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Auf 2000 Computern können Flüchtlinge dank „Asylplus“ künftig Bildungsangebote und Sprachkurse nutzen. Vereinsvorsitzender Thomas von Rüden und Stellvertreterin Waltraud Haase präsentieren die Laptops bei der Preisverleihung.

„Asylplus“ bekommt oberbayerischen Integrationspreis

Deutsch lernen per Mausklick

Wackersberg – Für das Engagement, Flüchtlingen Deutschkurse zu vermitteln, hat „Asylplus“ den oberbayerischen Integrationspreis erhalten – und plant weiter.

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Diesen Spruch kennt auch Thomas von Rüden, Vorsitzender von „Asylplus“. Daher will der Verein aus Wackersberg Flüchtlinge frühzeitig beim Deutsch-Lernen fördern. Aber nicht mit klassischem Unterricht. „Dafür haben wir nicht genug Lehrer“, sagt von Rüden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Asylbewerber in Bildungsgrad, Vorkenntnissen und Lernfortschritt voneinander unterscheiden. Die Lösung lautet: Online-Sprachkurse.

Knapp 100 mit Computern ausgestattete Lernzentren hat der Verein bereits eingerichtet, großteils im Freistaat. „Wir bekommen aus Bayern die größte Nachfrage“, berichtet von Rüden. Flüchtlinge haben die Möglichkeit, in Schulen, Ausbildungsstätten oder Bibliotheken auf vereinfachtem Weg an Online-Bildungsangeboten teilzunehmen; teils selbstständig, teils mit Unterstützung von Tutoren oder Lehrern. 1500 Computer stehen ihnen dafür in etlichen Institutionen zur Verfügung – hauptsächlich von der Google-Stiftung kostenlos bereitgestellt. 500 weitere erhält der Verein von ihr am heutigen Mittwoch.

Für das große Engagement, das „Asylplus“ seit zwei Jahren an den Tag legt, erhielt der Verein gestern von Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) den oberbayerischen Integrationspreis in der Kategorie Bildung. Vier weitere Initiativen wurden in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Wirtschaft und Bildung ausgezeichnet. In der Dankesrede nannte von Rüden den Preis eine zusätzliche Motivation: „Das ist ein Ansporn für uns, weiterzumachen.“

Entwicklungen gab es bereits. Der Verein bereitet Flüchtlinge inzwischen auch auf das Berufsleben vor. „Häufig fehlt im Wortschatz trotz guter Sprachkenntnisse das fachliche Vokabular“, erklärt Thomas von Rüden. Daher vermittelt „Asylplus“ Flüchtlingen berufsspezifische Online-Sprachkurse. „Wir wollen Perspektiven schaffen.“ Das Potenzial der Menschen solle genutzt werden. Davon profitierten sowohl die Asylbewerber als auch Deutschland, durch die somit bessere Ausbildung von Fachkräften, sagt von Rüden. „Asylplus“ geht hier voran. „Wir sind in Tölz der größte Arbeitgeber für Flüchtlinge. Unsere vier Vereinsmitarbeiter sind ehemals Geflüchtete.“

Einer von ihnen ist Muafaq Al-Mufti aus Syrien. Vor drei Jahren kam er nach Deutschland. Er half beim Aufbau der Lernzentren und ist heute festangestellter Leiter des IT-Supports. Neben den angestellten Mitarbeitern komplettieren etwa 100 Ehrenamtler in den Lernzentren das Team.

Thomas von Rüden will das Projekt weiter ausbauen. IT-Kurse für Flüchtlinge sollen im kommenden Jahr das Angebot des Vereins erweitern. Ebenso eine App, mit deren Hilfe Asylbewerber neben Lesen, Schreiben und Verstehen auch das aktive Sprechen der deutschen Sprache lernen sollen. Die Anfang des Jahres gesteckte Zielanzahl an Lernzentren und Computern wurde längst übertroffen. „Wir setzen sie zwar ambitioniert, aber offenbar noch zu niedrig.“

Michael Grözinger

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