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Nach Fertigstellung des Umbaus will Erwin Wiegerling (39) bis April 2018 mit seiner Baufirma ins ehemalige „Treibhaus“ in Wackersberg umziehen. 

Ehemaliges „Treibhaus“

Historie und Zukunft in einem Bau vereint

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Einst ein beliebter Treffpunkt für Tölzer Kneipengänger, geht das frühere „Treibhaus“ einer Zukunft als Bürogebäude entgegen. Beim Umbau des geschichtsträchtigen, architektonisch ziemlich zusammengeschusterten Gebäudes war einiges zu tun. Jetzt geht es auf die Zielgerade.

Wackersberg– Viel hat sich verändert am ehemaligen „Treibhaus“, dem markanten, allein stehenden Gebäude zwischen Wackersberg und dem Tölzer Badeteil, nahe der B 472. Und doch entsteht der Eindruck, dass das Haus jetzt so dasteht, wie es immer gedacht war. Ein Baustellenbesuch zeigt: Das Konzept des neuen Eigentümers Erwin Wiegerling beim Umbau der Alten Steinsäge geht auf.

Eine bewegte Geschichte liegt hinter dem Gebäude – auch deshalb verfolgt die Öffentlichkeit aufmerksam, was daraus wird. Errichtet wurde das Anwesen vermutlich um 1911 als Ersatz für eine abgebrannte Schmiede-Werkstatt. Später war hier das Café Ruh am Bach untergebracht – bekannt für seine Bar im rückwärtigen Teil, in der besonders gern die in der Tölzer Flint-Kaserne stationierten Amerikaner feierten. Unter dem Namen „Treibhaus“ war die Steinsäge dann ein Vierteljahrhundert ein fester Bestandteil des Tölzer/Isarwinkler Nachtlebens. Dementsprechend groß war die Enttäuschung, als Wirt Henning König im Sommer 2014 das Aus der Kneipe verkündete. Das Gebäude war einfach zu marode.

Danach war lange unklar, was mit dem baufälligen Haus passieren würde. Die Hoffnung der Gemeinde auf eine touristische Nachnutzung erfüllte sich nicht. Letztlich zeigte sich Bürgermeister Alois Bauer aber zufrieden, dass am Ortseingang keine Bauruine stehen blieb. Das verhindert Erwin Wiegerling, der hier seine Baufirma mit angegliedertem Bauträgergeschäft ansiedeln will. „Wir werden 2018 sukzessive umziehen und gehen davon aus, dass der Umzug bis zum 1. April abgeschlossen ist“, sagt Wiegerling.

Damit die Steinsäge überhaupt nutzbar ist, ließ Wiegerling eine Hälfte des Gebäudes abreißen, nämlich den von der Straße aus gesehen hinteren Teil, der zuletzt Lagerräume, Garagen und eine Kühlzelle beherbergte. In diesem Gebäudeteil stand zuletzt das Wasser im Keller, er hatte laut Wiegerling zudem erhebliche statische Probleme. Ebenfalls beseitigt wurden der Wintergarten-Vorbau und der überdachte Terrassen-Bretterverschlag.

Die stehen gebliebene Hälfte hat Wiegerling um einen Neubau in gleicher Länge wie der vordere Teil ergänzt. So steht der Bau, der, so Wiegerling, vorher aussah „wie ein Konvolut aus mehreren Gebäudeteilen“, jetzt mit klaren Linien da und mutet an wie ein traditioneller Einfirsthof mit Wirtschafts- und Wohntrakt. Insgesamt hat das Haus dieselbe Kubatur, also dasselbe Gebäudevolumen, wie das ehemalige „Treibhaus“. „Ich bin sehr froh, dass die Gemeinde diesen Weg mit uns gegangen ist“, so Wiegerling.

„Die frühere Nutzung des Gebäudes aufnehmen und gleichzeitig in die Zukunft weisen“: So umschreibt der 39-Jährige, der früher mit seinem Vater in den bekannten Restaurierungs-Werkstätten in Gaißach arbeitete, die Philosophie beim Umbau. So wolle er „das Gewachsene integrieren“, wie etwa den auf Säume ruhenden, umlaufenden Balkon. Und im Inneren werden die Ziegel der alten Wände sichtbar bleiben, allerdings unter heller Kalkfarbe. An die frühere Kneipe erinnert dagegen schon jetzt nicht mehr viel. Wo einst der Gastraum war, ließ Wiegerling Wände für die künftigen Büros seiner Mitarbeiter einziehen. Etwa 15 Verwaltungsmitarbeiter – bisher am gemieteten Firmensitz in Warngau tätig – werden hier im Einsatz sein. Insgesamt hat Wiegerlings Betrieb 60 Festangestellte, von denen die meisten aber nicht im Büro sitzen, sondern auf Baustellen unterwegs sind. Der neue Firmensitz in der Steinsäge soll auch eine Art „Showroom“ sein, in dem die Kunden sehen können, was die auf Altbausanierungen spezialisierte Firma alles kann.

Auch eine kleine Erinnerung an die US-Soldaten schwebt Wiegerling vor – vielleicht in Form einer Skulptur oder eines amerikanischen Schlittens auf dem Vorplatz.

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