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Bei der Dorfhelferinnen-Ausschusssitzung informierten (v. re.) Margret Gerold (Landkreis-Stationsvorsitzende), Ernst Huber (Einsatzleiter Maschinenring), Nicole Fischer (BBV Holzkirchen), Hanni Hell (Dorfhelferinnen und Betriebshelfer GmbH Landshut) sowie (Mi., vo.) Einsatzleiterin und -begleiterin Anni Stöckl. 

Dorfhelferinnen 

Sie helfen bei Notfällen auf dem Bauernhof

Die Dorfhelferinnen werden im Landkreis dringend gebraucht. Auch wenn sich zwei Frauen momentan in Ausbildung befinden, ist das noch zu wenig. 

Fischbach – Die Dorfhelferinnenstation des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen ist aktuell vergleichsweise gut aufgestellt. Derzeit besteht das Helfer-Team aus einer Vollzeit-Angestellten, zwei Teilzeit- und zwei selbstständigen Einsatzkräften. Mit Blick auf den großen Bedarf hofft Stationsvorsitzende Margret Gerold aber, die Mannschaft bald aufstocken zu können.

Deutliche Bedarf an mehr Dorfhelferinnen in ganz Bayern  

Im kommenden Sommer schließen jedenfalls zwei aus dem Landkreis stammende Anwärterinnen ihre Ausbildung ab. Generell ist die Zahl der in Ausbildung befindlichen Helferinnen für ganz Bayern gegenüber der Nachfrage deutlich zu niedrig. „Der heurige Entlass-Jahrgang umfasst 20 Nachwuchs-Kräfte, im nächsten Jahr sind es nur noch acht“, bedauerte Hanni Hell, Geschäftsführerin der „Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer in Bayern GmbH“ mit Sitz in Landshut, jetzt bei der Jahreshauptversammlung der Landkreisstation im Gasthaus Fischbach. „Wir hoffen also dringend auf junge Leute, die sich für diesen anspruchsvollen Beruf entscheiden.“ Die Ausbildung verläuft in den meisten Fällen über den Abschluss als Hauswirtschafterin und der darauffolgenden zweijährigen Weiterbildung mit vielfältigen sozialen Unterrichtsfächern in den speziellen Schulen in Pfaffenhofen und Neuburg an der Donau sowie verschiedenen Praktika.

„Tölzer Station läuft sehr gut.“

Die Tölzer Station laufe sehr gut, betonte Hell. Die Einsatzkoordinierung, die Ernst Huber vom Maschinenring Wolfratshausen und Anni Stöckl einvernehmlich abwickeln, sei in guten Händen. Stöckl sei zudem als mentale Einsatz-Begleitung für Helferinnen und Hilfesuchende eine wertvolle Anlaufstelle. Und auch innerhalb des Helferteams gibt es einen guten Zusammenhalt, wie die Akteurinnen selbst bekundeten. Im Jahr 2018 wurden 1837 Einsatzstunden auf landwirtschaftlichen Betrieben sowie 687 Stunden in privaten Haushalten geleistet. 2019 dagegen kamen in landwirtschaftlichen Familien 1108 Stunden und im privaten Bereich 1211 Stunden zusammen. Generell müsse dabei immer die Dringlichkeit abgewogen werden, so Hell. 

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Dass die Dorfhelferinnen-Organisation bei ihrer Arbeit grundsätzlich auf Spenden angewiesen ist, ist verursacht vor allem dadurch, dass die Krankenkassen die Stundensätze nicht vollständig übernehmen oder bei langwierigen Erkrankungen die bewilligte Einsatz-Dauer zu früh endet. Während die Fördersätze der landwirtschaftlichen Krankenkasse einen guten Teil der Kosten tragen würden, seien die gesetzlichen Kassen in dieser Hinsicht jedoch „wenig bis gar nicht zuträglich“, wie Hell, Gerold und Stöckl schilderten. Was bedeutet, dass die Station vor allem bei privaten Einsätzen die fehlende Kassenleistung größtenteils mit Spendengeldern ausgleichen muss.

Bei Notfällen müssen immer öfter „selbstbeschaffte Einsatzkräfte“ einspringen

Ernst Huber wies überdies auf die schwindende Anzahl bei den vom Maschinenring gestellten Betriebshelfern hin. Die Ursache dafür sehen die Praktiker in den von den landwirtschaftlichen Versicherungsträgern geänderten Zulassungskriterien, wonach die zum Einsatz kommenden Kräfte – meistens sind das Bauernburschen und Hofnachfolger – auf dem elterlichen Hof angemeldet und sozialversichert sein müssen. Diese Konstellation sei aber eher selten, da sich die Jungbauern aus finanziellen Erfordernissen vor der Hofübernahme häufig in anderen Arbeitsverhältnissen befinden. Eine Folge dieser – wohl beabsichtigten – Entwicklung ist laut Huber, dass bei Notfällen immer öfter „selbstbeschaffte Einsatzkräfte“ einspringen müssen. Und für diese wiederum sei die Entlohnung so niedrig angesetzt, dass das Interesse für eine derartige Tätigkeit merklich schwinde. 

R. Bannier 

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Info und Kontakt:

Für Interessierte findet in der Dorfhelferinnenschule Pfaffenhofen am Samstag, 8. Februar, von 10 Uhr bis 14 Uhr ein Infotag statt. Wer im Landkreis Hilfe braucht, kann sich an den Maschinenring Wolfratshausen wenden, Telefon 0 81 71/42 16 14, oder an Anni Stöckl, Telefon 0 80 41/7 99 26 65.

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