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Die Gefahrenstelle: Die Einmündung der Benediktbeurer Straße in die B472 (Nähe "Treibhaus").

Bundesstraße 472

Nach tödlichem Unfall: Diskussion um Gefahrenstelle

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Wackersberg - Nach dem schweren Unfall am Freitag, bei dem zwei Menschen auf der B472 ihr Leben verloren haben, fordern zahlreiche Leser auf der Facebook-Seite des Tölzer Kurier, die Gefahrenstelle zu entschärfen und Senioren regelmäßig auf ihre Fahrtauglichkeit hin zu überprüfen. Dabei muss die Tragödie laut Polizei nichts mit dem Alter zu tun gehabt haben.

Dass die Diskussion um die Fahrtauglichkeit von Senioren aufbranden würde, war Polizei-Chef Bernhard Gigl klar, als er das Alter des Fahrers gesehen hat: 80 Jahre zählte der Mann aus Steinhöring, der am frühen Freitagnachmittag den Mercedes Vito eines Bichlers übersehen hat, als er von der Benediktbeurer Straße kommend nach links auf die B 472 abbiegen wollte. Wie berichtet, hatten der 80-Jährige und seine sechs Jahre ältere Beifahrerin aus München bei dem Zusammenstoß keine Chance: Sie starben noch am Unfallort, der Bichler (28) liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Ob es allerdings wirklich am hohen Alter des Fahrers lag, dass der Senior den Mercedes offenbar gar nicht oder erst zu spät erkannt hat, ist laut Gigl nicht gesagt. „Das hätte wirklich jedem passieren können“, betont der Leiter der Polizeiinspektion Bad Tölz. „Das geht schneller, als man denkt.“ Zumal die Unfallstelle ohnehin sehr unübersichtlich und damit gefährlich sei: „Im Prinzip muss man gleich drei Fahrtrichtungen im Blick haben“, sagt der Beamte mit Blick auf die beiden Fahrbahnen, zu der sich an dieser Stelle auch noch eine Linksabbiegespur Richtung Steinsäge gesellt.

Ein weiterer Punkt, der die Aufmerksamkeit des 80-Jährigen im entscheidenden Moment unterbewusst zusätzlich abgelenkt haben dürfte, war Gigl zufolge der Lkw, der zum Unfallzeitpunkt in der schräg gegenüberliegenden Parkbucht stand. Ob auch den Bichler eine Teilschuld an dem Unglück treffen könnte, weil er eventuell schneller als die erlaubten 70 Stundenkilometer unterwegs war, darüber will sich Gigl kein Urteil erlauben. Die Staatsanwaltschaft habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sich unter anderem mit dieser Frage beschäftigen werde.

Fakt ist, dass die Bundesstraße an dieser Stelle auch deshalb als sehr gefährlich gilt, weil sich viele Verkehrsteilnehmer nicht an das Tempolimit dort halten. Entsprechend oft wird kontrolliert. „Die Beanstandungsquote ist enorm hoch“, weiß Gigl. Soll heißen: An dieser Stelle blitzt es ungewöhnlich oft. Den Negativrekord hält nach Angaben des Polizeichefs ein Autofahrer, der mit einer Spitzengeschwindigkeit von 145 Stundenkilometern unterwegs war – also mehr als doppelt so schnell wie erlaubt. Vor diesem Hintergrund ist bislang vergleichsweise wenig passiert: „Seit dem 1. Januar 2015 sind uns nur zwei Unfälle mit einem beziehungsweise zwei Leichtverletzten bekannt“, berichtet Gigl.

Auch das Staatliche Bauamt in Weilheim hatte die Einmündung der Benediktbeurer Straße in die B 472 bislang nicht als Unfallschwerpunkt auf der Agenda. Das soll sich nun ändern: „Wir werden uns des Themas annehmen“, verspricht Michael Kordon, der den Bereich Straßenbau leitet. Zusammen mit der Polizei und Vertretern des Landratsamtes soll in den kommenden Wochen der Unfall analysiert und eventuell Maßnahmen ergriffen werden, um die Gefahrenstelle zu entschärfen. Ob tatsächlich ein Kreisverkehr, wie ihn etliche User im Internet fordern, die passende Lösung für das Problem ist, kann der Experte vor einer Analyse der Sachlage nicht abschätzen. „Wenn etwas passiert, rufen viele sofort reflexartig nach einem Kreisverkehr“, sagt Kordon. Doch auch die seien kein Allheilmittel.

Viel wichtiger wäre es seiner Meinung nach, dass alle Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nehmen und sich an die bestehenden Tempolimits halten. „Das 70er-Schild steht da nicht, weil es jemand vergessen hat“, sagt Kordon. „Das hat schon seinen Grund.“

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