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Rodeln am Blomberg: Gäste sollten sich vorab über Schwierigkeitsgrad und Streckenzustand der gewählten Piste informieren . 

Gespräch mit dem Bahnbetreiber

Nach Rodelunfall am Blomberg: Ursache „rätselhaft“

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Nach dem schweren Rodelunfall am Dienstag am Blomberg herrscht große Betroffenheit. „Wir alle hier waren zutiefst schockiert, der Unfall hat das ganze Team sehr mitgenommen“, sagt Hannes Zintel, Geschäftsführer der Blombergbahn. „Unser Mitgefühl und unsere Gedanken sind bei der Familie.“

Wackersberg/Lenggries– Am Mittwoch teilte die Polizei weitere Einzelheiten zu dem Unfall mit. Demzufolge war der Teenager um 11 Uhr losgerodelt, kam aber nicht im Tal an. Nach erfolgloser Suche durch die Familie sei bei der Polizei um 14.25 Uhr die Mitteilung eingegangen, dass der Bub vermisst wurde. Gefunden wurde er um 15.22 Uhr. „Im nahe der Bahn steil abfallenden Gelände muss er mit dem Kopf auf einen der zahlreichen dort befindlichen Steine gefallen sein“, sagt Inspektionschef Bernhard Gigl. „Seine schweren Kopfverletzungen sind nach wie vor besorgniserregend.“ Einen Helm hatte der Bub nicht getragen.

Wie genau es zu dem Unfall kommen konnte, ist derzeit unklar, die Polizei ermittelt noch. Für Hannes Zintel ist das Geschehen „rätselhaft“. Der 13-jährige Bub, ein Engländer, war auf einer „schwarzen Piste“ unterwegs. Das bedeutet, dass diese Rodelabfahrt als schwierig eingestuft ist. Die Stelle, an der der Jugendliche von der Strecke abkam und eine Böschung hinunterstürzte, birgt aus Zintels Sicht aber eigentlich kein Gefahrenpotenzial. „Auf diesem Stück geht’s schnurstracks geradeaus, da ist kein Huppel und nichts.“ Dementsprechend gibt es hier auch keinen Zaun. Von der Bergwachthütte aus hatte der 13-Jährige demzufolge nicht nicht einmal die erste Kurve, die „Gustavkurve“, erreicht.

Allgemein sei die gesamte Rodelstrecke „frisch präpariert“ gewesen, versichert Zintel. „Es war an diesem Tag relativ warm, die Strecke war gut befahrbar, eher stumpf und langsam, streckenweise sogar ziemlich sulzig.“ An eisigen Tagen, wie sie etwa im Januar 2017 vorherrschten, kann die Rodelbahn auch hart und schnell sein. „Das war am Dienstag gar nicht der Fall“, sagt Zintel. Rund 300 Besucher seien am Dienstag mit dem Lift auf den Blomberg gefahren, Beschwerden über den Zustand der Rodelpiste habe es keine gegeben, geschweige denn weitere Unfälle.

Das Thema Sicherheit hat man am Blomberg schon lange auf dem Schirm. In den vergangenen Jahren habe er dafür eine Summe im sechsstelligen Bereich investiert, erklärt der 40-jährige Unternehmenschef: in Fangzäune, die bauliche Entschärfung gefährlicher Kurven, Prallschutz-Vorrichtungen sowie in drei Spezialfahrzeuge, mit denen die Abfahrt präpariert wird. Mitarbeiter würden jeden Morgen vor Betriebsstart die Strecke abfahren und kontrollieren. „Wir tun alles, was wir können“, beteuert Zintel. „Letztlich bleibt es aber eine Sportart, bei der etwas passieren kann – ich vergleiche es mit dem Fahrradfahren.“

Ob die englische Familie, zu der der 13-Jährige gehört, erfahrene Rodler oder Anfänger sind, ist nicht bekannt. Zintel weiß nur, dass sie schon bei ihrer Ankunft am Vormittag im Besitz einer Zehnerkarte und somit vermutlich nicht zum ersten Mal zu Gast am Blomberg war.

Zintel betont, dass alle Gäste an der Kasse und auf Hinweisschildern darüber informiert werden, dass es mehrere Strecken verschiedener Schwierigkeitsgrade gibt: leicht, mittel und schwer. Den Besuchern werde empfohlen, mit der leichten Strecke anzufangen oder zuerst einmal ganz unten den Übungshang hinunterzurutschen. „Auf die Frage: ,Kann ich da runterfahren?‘ kann ich den Gästen aber immer nur sagen, was sie erwartet“, sagt Zintel. „Manchmal zischt ein Vierjähriger auf einer Piste runter wie nix, und ein gestandenes Mannsbild ist überfordert.“

Augenmerk auf die Sicherheit legt man auch bei einer anderen beliebten Rodelstrecke im Isarwinkel: an der Reiseralm in Lenggries. Wirtin Kerstin Oswald berichtet, dass ihr Mann Alois täglich die Rodelstrecke kontrolliere. „Wenn es irgendwo zu glatt ist, raut er die Stelle auf, und wenn es wirklich eisig ist, streut er dort, und die Rodelbahn wird gesperrt“, sagt sie. Die Strecke an der Reiseralm ist mit 1,6 Kilometern allerdings auch relativ kurz und „nicht so steil“, wie Kerstin Oswald sagt. Aus den zwölf Jahren, die sie auf der Reiseralm ist, sei ihr kein Unfall in Erinnerung.

Video: So beugen Sie Schlitten-Unfällen vor

Video: Glomex

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