„Kaffee und Bier“im Arzbacher „Kramerwirt“: Stefan Leonhardsberger (li.) und Stephan Zinner boten den lang vermissten Kulturgästen eine luftig-launige Musiklesung zu bayerisch-österreichischer Wirtshauskultur.
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„Kaffee und Bier“im Arzbacher „Kramerwirt“: Stefan Leonhardsberger (li.) und Stephan Zinner boten den lang vermissten Kulturgästen eine luftig-launige Musiklesung zu bayerisch-österreichischer Wirtshauskultur.

Kultur

Musikalische Lesung „Kaffee und Bier“ im „Kramerwirt“ bringt Leichtigkeit zurück nach Arzbach

  • VonInes Gokus
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Endlich wieder Kultur: Die Veranstalter Sabine und Stefan Pfister vom „KKK“ haben wieder „aufgesperrt“ und begrüßten am Dienstag 70 coronakonforme Gäste im Saal des Arzbacher „Kramerwirts“.

Arzbach - Die Schauspieler und Kabarettisten Stephan Zinner und Stefan Leonhardsberger präsentierten mit ihrem Programm „Kaffee und Bier“ Locker-Luftiges aus den Stätten der Kaffeehaus-Literaten und Wirtshaus-Philosophen, fein austariert zwischen launig, gedankenvoll, irrwitzig und hintersinnig. Trotz schwüler Temperaturen unter der Maske waren die Zuschauer voll dabei und erklatschten sich am Ende auch noch ein paar Zugaben. „Habt’s es ned verlernt“, lobten die Künstler, die, wie sie berichteten, während der Pandemie mit Kindern und Teddybären nur ein „lausiges Publikum“ zur Verfügung hatten.

Von Kaffeehaus-Literaten und Wirtshaus-Philosophen

Umso mitreißender war die Verve, mit der sie sich an diesem Abend ins Zeug legten und sich gegenseitig die Stichworte für ihre Frotzeleien und Geschichten zuwarfen. Vom Drogenhund Jürgen, der an der österreichischen Grenze den Südtiroler Speck aus dem Kofferraum verschlang, über die „österreichische Rauschbegrifflichkeit“ der Trunkenheitsgrade, wie „Damenspitz“, „Fahndl“ oder „Fetzn“, bis hin zur Musical-Story vom Polizeipferd auf Weltreise war die Themenpalette rund um Kaffee und Bier recht geräumig, um nicht zu sagen ausufernd. Dazu kamen kurze, knackige Texte mit Rauschgeschichten, verfasst von Dichtern wie Karl Kraus, Anton Kuh, Gerhard Polt, Wilhelm Busch oder – ganz zeitgenössisch – von Markus H. Rosenmüller zu Gehör, aber auch selbst geschriebene Werke. Mit pointierter Gestik, Mimik und prägnanten Stimmlagen szenisch dargeboten, charmant dem Publikum zugewandt und mit einer Portion Selbstironie boten die beiden eine runde und herzerwärmende Leseshow.

Stephan Zinner und Stefan Leonhardsberger bringen lang ersehnte Leichtigkeit zurück

Inmitten dieser staatenübergreifenden Melange mit dem gemeinsamen Motiv des Wirtshaus-Sitzens gab es auch Musik zum Mitswingen. Beide Künstler sind nicht nur im Schauspiel, sondern auch gesanglich versiert. Und so war zwischen „Wenn der Wiener an Schaas losst, macht der Herrgott scheens Weda, und die Engerl schnuppern dazua“ oder dem Lied vom Mann, der manchmal einfach nur stumm in der Wirtsstube sitzen will, auch hier so einiges geboten an älterem und eigenkomponiertem Liedgut. Einen schöneren Einstieg in eine hoffentlich stabile Kultursaison hätte man sich nicht wünschen können. Denn wenn die Menschen jetzt etwas brauchen, dann sind es Leichtigkeit und gepflegter Unsinn, den man ohne Nebenwirkungen genießen darf. Oder, frei interpretiert wie in den „Schlussaphorismen“ des Abends: „Die schönsten Dinge erlebt man bereits in der Gegenwart als Vergangenheit.“

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