Kranke mit Medikamenten und fördere Graue-Star-Operationen. Froh und dankbar sei man im Kloster über die Zuwendungen des Wackersberger Fördervereins.

Der hat, wie dessen Vorsitzende Christa Mertens anführte, für die knapp 500 Kinder aus den elf Dorfschulen im Vorjahr Schulranzen und heuer für jedes dieser Kinder einen Pullover spendiert. Gesponsert würden außerdem auch Nähkurse, um Frauen eine Erwerbsmöglichkeit zu schaffen. Für den relativ kleinen Verein mit nur 39 Mitgliedern seien solche Aktionen schon auch ein „Kraftakt“, so Mertens. Neuzugänge seien herzlich willkommen, der Jahresbeitrag liege bei 60 Euro. „Damit können wir einem Kind in Shapur ein Jahr lang den Schulbesuch finanzieren.“ Rosi Bauer

Mehr Informationen

gibt es im Internet unter www.modesta-hilfe.de

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