+
Endstation Straßengraben: Der Polo der Münchnerin, die jetzt für ihre Trunkenheitsfahrt verurteilt wurde.

Unfall bei Bad Heilbrunn

Irrfahrt im Vollrausch: Münchnerin verurteilt

  • schließen

Betrunken und ohne Reifen auf einer Felge - so fuhr eine Münchnerin im Mai 2017 kilometerlang durchs Tölzer Land - bis der Wagen im Graben landete. Jetzt stand sie vor Gericht.

Wackersberg/Wolfratshausen – Als ihr Ehemann ihr offenbart, dass er beim Sport eine Andere kennengelernt hat, gerät für eine Münchnerin (57) die heile Welt für einen Moment aus den Fugen. Die Frau leert binnen kürzester Zeit eine Literflasche Müller-Thurgau, öffnet eine zweite Flasche und setzt sich damit in ihren VW-Polo. Sie ist verzweifelt, will nur noch weg. Zu ihrem Wohnwagen, der auf einem Campingplatz am südlichen Ufer des Starnberger Sees steht. Dort kommt die Münchnerin, von Beruf Ärztin, nie an. Nach einer wahren Katastrophenfahrt steuert sie ihren Wagen nahe dem Stallauer Weiher krachend ins Gebüsch. Nun musste sich die 57-Jährige vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Sie wurde wegen fahrlässigem Vollrausch zu 5400 Euro Geldstrafe verurteilt.

„Ich kann nur sagen, dass es mir furchtbar leid tut“, beteuerte die Angeklagte. Sie gab an, an das Geschehen am 26. Mai vorigen Jahres selbst keine Erinnerung mehr zu haben. „Ich habe als Notarzt schon so viel Schlimmes gesehen, dass ich nicht verstehen kann, was ich gemacht habe“, sagte die Frau, nachdem zahlreiche Zeugen ein anschauliches Bild ihrer Fahrt gezeichnet hatten.

Offenbar war die Beschuldigte an jenem Freitagabend auf der A 95 an ihrem eigentlichen Ziel vorbeigerauscht und bis zum Autobahnende durchgefahren. Auf der Rückfahrt Richtung München überfuhr sie in einer Baustelle nahe der Anschlussstelle Murnau mehrere Warnbaken. Am Polo der Angeklagten war bei dem Unfall der rechte Vorderreifen geplatzt. Trotz blanker Felge fuhr die Münchnerin weiter. „Wir konnten ihr durch die Schlagspuren, die die Felge auf dem Asphalt hinterlassen hatte, gut folgen“, sagte ein Beamter der Verkehrspolizei.

An der Anschlussstelle Sindelsdorf verließ sie die Autobahn und fuhr auf der B 472 Richtung Bad Tölz. Zwei junge Landwirte, denen das Schlangenlinien fahrende Fahrzeug aufgefallen war, informierten die Polizei und setzten sich bei Bichl mit ihrem Auto einige Zeit vor den demolierten Wagen, der unterwegs einige Karosserieteile verlor. „Wir haben versucht, den Gegenverkehr zu warnen“, erklärte einer der beiden Zeugen. Trotzdem wäre es am Ortsausgang von Bad Heilbrunn fast zu einem Zusammenstoß gekommen. Der Polo fuhr ohne Licht und funkensprühend auf die Gegenfahrbahn, ein entgegenkommender Benediktbeurer konnte mit seinem Wagen gerade noch ausweichen.

Wenig später endete die Fahrt kurz vor dem Blomberg im Straßengraben. Die 57-Jährige war nur leicht verletzt, aber kaum ansprechbar, wie die Zeugen berichteten, die die Frau aus dem rauchenden Auto gehoben hatten. Eine Blutentnahme knapp zwei Stunden nach dem Unfall ergab einen Wert von 1,77 Promille Alkohol. Der wahrscheinliche Promillewert zum Unfallzeitpunkt lag laut Rechtsmedizinerin bei gut zwei Promille. „Von einer erheblichen Verminderung der Steuerungsfähigkeit muss man sicher ausgehen“, so die Sachverständige.

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Geldstrafe von 170 Tagessätzen zu je 60 Euro (gesamt 10 200 Euro) wegen fahrlässiger sowie vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht. Richter Helmut Berger wertete die Sache als fahrlässigen Vollrausch. Er verurteilte die Münchnerin zu 90 Tagessätzen à 60 Euro und entzog ihr den Führerschein für noch zehn Monate, insgesamt eineinhalb Jahre. Der bei der Verhandlung beruflich verhinderte Ehemann hatte dem Gericht schriftlich mitgeteilt: „Wir sind uns wieder nähergekommen und haben beschlossen, einen Neuanfang zu machen.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf dem Stehpaddel-Brett  - wie der Penzberger André Wacke die Loisach säubert
Die Loisach ist mit 113 Kilometern ein eher kurzer Fluss. Die Müllmengen, die darin schwimmen, sind aber enorm, auch wenn man sie auf den ersten Blick nicht sieht. Der …
Auf dem Stehpaddel-Brett  - wie der Penzberger André Wacke die Loisach säubert
Vorentscheid zum Grand Prix der Volksmusik: Musiker freuen sich über Lob von Ernst Hutter 
Er ist so etwas wie der „König“ der Blasmusik: Ernst Hutter. Beim Vorentscheid zum Grand Prix der Blasmusik im Festzelt in Lenggries zeigte er sich beeindruckt vom …
Vorentscheid zum Grand Prix der Volksmusik: Musiker freuen sich über Lob von Ernst Hutter 
In Bad Tölz: B 472 wird nachts halbseitig gesperrt
Auf der B472 bei Bad Tölz stehen erneut Bauarbeiten an. Dieses Mal wird aber nur nachts gesperrt.
In Bad Tölz: B 472 wird nachts halbseitig gesperrt
Wanderer stürzt am Herzogstand vor den Augen seiner Frau in die Tiefe 
Vor den Augen seiner Frau ist ein Wanderer (76) am Herzogstand tödlich verunglückt. Der Mann verlor am Wegesrand sein Gleichgewicht als ein Versorgungsfahrzeug …
Wanderer stürzt am Herzogstand vor den Augen seiner Frau in die Tiefe 

Kommentare