+

Fall vor dem Amtsgericht

30 Kilometer Heimfahrt mit zwei Promille

Wackersberg/Wolfratshausen – Deutlich mehr Glück als Verstand hatte ein Wackersberger (28), als er sich am 14. Mai dieses Jahres betrunken hinters Steuer seines VW Golf setzte. Mit knapp zwei Promille Alkohol im Blut schaffte er es zwar unfallfrei von Irschenberg nach Wackersberg. Dennoch landete der Mann vor dem Schöffengericht.

Dass er unterwegs im Rückwärtsgang auf ein ihn verfolgendes Fahrzeug zusteuerte, wertete die Staatsanwaltschaft als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Das stellt einen Verbrechenstatbestand dar, der am Amtsgericht gleich drei Richter auf den Plan rief. Am Ende kam der Mann aber mit einer Geldstrafe davon.

Der Angeklagte zeigte sich reuig. „Das war total verantwortungslos“, sagte er. An die wilde Fahrt, die er in jener Nacht hingelegt hatte, fehlte ihm jedoch weitgehend die Erinnerung. Er sei auf dem I-Rock-Festival am Irschenberg gewesen und habe dort eigentlich bei einem Spezl übernachten wollen. Warum er sich gegen drei Uhr in der Früh anders entschieden hatte, konnte er nicht erklären. Nach „fünf Halben und ein, zwei Wodka-Orange“ habe es ausgesetzt. „Ab da weiß ich nix mehr.“ Das nächste, was er wahrgenommen habe, sei das Blaulicht der Polizei bei ihm Zuhause gewesen.

Ein Zeuge, der dem Beschuldigten bis vor die Haustür gefolgt war, brachte Licht ins Dunkel der berauschten Nacht. „Zwischen Thalham und Miesbach stand er leicht quer auf der Straße“, schilderte der 33 Jahre alte Mitarbeiter einer Security-Firma die erste Begegnung mit dem Wackersberger. „In Miesbach fuhr er das erste Mal über eine rote Ampel“, so der Zeuge. In Schlangenlinien sei der Angeklagte dann weiter gefahren, dabei immer wieder auf die Gegenfahrbahn geraten. Mitunter habe er Mühe gehabt, ihm zu folgen. Und ein, zwei Mal habe er gedacht, „jetzt kracht’s“, so der Zeuge, „zum Glück war in der Nacht wenig Verkehr.“

Kurz vor Wackersberg wäre es dann beinahe zum Zusammenstoß gekommen. Als der Angeklagte am Sportplatz anhielt, wollte der Verfolger ihn mit seinem Pkw blockieren. Dann habe der Wackersberger plötzlich zurückgesetzt, „etwas zügiger, aber ohne durchdrehende Reifen“. Weil der Zeuge ebenfalls schnell den Rückwärtsgang eingelegt hatte, gab es nur eine leichte Berührung.

Das bewahrte den Angeklagten vermutlich vor einer drastischeren Strafe. Das Schöffengericht wertete das Zurücksetzen lediglich als fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und verurteilte den bis dato strafrechtlich unbescholtenen Wackersberger zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 60 Euro (der Staatsanwalt hatte acht Monate Gefängnis mit Bewährung beantragt). Dabei kam dem Mann zu Gute, dass er nach dem Vorfall ein Alkohol-Abstinenzprogramm begonnen hatte und durch Urintests nachgewiesen hat, dass er seit dem 20. Mai dieses Jahres auf Alkohol verzichtet. Außerdem hat er bereits einen Caritas-Kurs zur MPU-Vorbereitung begonnen. Auf seinen Führerschein, den ihm die Polizei gleich an Ort und Stelle abgenommen hatte, muss der Verurteilte noch mindestens weitere zehn Monate verzichten.

Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hansjörg Albrecht spielt „Ring ohne Worte“ ein
Hansjörg Albrecht, der Künstlerische Leiter der Tölzer Orgelfesttage, hat den „Ring ohne Worte“ eingespielt.  Es handelt sich um eine Symphonische Dichtung mit …
Hansjörg Albrecht spielt „Ring ohne Worte“ ein
Europas größter Traktor steht in Bichl
Die Firma von Benedikt Ley arbeitet jetzt mit einem Fendt Vario 1050 und engagiert sich im Zentrum für Umwelt und Kultur.
Europas größter Traktor steht in Bichl
Geburtshilfe-Partnerschaft? Starnberg „ist ernsthaft interessiert“
Um die Geburtshilfe an der Wolfratshauser Kreisklinik dauerhaft zu sichern, ist ein starker Partner notwendig. Nun scheint einer in Aussicht zu sein.
Geburtshilfe-Partnerschaft? Starnberg „ist ernsthaft interessiert“

Kommentare