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Unterricht im Freien: Bis zu 100 Kinder kommen regelmäßig zur Nachmittagsschule, wo sie Lesen und Schreiben lernen.

Besuch im indischen Kloster Shapur 

Hilfe aus dem Isarwinkel für die Ärmsten

Seit drei Jahren unterstützt der Wackersberger Förderverein „Schwester-Modesta-Hilfe“ Kinder in Nordindien. Vereinsmitglied Martin Gambs aus Wackersberg war zu Besuch in dem Kloster und hat sich ein Bild vom aktuellen Stand der Projekte gemacht. Hier sein Bericht:

Wackersberg/Bihar – Das Kloster unweit vom Ufer des Ganges unterhält eine Mittelschule mit knapp 1800 Schülern. Es ist die beste und größte Schule in weitem Umkreis. Da kirchliche und private Schulen keine staatliche Unterstützung erhalten, muss sie sich durch Schulgeld finanzieren. Viele arme Familien mit fünf oder mehr Kindern leben von ein paar Ziegen und dem kärglichen Tageslohn von vier Euro, das der Vater als Hilfsarbeiter verdient. Die Eltern können sich das Schulgeld nicht leisten. Vor allem für Mädchen gibt es kein Interesse, so viel Geld in eine Schulbildung zu stecken. Deshalb finanziert der Verein für gut 40 Kinder die Gebühren sowie Büchergeld und Schuluniformen. Pro Kind kommen damit jährlich rund 140 Euro zusammen.

Besuch in Shapur: Martin Gams (hi.) mit Schwestern und Mitarbeitern des Klosters.

Schwester Sneha ist ausgebildete Lehrerin und Sozialarbeiterin und koordiniert die geförderten Projekte im Kloster. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und vor allem Mädchen aus sozial benachteiligten Familien und aus der untersten Kaste in die Schule zu bringen. Diese fühlen sich als Menschen zweiter Klasse. Den Tieren gleich ernähren sie sich von Ratten oder Resten, die auf den Feldern übrig bleiben. Die Kinder rennen spärlich bekleidet, mit zerzausten Haaren herum und leben im Dreck. Welch große Chance ist es für die Entwicklung dieser Kinder, wenn sie den Weg in eine ordentlich geführte Schule schaffen. Sie lernen dort Selbstverständlichkeiten wie saubere Kleidung, Ordnung und Disziplin genauso kennen wie den normalen Schulstoff. Die Freude lässt sich an ihren Gesichtern ablesen.

Gefragtes Angebot: Der Verein finanziert Schneiderkurse für junge Frauen.

Ein neues Projekt für die Schule ist der Bau von Toiletten – vor allem für Mädchen. Die wenigen Klos reichen keineswegs für die vielen Kinder. Viele verzichten deshalb aufs Wassertrinken, um sich den Gang zu ersparen. Das von Ulla Jurda aus Wackersberg angeschobene Projekt ist inzwischen durchgeplant. Während des Besuchs unserer Reisegruppe hat auch der lokale Bischof Sebastian seine schriftliche Unterstützung gegeben. Damit kann das Projekt demnächst starten. Der Neubau wird mit Geld des Kindermissionswerks großzügig unterstützt.

Daneben unterhält das Kloster in zehn umliegenden Weilern sogenannte Nachhilfezentren oder Dorfschulen. Diese primitiven Kleinstschulen sind wichtig, weil in den wenigen staatlichen Schulen die Vermittlung von Lesen, Schreiben und Rechnen nur sehr mangelhaft funktioniert. Viele Kinder bleiben auch zuhause, weil sie die Landwirtschaft mit ihren paar Tieren betreiben müssen. Nachmittags findet in den Dorfschulen der Unterricht unter freiem Himmel statt, hier kommen die Kinder zusammen. Jedes Kind bringt einen leeren Getreidesack als Unterlage mit, Tische und Stühle gibt es nicht. Auf der kleinen Fläche gestampftem Lehmboden vor der Tafel lauschen knapp 100 Kinder ihrem Lehrer. Unglaublich aber wahr, hier wird konzentriert geschrieben und gerechnet. Diese einfachsten aller Schulen sind der effizienteste Weg gegen das Analphabetentum. Der Lehrer bekommt im Monat 15 Euro Lohn, neben ein paar Tafelkreiden gibt es keine weiteren Kosten. Die insgesamt gut 300 Kinder aus allen zehn Dorfschulen dürfen einmal im Jahr zu einem Sommerfest die richtige Schule im Kloster kennenlernen.

Einfachste Verhältnisse: Eine Wasserstelle neben einem Ziegelbau.

Ein anderes Projekt zielt auf die Erwachsenenbildung ab. Junge Frauen oder Mädchen werden im Alter zwischen 14 und 17 Jahren verheiratet und landen oft in prekären Verhältnissen. Etliche Männer sind Alkoholiker, und Gewalt ist nicht selten im Spiel. Aufgrund der finanziellen Abhängigkeit besteht keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Ein eigener Beruf, in dem sie ihr eigenes Geld verdienen können schafft Unabhängigkeit. Im Kloster werden deshalb Schneiderkurse für diese Frauen angeboten. Eine versierte Lehrerin hält vormittags und nachmittags jeweils einen Kurs, Dauer insgesamt sechs Monate. Die Kurse sind voll ausgebucht, pro Jahr lernen etwa 100 junge Frauen die Schneiderei. Sie müssen nur einen geringen Anteil der Kosten übernehmen. Den Rest finanziert der Verein.

Medikamente für sterbenskranke Frau

Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld ist die Gesundheits- und Sozialarbeit. Letzten Herbst bekam Schwester Sneha vom Verein einen Motorroller zur Verfügung gestellt. Damit kann sie die Menschen in den umliegenden Dörfer besuchen. Sie sucht gezielt die Ärmsten der Armen auf, Menschen aus den untersten Kasten und gibt ihnen Hoffnung. Sie kümmert sich um Kinder, Kranke oder Behinderte. Tuberkulose ist eine alltägliche Krankheit. Die Besucher aus Deutschland lernten eine geheilte TBC-Patientin kennen. Schwester Sneha brachte sie vor Monaten wegen ihrer schweren Krankheit in die Krankenstation des Klosters. Die Krankenschwester versuchte sie mit Naturheilmitteln und hochwertiger Nahrung aufzupäppeln. Weil die Krankheit soweit fortgeschritten war, wandten sich die Frauen an den Arzt, um an die notwendigen Antibiotika zu kommen. Doch der Arzt meinte nur, die Frau sei so krank. Was sollte man für sie wertvolle Medikamente und Zeit vergeuden? Die stirbt doch sowieso. Mit Hilfe der Medikamente haben es die Schwestern geschafft, die Frau wieder auf die Beine zu bringen. Die Wackersberger konnten sich selbst davon überzeugen. Die Frau ist Mutter von vier Kindern und kann diese nun wieder versorgen. Man sieht an diesem Beispiel, wie wertvoll die Hilfe durch das Kloster ist.

Auch die große Flut im vergangenen Spätsommer hat ihre Spuren hinterlassen. In der Region Shahpur waren rund 70 Dörfer betroffen. Um den Schwächsten zu helfen, bauten die Schwestern für zwei verwitwete Frauen mitsamt ihrer vier und sechs Kinder zwei kleine Häuschen.

Es gibt viele Länder, in denen Armut und Verzweiflung groß sind. Indien als Schwellenland kommt einem nicht als erstes in den Sinn. Doch wer einmal die Situation vor Ort erlebt hat und sieht, wie viel sich durch persönlichen Einsatz und überschaubare finanzielle Mittel verbessern lässt, der wird verstehen, warum sich das Engagement hier lohnt. Dem Verein ist es wichtig, dass alle Spendengelder den Bedürftigen direkt zugute kommen. Deshalb werden die Reisen zum befreundeten Kloster auch privat finanziert. Gerade in unserer, vom Konsum geprägten Welt, ist es eine wertvolle Erkenntnis zu sehen, was die wirklichen Bedürfnisse des Menschen sind.

Internet

www.modesta-hilfe.de

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