Christine Oswald ist sauer: Immer wieder kommt es vor, dass Radfahrer das Gatter an ihrer Weide aufmachen und danach offen stehen lassen.
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Christine Oswald ist sauer: Immer wieder kommt es vor, dass Radfahrer das Gatter an ihrer Weide aufmachen und danach offen stehen lassen.

Rowdy-Radler terrorisieren Bauern

„Ich darf das, ich komme aus München“: Landwirte berichten von verstörenden Szenen mit total respektlosen Radlern

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Landwirte aus dem Landkreis sind genervt: Immer wieder kommt es zu Konflikten mit Radfahrern, die Absperrungen nicht respektieren, querfeldein fahren und Wirtschaftswege blockieren.

  • Bei einer Radtour kann man die herrliche Landschaft im Oberland genießen - dieser Freizeitsport erfreut sich größerer Beliebtheit denn je.
  • Doch einige wenige, die sich dabei rücksichtslos verhalten, geraten dabei in Konflikt mit örtlichen Bauern.
  • Landwirte beklagen, dass zum Beispiel immer wieder Weidegatter aufgemacht werden und dann offen stehen bleiben oder dass Radfahrer Hinweise auf Privatgrund nicht respektieren.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Radfahren liegt im Trend – in Corona-Zeiten, in denen viele Menschen den „Urlaub dahoam“ verbringen, mehr denn je. Doch dort, wo Freizeitsportler die Rücksichtnahme vergessen, kommt es auch immer wieder zu Konflikten. „Das Verhalten mancher Radfahrer, bringt die Bauern zum Verzweifeln und erschwert ihnen die tägliche Arbeit enorm“, sagt Kreisbäuerin Ursula Fiechtner.

Die Milchbäuerin Sabine Sanner aus Benediktbeuern berichtet, dass viele Ausflügler mit ihren Fahrrädern querfeldein über landwirtschaftliche Nutzfelder gehen und fahren. „Die Landwirte bewirtschaften die Flächen, wir halten uns hier an staatliche Auflagen im Sinne von Artenschutz und gleichzeitig müssen wir dann so etwas beobachten. Selbst behördlich aufgestellte Hinweisschilder werden ignoriert“, berichtet Sanner und sagt: „Es werden Weidegatter geöffnet, was oft nicht ganz einfach ist, und dann auch offen gelassen.“

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Das habe zur Folge, dass das Vieh ungehindert die Weidefläche verlassen kann. „Bei uns am Moos verläuft die Bahnlinie, unweit die Bundesstraße, und dass Kühe Menschen angreifen können, ist auch allseits bekannt“, sorgt sich die Bäuerin.

Auch der Landwirt Franz Sindlhauser aus Benediktbeuern beklagt diesen Konflikt.

„Es gibt auch Vernünftige, keine Frage, aber wir beobachten immer wieder, dass Fahrradfahrer keine Notwendigkeit sehen, auf die Seite zu treten, wenn man mit landwirtschaftlichen Maschinen fährt.“

Das sei vor allem im Moor ein Problem, denn hier seien viele Wirtschaftswege zu schmal, um beim Überholen den erforderlichen Abstand zu halten. „Dann kommen wir einfach nicht mehr vorwärts, und viele weichen nicht aus“, ärgert er sich. Seine Tochter sei sogar einmal mit dem Traktor in den Graben gefahren, weil ihr entgegenkommende Radfahrer nicht auswichen.

Christine Oswald, die in Jachenau-Sachenbach eine Rinderaufzucht betreibt, sagt zum Thema Radfahrer: „Wir werden förmlich überrannt.“ Ein großes Problem sei, dass sich immer weniger Radfahrer an die Beschilderung als Privatgrund respektieren würden. „Die fahren uns das hohe Gras zam, und wir können nicht mehr alles mähen“, klagt Oswald. Zusätzlich sei noch mehr Aufmerksamkeit beim Fahren der Maschinen geboten. „Die kommen von allen Richtungen mit ihren Downhills angebrettert, aber wenn etwas passiert, sind wir schuld.“

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Familie Oswald vermietet auch Ferienwohnungen. „Wir versuchen, unsere Gäste für dieses Konfliktpotenzial zu sensibilisieren“, erklärt Christine Oswald. „Aber das Problem bleibt einfach, dass es zu viele sind und zu wenige Einsicht zeigen.“ Es ärgere einen schon enorm, wenn man sich Sätze anhören müsse wie: „Ich darf das, ich komme schließlich aus München.“

Sabrina Urban aus Eurasburg schildert ebenfalls, dass sie mit den landwirtschaftlichen Geräten nicht mehr auf den Wirtschaftswegen durchkomme. „Wir würden am Wochenende auch gern frei machen und radeln gehen, aber das geht nun mal mit einem Bauernhof nicht“, sagt sie. Ihr sei es in den vergangenen Wochen öfter passiert, dass Freizeitsportler ihr den Mittelfinger gezeigt hätten. „Ich kann das Bedürfnis nach Natur und Urlaub daheim verstehen, aber dazu braucht es auch ein bisschen Toleranz gegenüber den Landwirten, die nicht zuletzt auch diese Landschaft pflegen und bewirtschaften“, sagt Urban.

Vor allem das Öffnen der Weidegatter bereitet ihr große Sorgen. „Wir haben auch einen Stier, da kann ich für nichts garantieren, wie der reagiert, wenn jemand in seine Weide eindringt und mit den Rädern an ihm vorbeifährt.“ Selbst über Stacheldrahtzäune würden manche Ausflügler samt Rad steigen, habe sie des Öfteren beobachten müssen. „Die schrecken vor gar nichts mehr zurück.“

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