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Traumhafter Wintertag: Für einen Urlauber hatte ein Blomberg-Ausflug jetzt ein Nachspiel vor Gericht. 

Amtsgericht

Kopfstöße am Rodellift

Wackersberg - Eine Rangelei in der Warteschlange am Blomberglift hat ein 39-Jähriger nicht nur mit einem gebrochenen Nasenbein bezahlt. Zusätzlich wurde er jetzt auch noch zu einer Geldstrafe verurteilt.

Ein Rodelausflug zum Blomberg hatte für einen Urlauber aus Mannheim schmerzhafte Folgen. Bei einem Streit am Lift erhielt der Finanzwirt (39) zwei Kopfstöße. Dadurch wurde ihm das Nasenbein gebrochen. Nun musste sich der Geschädigte selbst wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten. Mit einem Schubser soll er die Rangelei am 7. Februar vorigen Jahres ausgelöst haben. Er wurde zu 675 Euro Geldstrafe verurteilt.

Der Angeklagte bestritt den Schubser nicht. Vorangegangen war ein banales, gleichwohl ärgerliches Vordrängeln eines jungen Burschen, der die Menschenschlange am Lift einfach rechts überholte. „Ich habe nur gesagt: Das Ende der Schlange ist hinter uns.“ Der Drängler habe geantwortet: „Halt’s Maul, Du Wichser“ und sich weiter vorgekämpft. „Dann habe ich ihn von hinten an der Schulter geschubst“, räumte der Beschuldigte ein. Kurz darauf sei der Bruder des Dränglers dazugekommen und habe angefangen herumzuschreien. Bald gab ein Wort das andere. Und als er glaubte, die Sache sei erledigt, kam der erste Kopfstoß, schilderte der Angeklagte. „Weil ich auch da noch nicht klein beigegeben habe, kriege ich kurz darauf noch einen Kopfstoß“, sagte der Angeklagte. „Wenn ich die Klappe gehalten und gekuscht hätte, wäre wahrscheinlich nichts passiert.“

Diese Vermutung bestätigte der ermittelnde Polizeibeamte. Auf seine Frage, was los war, habe der Schläger, der im Tatzeitraum in München wohnte, geantwortet: „Ich musste ihm einen zweiten Kopfstoß geben, weil er nicht die Fresse gehalten hat.“ Die zwei Brüder waren erheblich alkoholisiert. Nach Aussage des Jüngeren waren sie auf einem Geburtstagsausflug und hatten bereits ab dem frühen Morgen mit dem Trinken angefangen. Ein Atemalkoholtest am Nachmittag gegen 15 Uhr ergab bei dem Älteren, der die Kopfstöße verteilt hatte, 1,8 Promille, sein jüngerer Bruder hatte mit 1,6 Promille kaum weniger Alkohol im Blut. Beim Angeklagten wurden 0,1 Promille gemessen.

Zum Verhängnis wurde dem Mannheimer, dass er die Sache nicht frühzeitig einfach auf sich beruhen ließ, sondern den Angreifer weiter provozierte indem er nach dem ersten Kopfstoß entgegnet hatte: „Meinst Du, das hat’s mir jetzt gegeben?“ – „Ich wollte keine Schwäche zeigen“, sagte der Angeklagte. „Das war nicht schlau. Die Rechnung habe ich ja bekommen.“

Dass er dafür jetzt auch ein zweites Mal büßen sollte, sah er nicht ein. Richter Helmut Berger regte an, das Verfahren gegen Zahlung eines Geldbetrags an einen gemeinnützigen Verein einzustellen. Der Angeklagte lehnte dies ab. „Ich habe mir lediglich Gehör verschaffen wollen. Dann müsste man jeden Schubser bestrafen“, ereiferte er sich. Berger verurteilte ihn wegen „einer Tat im untersten Bereich dessen, was als Körperverletzung anzusehen ist“, zu 15 Tagessätzen zu je 45 Euro (die Staatsanwältin hatte 40 Tagessätze beantragt).

Neben dem Mannheimer sollte auf der Anklagebank eigentlich der Mann sitzen, der ihm die Nase demoliert hatte. Doch der 31-Jährige erschien nicht vor Gericht. Gegen ihn wird demnächst erneut verhandelt.

Rudi Stallein

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