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Das Mehrgenerationenhaus in Wackersberg nimmt Gestalt an

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Von: Melina Staar

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Über den Baubeginn des Mehrgenerationen-Wohnhauses freuen sich (v. li.) Fördervereins-Vorsitzender Gerhard Grasberger, Architekt Martin Schneider, Thomas Schneider (ausführende Rohbaufirma), Bauleiter Konrad Fichtner und Bürgermeister Alois Bauer. © mk

Es ist ein Vorzeigeprojekt, das jetzt immer mehr Gestalt annimmt: das Mehrgenerationenhaus in Oberfischbach. Jetzt wird eine passende Gemeinschaft gesucht.

Wackersberg – Die Erdarbeiten sind abgeschlossen, jetzt wurde mit der Bodenplatte begonnen. In Oberfischbach entsteht zurzeit ein Haus, das in der Region seinesgleichen sucht. Es ist ein Projekt gegen die zunehmende Vereinsamung älterer Menschen und gegen die abnehmende Hilfsbereitschaft untereinander.

Im Wackersberger Mehrgenerationenhaus sollen ältere Menschen und junge Familien gemeinsam unter einem Dach leben – verteilt auf 21 Wohnungen. Es wird Gemeinschaftsräume geben, in denen verschiedene Aktivitäten stattfinden können: Vom Stricktreff über Yogastunden bis hin zu Geburtstagsfeiern.

Die Gemeinde will sich hier auf eigenem Grund dem Zeitgeist entgegenstellen, wie Bürgermeister Alois Bauer sagt. „Wir wollen erreichen, dass die Menschen, die dort wohnen, füreinander da sind.“ So könnten ältere Personen bei der Kinderbetreuung helfen, Jüngere dafür Unterstützung bei den Einkäufen leisten oder Fahrten übernehmen. „Wir wollen dort eine gesunde Mischung aus Jung und Alt haben“, sagt Bauer. Die Wohnungen werden den Bedürfnissen entsprechend verteilt.

Geplant ist zudem ein gemeinsamer Gemüsegarten, auch könnten Aufgaben rund ums Haus – wie Winterdienst oder Treppenhaus putzen – auf die Bewohner verteilt werden, um die Nebenkosten niedrig zu halten. Überhaupt steht die soziale Komponente an vorderster Stelle. Die Mietpreise sollen günstig sein.

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Wer einziehen wird, das ist noch offen. Einige Bewerbungen von Alleinstehenden, Alleinerziehenden und Familien liegen bereits vor. Wie die künftigen Mieter ausgewählt werden, „das ist für uns Neuland“, sagt Bauer. „Deshalb wollen wir uns langsam herantasten.“ Hierbei hilft der Förderverein Mehrgenerationenhaus um den Vorsitzenden Gerhard Grasberger.

Der Förderverein war ursprünglich nur für das Mehrgenerationenhaus im Franziskuszentrum in Bad Tölz zuständig. Nach einer Satzungsänderung wurde beschlossen, sich auch mit dem Thema „Mehrgenerationenwohnen“ auseinanderzusetzen. „Wir haben mehrere Häuser besucht und einen guten Eindruck bekommen“, erklärt Grasberger. 2014 kam es zum ersten Kontakt mit der Gemeinde Wackersberg. „Es war die einzige Gemeinde, die einen ähnlichen Gedanken wie wir bereits gehegt hatte und das Projekt für gut befanden.“ In einem Architektenwettbewerb wurde der passende Entwurf erarbeitet.

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Zentral sind für Grasberger die genannten Gemeinschaftsräume, die in einem Pavillon neben dem Haus untergebracht sind. „Wichtig ist, dass auch die umliegenden Bewohner am Burgstein einbezogen werden.“ So könnten etwa Senioren aus der Nachbarschaft zum Kaffeetrinken in den Pavillon kommen und sich dort austauschen.

Obwohl es noch bis ins Frühjahr 2020 dauern wird, ehe die ersten Personen ins Mehrgenerationenhaus einziehen können, werden jetzt schon geeignete Mieter gesucht. Nach Vorgaben der Gemeinde sollen dies möglichst Bürger der Gemeinde Wackersberg oder des Isarwinkels sein. „Sie müssen einen Bezug zu Wackersberg haben“, sagt Alois Bauer. Gerhard Grasberger und der Freundeskreis hingegen haben ein Mitspracherecht, wenn es darum geht, ob die Bewerber zum Mehrgenerationengedanken passen.

Dafür ist geplant, dass sich alle Interessierten und Bewerber regelmäßig treffen, um bereits im Vorhinein eine Gemeinschaft zu bilden. „Wir haben da ein schönes Beispiel erlebt, als wir uns ein Mehrgenerationenwohnen in Regensburg angeschaut haben“, sagt Grasberger. Eine 80-Jährige habe gesagt, es sei so schön gewesen, dass sie beim Einzug bereits alle Leute kannte. „Sie sei nicht in ein fremdes Haus gezogen.“

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Es sei aber ganz offen, wie sich die Gemeinschaft entwickle. Auch werde nicht eine bestimmte Stundenanzahl an Leistungen pro Monat erwartet. „Es muss freiwillig sein. Jeder soll sich nach seinen Fähigkeiten und Neigungen einbringen.“ Durch die regelmäßigen Treffen wolle man heraufinden, wer passt.

Eine Informationsveranstaltung ist für Mittwoch, 21. November, um 19 Uhr im Wackersberger Rathaus geplant. Eingeladen sind alle, die Interesse am Mehrgenerationenwohnen haben und in Wackersberg oder dem Isartal ansässig sind.

Weitere Informationen

zum Projekt gibt es auf der Internetseite mgh-foerderverein.de

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