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Die perfekte Mischung aus Nutztier und Attraktion: Klaus Bichler hat sich am Arzbacher „Benediktenhof“ auf die Alpaka-Haltung verlegt.

Arzbacher Alpakas 

Genügsam und für die Kälte gewappnet

Die herrschenden winterlichen Extremwerte sind für Alpakas kein Problem. Damit die peruanischen Tiere, die inzwischen auch im Isarwinkel heimisch sind, unter der Kälte leiden, müsste Väterchen Frost noch einmal eine Schippe drauf legen.

Arzbach – Die Finger sind blau und steif, Wangen, Kinn und Nase rotleuchtend: Wenige Menschen halten die gerade herrschende sibirische Kälte lange aus. Wenig beeindruckt hingegen zeigen sich hingegen Alpakas, die von Natur aus auf jegliche Temperaturen zwischen minus 25 und plus 30 Grad eingerichtet sind. Immer wieder sieht man die Tiere mittlerweile auch – fern ihres natürlichen Lebensraums in den Anden – auch in Bad Tölz und Umgebung. Fünf Alpakas haben ihre Heimat in Arzbach.

„Vor sechs Jahren haben wir die Tiere angeschafft“, erinnert sich Klaus Bichler. Eigentlich gehören die Alpakas, die wie eine Kreuzung aus Schaf und Kamel aussehen, seiner Tochter Sofie (16). Doch die macht eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und hat deswegen wenig Zeit. Eine Freundin der Tochter, Anna März, geht noch zur Schule und kümmert sich um die Tiere mit dem kuschelweichen Fell, den sanften, runden Augen und dem witzigen Gebiss: „Die haben nur unten Zähne, oben ist eine Kauplatte“, erklärt Bichler.

Die vier Wallache Flecki, Tomi, Jerry und Seppi sowie der Alpaka-Hengst Luki stehen an einem kleinen Hang neben Bichlers Landhotel gegenüber dem Arzbacher Freibad. Dort hatte Bichler vorher schon Schafe gehalten – zu laut – und Pferde – zu schwer für den Hang. Die Alpakas sind für Bichler die perfekte Mischung aus Nutztier und Attraktion: „Wir benutzen sie als Bio-Rasenmäher, und sie kommen bei den Gästen sehr gut an. Es gibt sogar Hotel-Gäste, die kommen nur wegen der Alpakas“, sagt Bichler. Wer will, kann mit den peruanischen Tieren zu ein- bis zweistündigen Wanderungen aufbrechen. Früher übte Sofie Bichler oft Kunststücke mit den Alpakas, „täglich bis zu vier Stunden lang“, sagt die Auszubildende. Die Tiere können nun auf Kommando die Vorderläufe beugen und über Hürden springen. Um die Rangordnung zu klären, spucken die Tiere sich gegenseitig an. „Wenn sie sich bedroht fühlen, machen sie das auch manchmal bei Menschen, aber eher selten“, sagt Bichler. Und: „Wenn sie beim Wandern spüren, dass jemand nervös ist, setzten sie sich hin und machen gar nichts mehr.“

Im Frühjahr, meist im Mai oder April, lässt Bichler die Tiere scheren. Aus der Alpaka-Wolle, die sich viel weicher und nicht so fettig wie bei Schafen anfühlt, lässt er Decken machen. Der Ertrag hält sich in Grenzen. „Da kommt nur eine einzige Füllung für eine Bettdecke heraus“, sagt der 48-Jährige.

Die Bichlers besitzen nur männliche Tiere, weil sie etwas leichter in der Haltung sind und weniger kosten als Alpaka-Weibchen. „Das Alpaka ist wie das Lama eine Kamel-Art“, sagt Bichler. Die Tiere wurden „wegen ihrer Wolle gezüchtet, während das Lama, das mit dem Alpaka verwandt ist, als Lasttier herangezüchtet wurde“. Die Herkunft aus kargen Bergregionen macht Alpakas genügsam. „Fünf bis acht Liter Wasser und täglich eine Gabel voll Heu reicht denen“, so Bichler. Dank dieser Anspruchslosigkeit kommen sie auch im Isarwinkel blendend zurecht. Nora Linnerud

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