Hubschraubereinsatz unterhalb des Kirchsteins: Hier kommt ein Teil des Dachstuhls für die neue Probstalm geflogen.
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Hubschraubereinsatz unterhalb des Kirchsteins: Hier kommt ein Teil des Dachstuhls für die neue Probstalm geflogen.

Projekt nach langer Vorbereitung fertig

Neues Schmuckstück am Fuß des Kirchsteins: Probstalm-Umbau abgeschlossen

Viele Hüttensanierung ziehen große Aufmerksamkeit auf sich. Eher unbemerkt ging heuer der Umbau der Probstalm über die Bühne. Jetzt ist das Projekt abgeschlossen.

Arzbach – Der Besuch von Alpenvereinshütten unterlag im zu Ende gehenden Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie massiven Beschränkungen. Diese Zeit haben Alpenvereins-Sektionen auch dazu genutzt, ihre Stützpunkte grundlegend zu sanieren. Wie wir berichteten, hat die Sektion Tölz den Umbau ihrer „Tölzer Hütte“ am Schafreuter begonnen und die Sektion Oberland (München) nach vierjähriger Bauzeit den Umbau der „Falkenhütte“ unterhalb der Lalidererwand abgeschlossen.

Eher unbemerkt von der Öffentlichkeit fand heuer auch der Umbau der Probstalm statt, einer sektionseigenen Selbstversorgerhütte der Sektion München. Die Probstalm liegt in 1376 Meter Höhe abgelegen im Talschluss des Längentals und wird von den Felsabstürzen des Kirchsteins, der Achselköpfe und der Probstenwand eingerahmt. Im Besitz des Alpenvereins befindet sie sich seit 1930. Von der Längentalalm aus ist sie nur über einen schmalen Steig zu erreichen, der an einigen ausgesetzten Passagen mit Drahtseilen versichert ist. Es handelt sich also um einen echten Bergsteigerstützpunkt.

Hütte war unter anderem wegen Brandschutz-Mängeln seit 2016 geschlossen

Wegen gravierender baulicher Mängel beim Brandschutz und bei der Wasserversorgung musste die Hütte bereits 2016 geschlossen werden. Der heuer vorgenommenen Sanierung von Grund auf (überwiegend in Holzbauweise) war wegen Naturschutzbelangen ein langwieriger Genehmigungsprozess vorausgegangen, weil zum Beispiel auch die Belange von Birkhühnern, Steinböcken und Alpensalamandern zu berücksichtigen waren.

Der verantwortliche Hüttenreferent Markus Palme aus Bad Tölz berichtet davon, wie zunächst – mit Zustimmung der Landwirte – zwei geeignete Hubschrauberlandeplätze im unteren Längental und bei der Hütte gefunden werden mussten, um die benötigten Baumaterialien und Maschinen zu transportieren: „Die großen Herausforderungen für Architekten und Statiker waren dann die grob gemauerten, schiefen Grundmauern aus Naturstein, die mit einem 3D-Laserscanner vermessen werden mussten.“ Aufgrund der Brandschutzvorschriften habe man die 28 Schlafplätze vom Dachgeschoss in den Bereich des alten Holzlagers verlegen müssen, berichtet der Hüttenreferent.

Modriger Waschraum und Plumpsklos sind verschwunden

Anstelle des modrigen Waschraums und der Plumpsklos wurde ein größerer neuer Anbau mit Komposttoiletten errichtet. Daran schließen sich im Boden verborgen die Anlagen zur Abwassertrennung mit Filterstrecke und Kompostbehälter an. Dabei gab es laut Markus Palme auch Überraschungen: „Beim Aushub der Gräben wurde ein historisches Flaschenlager mit einer Schnapsflasche aus dem Jahr 1918 entdeckt. Ein Arbeiter fand scharfe Munition im Boden, die ein sachkundiger Beamter als ein Relikt amerikanischer Soldaten identifizierte, die das Gebiet zu Übungszwecken genutzt hatten.“

Ende August wurde das neue Dach aus Edelstahl fertig, was die AV-Sektion mit den beteiligten Handwerkern mit einem Hebauf-Fest gefeiert hat. Anschließend wurden die Elektrik erneuert und neue Holzböden verlegt. Wie Pressesprecher Markus Block mitteilt, werden sich die gesamten Baukosten auf rund 500 000 Euro belaufen. „Wenn keine weiteren Überraschungen auftreten, kann die Probstalm als neues Schmuckstück der Sektion München im nächsten Frühjahr für Gäste geöffnet werden“, freut sich Hüttenreferent Palme.

Beteiligte Baufirmen aus dem Isarwinkel

Architekt und Bauleiter Stephan Zehl aus München hat bei dem Bauvorhaben mit Firmen aus dem Tölzer Land gearbeitet: „Die haben alle eine sehr gute Arbeit abgeliefert“, versichert er. Die Handwerker hätten es auch als große Ehre empfunden, an so einer interessanten Baumaßnahme im Gebirge mit ihren besonderen logistischen Anforderungen mitgewirkt zu haben.

Beteiligt an dem Projekt waren die Baufirma Florian Kell, Zimmerei Balthasar Bauer, Spenglerei Wasensteiner, Hofer&Hofer Sanitär, Blitzschutz Demmel und Leichmann sowie die Schreinerei Sanktjohanser. rbe

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