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Zweite Heimat Wackersberg: Pfarrer Leo Sobik aus Boguszowice in Südpolen ist seit 28 Jahren ein Isarwinkler. 

Pfarrer Sobik von Wackersberg wird 70 Jahre alt

„Leo, was suchst du hier?“

Am Sonntag wird der Wackersberger Pfarrer Leo Sobik 70 Jahre alt. Der aus Polen stammende Seelsorger wird der Pfarrei auch die nächsten Jahre erhalten bleiben. 

Wackersberg – Neulich ein Gespräch mit einer Mutter geführt, die nicht unbedingt ständige Gottesdienstbesucherin ist und mit eher skeptischer Haltung auf die Kirche schaut. Aber auf einen Kirchenmann schwört sie, hat bei ihm geheiratet und die Kinder taufen lassen: Pfarrer Leo Sobik von Wackersberg. Er sei ihr stets „so menschlich“ und „ohne jedes Vorurteil“ begegnet: Die Frau war (und ist) begeistert.

Am Sonntag feiert der Wackersberger Pfarrer Leo Sobik seinen 70. Geburtstag und hat sich aus diesem Anlass selbst ein kleines Geschenk gemacht. Am Dienstag war er im Ordinariat in München, wo es um seinen eigentlich fälligen Ruhestand ging. Der ist vorerst passé. Sobik darf ganz offiziell noch einige Jahre in seiner zweiten Heimat bleiben, bevor er nach Polen zurückgeht. „Ich fühle mich ja gesundheitlich wohl“, sagt er in seinem typischen leicht singenden Tonfall. „Der Gedanke an einen bequemen Lebensabend ist mir fremd.“

Und dann erzählt er von seiner Kindheit, seiner Berufung und seiner Ankunft in Wackersberg und bekennt fast ein bisschen schuldbewusst 28 Jahre danach: „Ich saß bei meiner ersten Pfarrgemeinderatssitzung im Neuwirt und dachte bei mir: „Leo, was suchst du hier?“

Schnitt. Zurück an den Anfang: Am 25. Juni 1947 kommt im beschaulichen Boguszowice bei Kattowitz in Südpolen Leo Sobik als vorletztes von neun Kindern zur Welt. Es war eine sehr schwere Geburt. Die Tante, berichtet der 69-Jährige immer noch ein bisschen staunend, habe damals festgestellt: „Nun, entweder der Kleine stirbt und wird ein Engel oder er wird Priester.“ Diese Geschichte erzählte ihm seine Mutter aber erst, als er mit ihr unmittelbar nach der Priesterweihe zusammen im Auto saß. Sie berichtete auch davon, dass sie und ihr Mann 26 Jahre für diese Berufung gebetet haben. „Auf mich eingewirkt haben sie aber nie“, sagt Sobik und entdeckt da auch einen Fingerzeig von oben.

Solcherart Fingerzeige gab es wohl einige im Leben des ab Sonntag 70-Jährigen. Ein engagierter Kaplan machte so viel Eindruck auf den 14-Jährige, dass er von der Berufsschule aufs Lyceum wechselte und im streng kommunistischen Polen mit dem vordergründigen Ziel Romanistik studieren zu wollen, auf das Abitur zusteuerte. Apropos Kommunismus: „Für uns war der Druck des Regimes heilsam und fördernd“, hat er eine ganz eigene Interpretation jener Zeit.

Sobik war „ein guter Schüler, außer Mathe“, ein guter Fußballer (linker Außenstürmer) und vor dem Abitur auch einmal sehr in ein Mädchen verliebt, wie er mit breitem Lächeln erzählt. „Es war aber rein platonisch“, ergänzt er gleich. Sein Weg sei nun ein anderer gewesen. Zweifel gab es auch, als ihn der Bischof nach drei Jahren Priesterseminar ein Jahr in die Welt schickte und er als Rettungsdiensthelfer recht nahe mit Krankheit, Tod und tragischen Schicksalen konfrontiert war. Eine Entfremdung hatte sein damaliger Seminarkollege und heutige Bischof von Kattowitz, Viktor Skworc, schon zuvor durchaus sorgenvoll beobachtet. Er gab dem Regens des Priesterseminars einen Tipp, der dem Zweifelnden beim vorübergehenden Abschied aus dem Priesterseminar etwas kryptisch wissen ließ: „Denke immer daran, dass es irgendwo Menschen gibt, die dich nicht kennen, aber die auf dich warten.“ Sobik überwand die Krise und hat später oft an diese Worte denken müssen – als Neu-Wackersberger.

Eigentlich wollte er ja Missionar werden. Eine Darmerkrankung verhinderte das. Also war der frischgebackene Priester zunächst elf Jahre als Kaplan in verschiedenen Pfarreien der Diözese Kattowitz tätig. Und begegnete – nächster Fingerzeig – irgendwann dem Pfarrer von Sachsenkam, Ewald Schmidt, einem Schlesier, der Hilfstransporte ins damals arme Polen organisierte und ihn eines Tages direkt ansprach: „Komm’ doch zu uns nach Bayern.“ Mit dem Gedanken an Deutschland hatte der schlesischstämmige Sobik selbst schon gespielt, nachdem vier Kollegen „ausgewandert“ waren. 1984 war es soweit. nach sechs Monaten Sprachkurs folgten Stationen in Traunreut und Gröbenzell und schließlich die zweite Dienstprüfung.

Nach der bewarb sich Sobik für die seit elf Jahren vakante Pfarrei Wackersberg. Auch da waren wieder hilfreiche Geister im Hintergrund tätig. Und der Tölzer Kurier hat da ebenfalls eine kleine Rolle gespielt. Der lange verstorbene Jugendpfleger des Landkreises, Karl Weigl, den Sobik in Gröbenzell kennengelernt hatte, schickte ihm nämlich eines Tages einen Zeitungsausschnitt, in dem der Wackersberger Bürgermeister Josef Bauer versprach, dass das Pfarrhaus renoviert werde, wenn sich ein neuer Pfarrer finde.

Sobik kam, sah – und erlebte einen „Kulturschock“ sondergleichen. „Ich habe nichts verstanden.“ Das geht ihm mitunter heute noch so. Nur heute kennt er seine Pappenheimer, und die ihn. „Ich liebe die Menschen, ganz einfach“ und „Ich versuche mit jedem gut auszukommen“, sind seine Erfolgsrezepte im Umgang mit seinen Schäflein, ob sie nun weiß, grau oder tiefschwarz sind. Sobik hat da keine Berührungsängste. Hat er einen Wunsch zum 70. Geburtstag? Einen bisschen besseren Gottesdienstbesuch am Tag des Herrn würde er sich wünschen, sagt er leise.

Am morgigen Sonntag zu seinem Jubeltag wird’s daran bestimmt nicht fehlen. Der „göttliche Berufsjugendliche“, wie ihn der Tölzer Stadtpfarrer Peter Demmelmair augenzwinkernd nennt, hat Eindruck in seiner neuen Heimatgemeinde hinterlassen. Und nicht nur da. Dass er zum stellvertretenden Dekan gewählt worden sei, wertet Demmelmair als äußerlich sichtbaren Beweis für die stets „kollegiale und liebevolle Kooperation“ mit dem Seelsorger Sobik. Und er zitiert, um eine Charakterisierung Sobiks gebeten, nach kurzem Nachdenken den Korintherbrief, in dem Paulus schreibt: „Wir wollen ja nicht Herren über Euren Glauben sein, sondern Diener eurer Freude.“

Mit anderen Worten hat das die eingangs erwähnte Mutter eigentlich auch gesagt.

Christoph Schnitzer

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