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Ehrung: Für 40-jährigen aktiven Feuerwehrdienst und seine fast schon ebenso lange währende Tätigkeit als Gerätewart wurde Sepp Bosch (Mitte) von Kreisbrandinspektor Wolfgang Stahl (li.) und Kommandant Florian Krinner ausgezeichnet.

Versammlung

Feuerwehreinsätze, die keine sind und das Gefühl, ausgenutzt zu werden

Dass sie immer öfter für Tätigkeiten eingespannt werden, für die sie eigentlich nicht zuständig ist, bemängelten die Freiwilligen der Feuerwehr Oberfischbach in ihrer Jahresversammlung. Entsprechend turbulent war das vergangene Jahr für sie.

Fischbach „Wir haben ein turbulentes Jahr hinter uns“, lautete das Resümee von Florian Krinner in der Jahresversammlung der Feuerwehr Oberfischbach. Immerhin 35 Einsätze mussten absolviert werden – darunter 29 technische Hilfeleistung sowie drei Verkehrslenkungen und zwei Sicherheitswachen. Zur Brandbekämpfung wurde die Fischbacher Feuerwehr nur einmal gerufen. Allerdings waren die Helfer schon bei der Alarmierung darüber informiert worden, dass an der Brandstelle nach einer Person gesucht werden müsse. „Das ist dann schon noch mal eine Nummer härter, da geht einem manches durch den Kopf“, schilderte der Kommandant.

Das Schneechaos hatte der Feuerwehr im Januar zahlreiche Einsätze beschert. 15 Mal waren die freiwilligen Helfer bei widrigen Bedingungen ausgerückt, um auf die Fahrbahn gestürzte Bäume von der Töl 7 und der Staatsstraße 2064 zu entfernen. Dass es bei derartigen Notfall-Meldungen auch immer wieder vorkomme, dass beim Eintreffen der ehrenamtlichen Kräfte keinerlei Verkehrshindernisse mehr vorzufinden sind, sei kein Einzelfall, so Krinner. „Manchmal handelt es sich ja auch nur um Äste, die dann vielleicht schon vom Schneepflug zur Seite geräumt worden sind, oder es hat vielleicht doch ein Autofahrer angehalten, um die Teile selbst wegzuschaffen.“

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Außerdem gebe es immer mehr Fälle, bei denen die Feuerwehr in mehr oder weniger erklärbaren Not-Situationen zur Öffnung einer Wohnungstür gerufen werde. Bei der Fischbacher Wehr gab es zuletzt vier Alarmierungen dieser Art – „zumeist nachts“, wie Krinner ausführte. Die Dienste der Feuerwehr in Anspruch zu nehmen sei eben bequem, ging auch der neue Kreisbrandinspektor Wolfgang Stahl auf derartige Vorkommnisse ein. Es gebe immer mehr Einsätze, bei denen man hinterfragen müsse, ob dafür wirklich die Feuerwehr zuständig sei. Die Selbstständigkeit der Bevölkerung sei tief gesunken. „Aber lasst euch dadurch noch nicht entmutigen“, appellierte Stahl an die Anwesenden angesichts der Gefahr, dass das Gefühl des „Ausgenutztwerdens“ die generelle Einsatzbereitschaft sinken lasse. „Wir sind aber an einem Punkt angekommen, wo wir gegensteuern müssen“, sagte Stahl. Die Feuerwehren übernähmen viele Tätigkeiten, die eigentlich nicht zu ihrem Aufgabenfeld gehörten, zum Beispiel von Bäumen blockierte Staatsstraßen freizuschneiden. Für Wohnungstür-Öffnungen wende man sich auch deshalb gerne an die Feuerwehr, weil diese oft über entsprechende Ausrüstung verfüge und somit Beschädigungen vermieden werden könnten.

Diese von Stahl angeführte Ausrüstung ist ein sogenanntes „Sperrwerkzeug“, das sich auch die Fischbacher Wehr aufgrund der Fallzahlen im vorigen Jahr zugelegt hat. Kostenpunkt: 700 Euro.

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Was die Motivation der Aktiven außerdem belaste, sei der Anstieg der Fehlalarme, sagte Stahl. Ausgelöst würden sie inzwischen nicht selten durch Handwerker bei staubigen Arbeiten oder mangelhafte Brandmeldeanlagen. Letztere hatte im Vorjahr im Fischbacher Kindergarten zwei Fehlalarme verursacht. „Wir haben dann die Anlage kontrolliert und ausgewechselt“, berichtete Bürgermeister Alois Bauer. Um generell eine regelmäßige Wartung von Brandmeldeanlagen anzukurbeln, habe die Gemeinde vor, künftig beim zweiten Fehlalarm das Ausrücken der Feuerwehr dem Betroffenen in Rechnung zu stellen. (Rosi Bauer)

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