Wackersberger Bürgerversammlung

Heiße Diskussionen um neues Bauland

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Arzbach - „Das war eine intensive Bürgerversammlung“, sagte Wackersbergs Bürgermeister Alois Bauer am Ende der knapp dreistündigen Veranstaltung im „Arzbacher Hof“. Vor allem das geplante Bebauungsgebiet Längentalstraße sorgte für hitzige Diskussionen.

Der größte Streitpunkt in der Gemeinde Wackersberg ist derzeit das geplante Baugebiet für Einheimische an der Längentalstraße. Wie berichtet, sollen dort 30 neue Häuser entstehen, und in der jüngsten Gemeinderatssitzung regte sich Widerstand der Anwohner. Knackpunkt ist vor allem die Zufahrt.

Im vollbesetzten Saal im „Arzbacher Hof“ am Sonntagvormittag stellte Bürgermeister Alois Bauer nun eine mögliche Lösung vor: Momentan wird die Zufahrt zum Kirchenparkplatz von unten kommend geregelt. Diese kleine Straße könnte laut Bauer zu einem reinen Fußweg gemacht werden, die Zufahrt dann von oben erfolgen. „Den Vorschlag hat der Gemeinderat noch nicht gesehen“, sagte Bauer. Die Kirchenverwaltung stehe der Lösung grundsätzlich positiv gegenüber. Man würde keine Parkplätze verlieren. Desweiteren könnte der Hohlweg, der derzeit den Beginn der Längentalstraße bildet, um etwa einen Meter aufgefüllt werden. Man würde quasi in die Böschung hineinbauen. „Dann hätten wir genug Platz für einen Gehweg.“ Auch könnten sich dann ein Lastwagen und ein Auto begegnen. In der Sitzung am Dienstag möchte Bauer noch ein paar Varianten besprechen. „Damit hätten wir alle Ängste und Sorgen gelöst.“

Das sahen die Anwohner der Längentalstraße anders. Fünf von ihnen hatten einen Fragenkatalog vorbereitet. Warum die Bürger nicht schon früher über den Vertrag mit dem Grundstückseigentümer in Kenntnis gesetzt worden seien, wollte Konrad Eberl wissen. Schließlich hätten sich die Vertragsverhandlungen über ein Jahr hingezogen. Es habe sich hierbei um einen nichtöffentlichen Vorgang gehandelt, sagte Bauer. „Zuerst mussten wir endverhandeln.“ Sechs Jahre lang habe die Gemeinde nichts anderes getan, als nach geeignetem Bauland zu suchen. „Jetzt haben wir mal was zur Verfügung.“

Sauer stieß den Anwohnern auch auf, dass von den gut 14 000 Quadratmetern Fläche, die die Gemeinde gekauft hatte, dem Grundeigentümer 30 Prozent zum eigenen Verkauf zugestanden wurden. „Das ist der Preis dafür“, sagte Bauer. Es gebe nicht viele Möglichkeiten, im Gemeindebereich Bauland zu entwickeln. Man wolle aber gerade junge Familien am Ort halten, daher müsse man ihnen die Möglichkeit bieten zu bauen. „Aber brauchen wir wirklich so viel Baufläche?“, fragte Thomas Scheifl. Er befürchtete, dass hauptsächlich die „Zuagroasten“ alles zubauen würden. Schließlich wolle die Gemeinde ja die Menschen, die seit fünf Jahren in der Gemeinde leben, am Einheimischenmodell teilhaben lassen. „Da passt das Verhältnis nicht. Am Ende werden dort mehr Fremde als Einheimische bauen.“

Die Vorgaben, wer Chancen auf einen Bauplatz im Rahmen des Einheimischenmodells erhalte, müsste die Gemeinde erst noch festlegen, beschwichtigte Bauer. Ebenso müsse erst noch festgelegt werden, wie viel Nettobauland tatsächlich ausgewiesen werde.

Alois Scheifl sorgte sich um die Sicherheit der Schulkinder auf der Längentalstraße, Hans Demmel sah in der Einmündung bei der Kapelle einen Gefahrenpunkt. „Hier ist die Gemeinde in der Pflicht“, sagte er und bezog sich auf die Aussage Bauers, dass eine Begehung mit Polizei und Landratsamt ergeben habe, dass die Zufahrt kein Problem sei.

Alois Bauer wollte so nicht stehen lassen, dass sich der Gemeinderat der Verantwortung entziehe, weil erst künftige Gremien mit den Auswirkungen zu leben hätten. „Wir haben alles ausgewogen behandelt. Bei Bauland gibt es immer mehrere Meinungen. Aber hier haben wir ein Sonnengrundstück, auf dem man relativ wirschaftlich bauen kann.“

Konrad Eberl warf ein, dass das ein riesiges Projekt sei. Arzbach habe derzeit 120 Häuser, im Neubaugebiet würden 30 dazukommen. „Da muss man den Bürger doch von Anfang an mitnehmen.“

Im weiteren Verfahren werde darauf noch eingegangen, sagte Bauer. „Sonst machen für den fünften Schritt vor dem ersten. Man kann auch alles zerreden. Wir werden noch alle Stellen hören, vom Naturschutz bis zum Frauenbund. Aber ich verstehe ehrlich gesagt die Nervosität nicht.“

Das Problem sei, dass es hier um eine Grundsatzentscheidung gehe, sagte Eberl. „Wir müssen das alles vor dem Aufstellungsbeschluss besprechen, sonst heißt es später, man könne nichts mehr machen, weil die Interessen der Gemeinde stärker seien.“

Die Akzeptanz der Bürger sei nicht da. Es solle aber nicht heißen, „einheimische Altbürger gegen einheimische Jungbürger. Eher sollte es heißen: Alle Bürger gegen Spekulanten“, schloss er seine Ausführungen.

Mit all den Kritikpunkten wird sich der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 15. März, um 19 Uhr auseinandersetzen.

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