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Am frühen Morgen bauen Michael Angermeier und seine Mitarbeiter die Baumstämme an der Flößlände in der Isar bei Wolfratshausen ein.

Arzbacher Flößer bereitet sich vor

„Fahr ma auf Minga mit’m Floß“: Am 1. Mai beginnt die Saison

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Noch liegen die Fichtenstämme auf dem Lagerplatz vor seiner Haustüre. Aber nicht mehr lange. Ab nächster Woche baut Michael Angermeier mit seiner Mannschaft die Bäume zu schwimmenden Gefährten zusammen. Am 1. Mai startet die Floßsaison.

Arzbach –  Jetzt beginnt der Endspurt. Michael Angermeier startet seine Motorsäge und „putzt“ die Fichten. Die dicken Enden der 18 Meter langen Stämme werden dabei rundherum etwas angesägt. „Dann lassen sie sich mit weniger Zwischenraum zusammenbauen“, sagt der Floßmeister. Je schmaler die Spalte, um so geringer die Gefahr, dass ein Passagier ausrutscht.

120 Fichten hat er im Herbst in Vorderriß, Kreuth und Unterammergau fällen lassen – bei abnehmenden Mond. Alle Bäume sind zwischen 70 und 90 Jahre alt und zeichnen sich durch feinjähriges Holz aus. Das heißt: Die engen Jahresringe lassen auf einen über die Jahrzehnte gleichmäßigen Wuchs der Bäume schließen. Und noch etwas ist laut Angermeier wichtig: Die Stämme sollen ein ideales Zopfmaß haben: Sie dürfen nach oben hin nicht zu dünn werden.

Die Floßstämme werden „geputzt“: Michael Angermeier bei der Arbeit an seinem Lagerplatz in Arzbach.

Während der Seniorchef (67) an den Floßbäumen hantiert, machen sein Sohn Stefan Angermeier und Flößer Michael Hundegger die Ruder zurecht. Mit den während der Wintermonate geflochtenen Wieden werden die hölzernen „Paddel“ demnächst am Floß festgemacht. Der sogenannte Stürer und die Förgen steuern damit die 20 Tonnen schweren Wasserfahrzeuge – wie anno dazumal.

Vom 1. Mai bis zum zweiten Sonntag im September ist Angermeier fast jeden Tag auf der Isar unterwegs. „Für heuer haben wir sehr viele Buchungen“, sagt der Unternehmer. Bis zu sechs Flöße gehen täglich unterhalb der Wolfratshauser Marienbrücke auf große Fahrt nach München. Ob große Firmen oder dörfliche Vereine – sie alle schätzen diese Gaudi. „Die Menschen bleiben wieder mehr in der Region“, hat Angermeier festgestellt. Er hofft auf eine unfallfreie und gute Saison. Momentan ist der Wasserstand gut. Die Floßrutschen an den Kraftwerken sind inspiziert und auch der unverbaute Teil des Isarbetts.

Ein Hochwasser kann alle Fahrpläne freilich schnell über den Haufen werfen. „Wir wünschen uns einen guten Sommer“, sagt Angermeier. „Die Skilifte sind heuer rund 120 Tage gelaufen, das wäre auch für uns schön: Über 100 Tage Floß fahren.“ Aber er zitiert im gleichen Atemzug die Wettererfahrungen seiner Flößer-Vorfahren: Viel Schnee im Winter, wenig Wasser im Sommer.

Die Isarflößerei hat im vergangenen Jahr mit dem Dokumentarfilm „Fahr ma obi am Wasser“ besondere Aufmerksamkeit erfahren. Der Regisseur und Produzent Walter Steffen habe einen überaus gelungenen Film gedreht. Das freut Angermeier, denn auch so bleibe das alte Handwerk im Blick der Menschen unserer Zeit. Aber es werde immer schwieriger, diesen Beruf auszuüben, bedauert der Floßmeister. „Der Bürokratismus nimmt immer mehr zu“ sagt Angermeier. „Das macht mir Sorgen.“ Er vermisse oft die für seine Zunft notwendige Unterstützung. Verbände und Behörden legten bisweilen Engstirnigkeit an den Tag. Der Arzbacher hat die Erfahrung gemacht: „Alle finden die Flößerei beeindruckend, aber wenn es darauf ankommt, steht mancher nur halbherzig dahinter.“

In der Diskussion um den Erholungsdruck auf und entlang der Isar vermisst Angermeier neuerdings immer mehr das rechte Augenmaß. „Ich ärgere mich immer wieder, wenn Flößer und Schlauchbootfahrer in einem Atemzug genannt werden.“ Die Flöße fahren zusammengerechnet nur eine Stunde am Tag durch die Pupplinger Au, und keiner der Passagiere gehe an Land. Die Freizeitkapitäne bevölkern dagegen an schönen Tagen bis zu zehn Stunden täglich das Landschafts- und Naturschutzgebiet. Die Flößer wüssten im Gegensatz zu den Paddlern allerdings sehr wohl, wie wichtig eine intakte Umwelt für alle ist.

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