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Ein Grenzstein zwischen den drei Gemeinden Wackersberg, Bad Heilbrunn und Bichl mit dem „Hebscheidt“. 

Rätselhaftes Hebscheidt

Das Geheimnis der Grenzsteine

Jachenau/Wackersberg - Der Isarwinkel im 16. Jahrhundert: Auf den Grenzsteinen zwischen dem Landgericht Bad Tölz und dem Klostergericht Benediktbeuern gravierten neuzeitliche Steinmetze ein eigenartiges Zeichen ein. In den historischen Quellen ist es als „Hebscheidt“ bezeichnet. Heute gibt die Bedeutung des Zeichens Rätsel auf.

Übergriffe soll es gegeben haben, durch die wilden Isarwinkler, die auf Gebieten des Klosters Benediktbeuern Holz schlugen und ihr Vieh weiden ließen. Schon im 13. Jahrhundert ist der Grenzverlauf zwischen den Herrschaftsgebieten Bad Tölz und Benediktbeuern beschrieben. Doch die Isarwinkler ließen sich von vorgeschrieben Grenzen nicht einschüchtern.

Der Verlauf stimmt bis heute weitestgehend mit den Grenzen der Gemeinden überein. „Vom Blomberg über die Benediktenwand über das Jachental und den Staffelgraben“, erklärt Jost Gudelius den Grenzverlauf. Dann folge die Grenze der Isar bis zur Wallgau.

Für den Jachenauer wurde die Geschichte der Grenze zwischen den Hoheitsgebieten zur Leidenschaft. Seit 13 Jahren forscht der Gebirgsjäger-Oberst a. D. über den Verlauf der Grenze und deren Markierungen. Dazu gehört die Arbeit im bayerischen Hauptstaatsarchiv und die aktive Suche in der Natur. Unzählige Grenzzeichen machte Gudelius dort bereits ausfindig und sammelte sie in seinem Buch „Doppelter Abtstab und Hebscheidt. Grenzsteine und Felsmachen“.

Doch eine Frage beschäftigt Gudelius ganz besonders: Die Sache mit dem Hebscheidt. Auf der Tölzer Seite der Grenzmarkierungen ist ein Zeichen eingraviert. Ein senkrechter Balken mit schräg nach oben oder bisweilen gänzlich horizontal gerichteten Querstrichen. Auf der Benediktbeurer Seite der Grenze steht dessen Wappen: der doppelte Abtstab, der bis heute das Wappen des Klosters ziert.

„In den Quellen wird das Tölzer Zeichen als Hebscheidt bezeichnet,“ sagt Gudelius. „Doch das Wort ist in keinem Wörterbuch verzeichnet.“ Man weiß also weder um die Wortbedeutung, noch was das rätselhafte Zeichen auf den Steinen bedeuten soll. Gudelius glaubt, dass das Hebscheidt „das bayrische Wappen sehr reduziert darstellt und dass man dieses reduzierte Wappen mit einem Begriff versehen hat, der einem ähnlich aussehenden Werkzeug gleicht“. Damit meint er, dass der senkrechte und die waagrechten Balken des Zeichens Auszüge des bayrischen Wappens darstellen. Vielmehr einen Auszug, nämlich den des Schweifs des bayrischen Löwens. Gleichzeitig sähe diese Reduktion des Schweifs auch aus wie ein damals allgemein bekanntes Werkzeug. So habe man das Wappen nach dem Werkzeug benannt.

Doch viele Fragen bleiben zu dieser Hypothese offen: Was für ein Werkzeug sollte das Hebscheidt sein und was hatte dies mit Bad Tölz zu tun? Warum ist das Zeichen nur auf der Grenze zwischen Benediktbeuern und Bad Tölz angebracht? Falls das Zeichen das bayrische Wappen zitiert, wäre dies ungewöhnlich, denn auf innerbayrischen Grenzen war dies unüblich.

Gudelius hat eine Theorie dazu: „Vielleicht hatte der damalige Pfleger von Bad Tölz schlicht genug vom Gejammer des Klosters, wegen der Übergriffe der Isarwinkler in den Wäldern.“ Und so entwickelte er ein Zeichen, dass das Landgericht Bad Tölz in Form eines Werkzeuges vertritt. Gleichzeitig stehe das Zeichen aber für das Hinterteil des bayerischen Löwens, das dieser keck dem Kloster zuwandte.

Nora Linnerud

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