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Blick in die Vergangenheit: Johannes Tien würde sich wünschen, dass sich für die Einrichtung des ehemaligen „Strasserhof“ neue Besitzer finden.

Gasthof steht seit über sieben Jahren leer

Ein Blick in den verlassenen „Strasserhof“

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Das Hotelprojekt in Strass geht in die nächste Runde. Gibt es keine Einwände mehr, könnte ab März der frühere „Strasserhof“ abgerissen werden. Zeit für einen Blick in den Gasthof, der nun seit über sieben Jahren leer steht.

Wackersberg – Man muss schon etwas Fantasie mitbringen, um sich bei einem Besuch im derzeitigen „Strasserhof“ das Landhotel mit 30 Zimmern vorstellen zu können, das hier entstehen soll. Beim Blick vom Balkon im obersten Stockwerk wird aber klar, womit Johannes Tien punkten möchte: mit der Lage inmitten der Natur, dem Ausblick und der Ruhe.

Alles in dem früheren Hotel und Gasthof wirkt so, als wäre es in Eile liegen gelassen. In der Küche steht nach wie vor Geschirr, in den Zimmern hängen die Übernachtungspreise an den Schränken, in den Bädern die Bitte, der Umwelt zuliebe die Handtücher nicht täglich wechseln zu lassen. Und doch merkt man, dass das Gebäude seit mehr als sieben Jahren leer steht.

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Die frühere Tenne diente zuletzt einem Filmteam als Kulisse für „Tonio & Julia“.

Zunächst hatte Johannes Tien den Plan, das Gebäude sanieren zu lassen. Aber das stellte sich bald als utopisch heraus. Neuen Verordnungen in Sachen Lärm- und Brandschutz hätte das Gebäude nicht standgehalten, sie wären im Bestand nicht umsetzbar gewesen. „Ich bin einmal im ersten Stockwerk hochgesprungen, und die Leute unten meinten, es würde gleich die Decke einbrechen“, sagt Tien. Wasserleitungen und Heizung hätten komplett neu gemacht werden müssen. Weiteres Problem: die Treppe. Die existierende ist nur 90 Zentimeter breit, Vorschrift ist mindestens ein Meter Breite. Aus Brandschutzgründen muss in den neuen Strasserhof ein zweites Treppenhaus eingebaut werden. Außerdem soll es einen Aufzug geben.

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All das wäre durch Sanierung nicht möglich gewesen. Daher beschloss Tien, dass er das Gebäude abreißen lässt und neu aufbaut.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde die zweite Auslegung des Bebauungsplans beschlossen. Nun haben Bürger und Träger öffentlicher Belange erneut 30 Tage Zeit, Stellungnahmen zum Projekt abzugeben. „Es würde mich wundern, wenn da noch etwas käme“, sagt Tien. „Schließlich hatte jeder schon seit Oktober die Möglichkeit, Einwände einzureichen.“ Der Wahl-Wackersberger möchte endlich loslegen. Geht die zweite Auslegung ohne Beanstandungen über die Bühne, könnte Tien nach der März-Sitzung bereits den Abriss beauftragen.

Aber auch so bleibt er nicht tatenlos. Er versucht derzeit, ein Netzwerk aufzubauen, besucht Messen und Zusammenkünfte regionaler Anbieter. Der neue Strasserhof, der „Hotel Bergeblick“ heißen wird, soll schließlich die Region mitnehmen, soll zeigen, was das Tölzer Land zu bieten hat.

Was es zu bieten hat, das können die Besucher sehen, die später eine der „Vitality Suites“ im obersten Stockwerk buchen. Diese Suiten erhalten jeweils eine eigene Sauna und einen gigantischen Blick auf Tölz und in den Isarwinkel. „Hochwertig“ soll das spätere Hotel werden, sagt Tien.

Weiterhin gibt er allen Menschen, die den Strasserhof vor dem Abriss noch einmal besuchen möchten, die Gelegenheit dazu. Schon einige haben dies genutzt. Eines Tages fuhr ein Auto vor, zwei Damen, 79 und 81 Jahre alt, stellten sich vor. Sie hätten im früheren Gasthaus immer ausgeholfen, wenn Not am Mann war. Jeder verbinde eine eigene Geschichte mit dem Strasserhof.

Deshalb fände es Johannes Tien auch traurig, das bestehende Mobiliar einfach zu entsorgen. Er bietet alles an von Geschirr über eine ganze Küche bis zur Theke, vom Bauernschrank über das Bett bis zum Fenster. „Ich möchte damit sicher kein Geld verdienen, es geht mir nur darum, dass einige Dinge, um die es zu schade wäre, erhalten bleiben.“

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So beispielsweise die Betten und Schränke in den Zimmern. In einem Zimmer sind die Möbel mit der Tölzer Rose bemalt. „Das hat der letzte Tölzer Kistler gemacht“, hat Tien in Erfahrung gebracht.

Wer den Strasserhof noch einmal besichtigen möchte, oder Interesse hat an Mobiliar oder ähnlichem, findet weitere Informationen im Internet auf der Seite www.bergeblick.de/strasserhof

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